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Praxis 3. April 2008

Dekorativer Blickfang oder Staubfänger? (Raumdoktor 22)

In der letzten Folge des Raumdoktors wurde ein kleiner Einblick in die Welt der Kunst gegeben. Doch nicht nur wertvolle Objekte aus Künstlerhand können Räumen Charakter verleihen, auch rein dekorative Elemente erzählen ein wenig von der eigenen Persönlichkeit und schaffen ein wohnliches Ambiente. Ob Vasen, Kerzenständer oder antike Standuhr, zunächst ist es wichtig, eine gezielte Auswahl zu treffen, die der übrigen Raumgestaltung nicht die Show stiehlt und mit der Einrichtung nicht konkurriert, sondern sie komplettiert.

Wohnaccessoires verbinden viele mit der auf Altgriechisch getrimmten Souvenirvase vom letzten Urlaub guter Freunde und ähnlich gefürchteten Aufmerksamkeiten, wie der Krawatte zum Vatertag oder dem Schnellkochtopf zum Muttertag. Dekorative Elemente sind ein nützliches Instrumentarium, wenn es darum geht, eine Innenraumgestaltung durch einen Hauch Zwanglosigkeit abzurunden, selbst wenn es sich um öffentliche Räume wie eine Arztpraxis handelt.

Purist oder Sammler?

In der Frage der Raumaccessoires kann man von zwei grundverschiedenen Ansätzen ausgehen. Auf der einen Seite stehen die Puristen, die klare Konturen in der Innenraumgestaltung bevorzugen und funktionslose Gegenstände als unnütze Staubfänger betrachten. Auf der anderen Seite die Sammler, die ihr Umfeld gerne etwas verspielter und lebendiger gestalten und großen Wert auf ihre ausgestellten Objekte legen, mit denen sie meist eine persönliche Erinnerung verbindet. Grundsätzlich ist keine dieser Ansichten falsch. Soll eine Raumgestaltung aber nicht unterkühlt wirken, kommt man allerdings kaum ohne Accessoires aus. Doch aufgepasst, ein überladener Raum wirkt auch erstickend und erschwert Ordnung und Hygiene! Ob einzelne bzw. ausgewählte Objekte oder gar eine Kuriositätensammlung, wichtig ist, dass es nicht wahllos und austauschbar wirkt.
Accessoires sollten gezielt eingesetzt werden, etwa um strenge Konturen punktuell aufzubrechen. In schlicht eingerichteten Räumen können einzelne dekorative Elemente einen schönen Kontrast erzielen, welche die klaren Linien und Farben durch ihre Ungleichheit akzentuieren. Auf weißen, glatten Oberflächen kommt etwa eine einzelne Vase oder Schale aus grobem, natürlichem Material wie rauem, unglasiertem Ton besonders gut zur Geltung. Durch diesen Kontrast wird die klare Form keineswegs gestört, sondern erst vervollständigt und ins Bewusstsein gerückt.
Dekoratives Zubehör kann eine Reihe unterschiedlicher Funktionen erfüllen. Es kann als bunter Farbtupfer verstanden werden, der eine farblich einheitliche Gestaltung auflockert oder formale bis skulpturale Akzente setzt. Dies geschieht durch Muster, ornamentale Oberflächen oder auffällige Materialien, etwa durch die Maserung aus dunklem Holz. In einer besonders farbenfrohen Umgebung kann der Raum durch dekoratives Zubehör noch verspielter wirken, es sollte aber ein durchgängiges Prinzip erkennbar bleiben. So wird empfohlen, ähnliche Objekte zu Gruppen zusammenzufassen, wodurch sich eine harmonische Gesamtkomposition ergibt.

Sympathische Gesten setzen

Zu berücksichtigen ist, dass für den Wohnbereich passende Accessoires in einer Arztpraxis fehl am Platz sind. Besonders zerbrechliche Objekte sollten nicht ungeschützt herumstehen, wenn sie nicht Anhänger der Behauptung sind, dass Scherben Glück bedeuten. Ebenso bleibt die Antiquitätensammlung besser zu Hause. Für das Wartezimmer einer Ordination empfehlen sich besonders dekorative Elemente, die robust genug sind, um auch einem funktionalen Aspekt zu dienen. So können dekorative Buchhalter, Strohkörbe aus Kokosblättern, in denen Zeitschriften für den wartenden Patienten bereitstehen oder kunstvolle, mit Obst und Süßigkeiten gefüllte Schalen die Rolle des auflockernden Accessoires übernehmen und zudem eine sympathische Geste darstellen. Bei der Farbwahl ist zu beachten, dass sie mit der übrigen Gestaltung des Raums harmoniert. So wirken Pflanzentöpfe in verschiedenen dunklen Nuancen vor einer hell gestrichenen Wand derselben Farbnuance sehr elegant.
Dekorationsstücke dürfen auch zum Anfassen anregen. Besonders geeignet sind dafür Kissen und Sitzpölster. Sie können selbst monochrom gehaltenen Räumen einen sanften Eindruck verleihen. So kann man ein modernes schwarzes Ledersofa mit Kissen bestücken, die das strenge Ambiente auflockern. Dabei sollte ist farbliche Zurückhaltung angesagt – schwarz-weiß gehaltene Pölster mit ornamentalem Muster spielen dann stilvoll mit dieser farblichen Schlichtheit.
Ob dekorative Elemente einem funktionalen Aspekt dienen oder bloß „schön anzusehen“ sind – jeder neigt dazu, Wohn- und Arbeitsräumlichkeiten mit der Zeit mit persönlichen Gegenständen aufzufüllen – Ausdruck eines uralten Sammeltriebs. Diesem Ur-Instinkt kann hin und wieder freien Lauf gelassen werden, aber es ist zu bedenken, dass man nur das wirklich zu schätzen weiß, wofür man sich ganz exklusiv entscheidet.

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 14/2008

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