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Praxis 16. September 2009

Ihr Kinderlein, kommet!

Für Ihre jüngsten Patienten: Spielerisch leicht gemachte Spielräume.

Vom Bekleidungsgeschäft bis zur Ferienanlage: Viele Institute werben mit einer Kinderecke in ihren Räumlichkeiten. Damit sollen gestresste Eltern entlastet werden. Doch wie muss so ein Spielbereich aussehen, damit Kinder dort auch wirklich verweilen wollen? Reicht ein kleiner bunter Schemel mit einer Kiste Legosteine dafür wirklich aus? Worauf es beim „Spielen im Eck“ ankommt, verrät Ihnen der Raumdoktor.

Vor wenigen Tagen war ich mit meiner Bekannten Caro zum Kaffee verabredet. Normalerweise ein fröhliches Gemüt, erschien sie diesmal mit getrübter Mine und humpelnd. „Ich war bei meinem Hausarzt“, meinte sie lapidar. „Und deswegen humpelst du?“ „Nein. Ich humple, weil ein Kind im Warteraum den Fußboden als Parkplatz für sein Spielzeugauto verwendet hat. Ich bin darauf ausgerutscht. Wenigstens hatte ich es dann nicht mehr besonders weit zu meinem Arzt!“

Ob in einer Kinderarztpraxis oder auch in anderen medizinischen Einrichtungen, es lohnt sich, eine Spielecke für Kinder anzubieten. Die Stimmung im Warteraum ist selten euphorisch, und gerade das Warten selbst ist nicht jedes Kindes Stärke. Den kleinen Rackern und so auch den Eltern wird damit die Zeit deutlich verkürzt.

Ruhig sitzen zu bleiben fällt Kindern schwer. Sie rutschen auf dem Sitz herum, stehen auf, laufen herum und werden schnell abgelenkt. Machen Sie Kindern das Verweilen an einem Ort attraktiv! Schaffen Sie eine Kinderecke, die es den Kleinen ermöglicht, eine Zeitlang aus dem Alltag zu entfliehen!

Um ein Kind zufrieden zu stellen, reichen ein paar bunte Stühle nicht aus. Die Phantasie sollte geweckt werden! Kindermöbel müssen nicht aufwendig oder teuer sein, sondern veränder- und interpretierbar. Mobiliar, das Raum für kreative Ideen lässt. Es muss ja nicht gleich eine komplette Ritterburg sein. Bereits ein paar einfache, bemalte Holzboxen, mit denen Kinder ihr eigenes Reich gestalten können, tun es auch. Schnell lassen sich diese zum Thron, zur kleinen Bühne oder Schreibtisch mit aufgemaltem Spielbrett umstellen, oder sie dienen als Schatztruhe voller Spielsachen.

Themenpark Ordination

Möglich wäre es, die Sprösslinge mit der Spielecke bereits auf den Arztbesuch einzustimmen. Machen Sie Ihre Fachrichtung zum Leitmotiv der Kinderecke! Durch den spielerischen Umgang mit dem Thema gewöhnt sich das Kind bereits an den Arztbesuch. Es gibt kaum spannendere Entdeckungsreisen als jene in den menschlichen Körper. Das kann ein Stuhl sein, der als Zahn ausgeformt ist, oder die bunte Wandmalerei, die kindergerecht die Anatomie des menschlichen Körpers verständlich macht.

Besonders in Arztpraxen mit geringer Grundfläche können die kleinen Spielereien auch an der Wand platziert werden. Einige Hersteller bieten knifflige Spiele mit pädagogischem Wert an, die dort befestigt werden können. Das kann ein Zerrspiegel sein, das können Spiele zur Übung der Kopfarbeit sein, wo gedreht, gedrückt und geschoben wird. So ist eine ganze Wandgalerie an Spielen zur Übung der Fingerfertigkeit und Konzentrationsfähigkeit möglich, die kaum Platz verbraucht.

Möbel nach dem Origami-Prinzip

Wenn Sie genügend Platz zur Verfügung haben, kann die Kinderecke ruhig außergewöhnlicher ausfallen. Wie wäre es mit einer weichen Podestlandschaft oder einem Stockbett mit Vorhang, das als Spieleplattform auf zwei Ebenen dient? So können die Kinder in Ruhe hinter Vorhängen auf einer weichen Oberfläche spielen, ohne von grimmigen Blicken wartender Patienten gestört zu werden.

Sie können Ihre Möbel auch ganz einfach selber bauen. Dazu brauchen Sie weder Werkstatt noch Säge, ein großes Stück Karton und etwas Geschick reichen aus. Der Schweizer Architekt Nicola Enrico Stäubli hat unter dem Namen „foldschool“ eine Kollektion entworfen, die aus gefaltetem Karton tolle Kindermöbel entstehen lässt. Die Instruktionen kann man direkt von der Homepage laden und erlebt so mit eigenen Augen und Händen die Geburt echter Designermöbel. Denn diese Stücke haben einen hohen Spaßfaktor und sehen auch noch „ur super“ aus!

Kindermöbel müssen keineswegs materialintensiv sein. Besonders mit Textilien lassen sich einfache Ideen realisieren. Oft reichen ein paar bunte Stoffe aus, um die Sprösslinge in eine andere Welt zu entführen. Mit einem roten Theatervorhang kann eine kleine Nische zu einem geschützten Kinderbereich umfunktioniert werden. Dahinter können sich die lieben Kleinen in einer kuscheligen, gepolsterten Ecke austoben. Ein Vorteil dicker Vorhänge ist ihre Fähigkeit, den Schall auch in Form lauten Geschreis zu schlucken.

Wählen sie eine Wandpartie aus, die Sie der künstlerischen Ader der kleinen Sprösslinge widmen! Am einfachsten geht dies auf einer weißen Lackoberfläche, auf der mit abwaschbaren Stiften so manches temporäre Kunstwerk entstehen kann. So mancher kleiner Patient wird Sie aus Dankbarkeit vielleicht an der Wand verewigen. Es sei denn, Sie sind Zahnarzt. Dann könnten die kleinen Graffitis auch etwas weniger freundlich ausfallen.

Nicht nur die Kleinen, auch meine liebe Bekannte Caro wird es Ihnen danken, denn auf Wandgemälden lässt es sich schwer ausrutschen. Und vielleicht erleben dann gerade Sie die Geburt eines neuen Picasso an den Wänden Ihrer Praxis.

Weiterführender Link:

http://www.foldschool.com/

Von DI. Niel Mazhar, Ärzte Woche 38 /2009

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