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© Martin Burger
Dr. Katharina Bastl Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation, HNO-Klinik, MUW, www.pollenwarndienst.at
 
Immunologie 3. Mai 2016

Die Sonne, der Pollen und du

Expertenbericht: Die Pollen App des Pollenwarndienstes der MedUni Wien.

Der heimische Pollenwarndienst gibt Polleninformation auf wissenschaftlicher Basis aus. Denn entgegen mancher Vorstellung erfordert eine fundierte, verlässliche Pollenvorhersage langwierige Routinearbeit sowie wissenschaftliche Präzision und nicht den schnellen Blick in die Kristallkugel.

Der Eindruck von Pollenallergikern täuscht nicht, denn es gibt auf diesem Gebiet durchaus Herausgeber von Polleninformation, die dazu nicht befähigt sind und daher mit ihren Prognosen die Gesundheit von Pollenallergikern gefährden können. Auch eine verlässliche Pollenvorhersage muss aber vor allem Gehör finden. Neben unsere Kommunikationskanälen der Webseite www.pollenwarndienst.at , Newslettern, sozialen Medien, Teletext und Interviews mit Unterstützung der Medizinischen Universität Wien, war eine App die Möglichkeit eine breitere Masse zu erreichen.

Da mobile Geräte eine immer wichtigere Rolle spielen, starteten wir bereits 2013 mit der ersten Version der App namens „Pollen“. Seither verbessern wir die App, um sie einerseits aktuell zu halten und andererseits um ihre Funktionen zu erweitern. Eine gute App muss eine verlässliche Vorhersage bieten, aber auch Information in vielfältiger Weise bündeln und aufbereiten. Die „Pollen“ App ist mittlerweile in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Schweden und Teilen Italiens in Zusammenarbeit mit den dortigen Polleninformationsdiensten verfügbar.

Die Funktionen

Hier soll ein kurzer Überblick über die Funktionen der App gegeben werden. Beim Aufruf erscheint zuerst die durchschnittliche Symptom-„Tagesbelastung“, die aus den Einträgen des heutigen Tages im Pollentagebuch (über die Webseite und die App aus mehr als 130.000 Nutzereinträgen) berechnet wird. Sie zeigt auf einer Skala von 0-100% an, wie hoch das aktuelle Leidensniveau ist.

Der nächste Menüpunkt „Belastung“ führt zur Standortauswahl und zeigt nach Auswahl einer Stadt, Postleitzahl, Region oder der aktuellen Position die Belastung durch verschiedene Pollentypen für die nächsten drei Tage an. Hier kann man nach Erfassung der Symptome der letzten Tage (wir empfehlen fünf Tage) auch die persönliche Belastung auswählen und die personalisierte Vorhersage einsehen. Unter „Beschwerden“ kann man sich mit dem Pollentagebuch verbinden, Beschwerden eintragen und somit in den Genuss der personalisierten Vorhersage kommen.

Außerdem kann man ausgewählte Pollentypen mit seinen Beschwerden vergleichen und per Email versenden. Bei „Prognosekarten“ stehen nun verschiedene Karten zusätzlich zur Vorhersage zur Verfügung, die den Pollenflug in Österreich bzw. Europa darstellen. Unter „Info“ findet man ein Lexikon über die wichtigsten allergenen Pflanzen und ihrem Blühstart, ein Tutorial für die App, das Impressum sowie die Möglichkeit Feedback zu geben. Der Punkt „Ärzte“ bietet die Facharztsuche von Netdoktor, um den Weg zum Arzt zu ebnen. Die letzte Option in der Liste, „Einstellungen“, erlaubt eine Anpassung an die eigenen Wünsche bezüglich der Darstellung der Belastung, der Benachrichtigungen, der Allergene, der Sprache, des Landes, der Tagebuch-Einstellungen und beinhaltet den Allergiefragebogen. Der Fragebogen erlaubt es, das persönliche Risiko für eine allergische Atemwegserkrankung zu berechnen.

Die Neuerungen

Das Herzstück der App ist die personalisierte Pollenvorhersage. Um die Reaktionsgeschwindigkeit der Klassifizierung des einzelnen Nutzers zu erhöhen, wurde die Formel geändert. Durch überarbeitete Gewichtung werden Änderungen der Reaktionslage nun schneller berechnet und schlagen sich auch schneller in der persönlichen Pollenvorhersage nieder. In Übereinstimmung mit der Webseite sind nun Prognosekarten auch in der App verfügbar. Von diesen stehen drei verschiedene Varianten zur Verfügung.

Die Karte „COSMO-ART“ entstand in Kooperation mit MeteoSchweiz. Das Modell COSMO-ART wurde an Österreich angepasst und die Ergebnisse sind nun für Erle, Birke, Gräser und Ragweed erstmals verfügbar. Bei der Skalierung wurde darauf geachtet, dass sie konform zu den Services von pollenwarndienst.at sind und somit der Vergleich zu anderen Grafiken leichter fällt.

Die COSMO-ART Prognosekarten zeigen die Situation für das ausgewählte Allergen für Österreich und angrenzende Regionen für die nächsten drei Tage. Die Prognosekarten „ZAMG“ entstehen in Kooperation mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik und sind für Österreich für den aktuellen Tag und die Allergene Hasel, Erle, Birke, Gräser, Beifuß und Ragweed verfügbar. Die dritte Variante „SILAM“ ist eine Kooperation mit dem Finnischen Meteorologischen Institut und zeigt die Situation für ganz Europa – sie läuft als Film für eine Woche inklusive der letzten drei und der nächsten drei Tage ab. Verfügbar ist das Modell für die Allergene Erle, Birke, Gräser, Ölbaum, Beifuß und Ragweed. So hat der Pollenallergiker nun die Situation in Österreich und in Europa im Blick. Die Nutzerfreundlichkeit der App wurde basierend auf Feedback von Nutzern ebenfalls verbessert.

Die Informationen

Die Vorteile einer vernünftigen Pollen App sind ersichtlich: rechtzeitige und (wissenschaftlich) abgesicherte Polleninformation, optimierte Allergenvermeidung, Dokumentation der eigenen Beschwerden, Einschätzung des Allergierisikos und persönliche Polleninformation. Allerdings ist unbedingt darauf zu achten, dass hinter solchen Apps Institutionen stehen, die dazu befähigt sind und über eine gute Datenlage verfügen. Eine übergeordnete Stelle zur Qualitätsprüfung von gesundheitsrelevanten Apps wäre hier wünschenswert.

So vorbereitet soll es dem Pollenallergiker erleichtert werden seinen Alltag zu organisieren und möglichst beschwerdearm durch seine Leidenszeit zu kommen. Nur wer informiert ist, kann auch die entsprechenden Maßnahmen ergreifen.

Die Maßnahmen

Der Aufenthalt im Freien oder in speziellen Gebieten kann limitiert werden, Belastungsspitzen können bewusst gemieden werden, die Medikamenteneinnahme kann besser geplant werden und auch ein Urlaub kann ohne böse Überraschung geplant werden. Hier sehen wir unsere Mission, denn eine verlässliche Pollenvorhersage hilft die Beschwerden durch eine verbesserte Allergenvermeidung zu senken und somit die Lebensqualität der Betroffenen signifikant zu steigern.

Wir hoffen mit der „Pollen“-App genau hier anzusetzen und wünschen noch eine möglichst angenehme Pollensaison.

Katharina Bastl, Maximilian Kmenta und Uwe Berger, Ärzte Woche 18/2016

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