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Angiologie 12. August 2013

Fluglärm und Gefäßfunktion

Endothel bereits nach einer Nacht mit Lärmexposition beeinflusst.

Die biologischen Mechanismen, die nächtlichen Fluglärm mit kardiovaskulären Erkrankungen verbinden, haben Mainzer Forscher in einer Studie aufzudecken versucht – mit Erfolg.

Laut den Ergebnissen der Arbeitsgruppe um Erstautor Dr. Frank Schmidt und Prof. Dr. Thomas Münzel von der II. Medizinischen Klinik der Universität Mainz beeinträchtigt der nächtliche Lärm von Flugzeugen die Funktion des Endothels: Die Fähigkeit der Gefäße zur Dilatation nimmt ab (Schmidt FP et al. Effect of nighttime aircraft noise exposure on endothelial function and stress hormone release in healthy adults. Eur Heart J 2013, online 2. Juli; doi: 10.1093/eurheartj/eht269).

Die Mainzer Forscher bestätigen damit nicht nur die Ergebnisse früherer Untersuchungen, die einen Zusammenhang von Fluglärm mit Bluthochdruck, Herzinfarkten und zerebralen Insulten nachweisen konnten. Vielmehr liefern die Resultate Erklärungen dafür, auf welche Weise Fluglärm zu nachtschlafender Zeit krankmacht.

Brachialisdilatation nahm ab

75 gesunde Freiwillige, durchschnittlich 26 Jahre alt, hatten sich an den Tests beteiligt. Während dreier Nächte mussten sie Kopfhörer tragen. In zufälliger Reihenfolge wurden sie in einer der Nächte 30-mal und in einer anderen 60-mal mit Fluglärm beschallt. Der Schalldruckpegel lag bei 60 dB, was etwa dem Umgebungsgeräusch entspricht, das ein einen Meter entfernt stehender Fernseher in Zimmerlautstärke verursachen würde. Die Dauer der Lärmexposition betrug 45 Sekunden. In einer dritten Nacht, der Kontrollnacht, blieb der Kopfhörer still.

Die nächtlichen Daten wurden polysomnografisch erhoben. Am Morgen danach bestimmten die Mainzer Forscher per Ultraschall die Blutfluss-induzierte Dilatation der A. brachialis – ein Maß für die Stickstoffmonoxid-Freisetzung aus dem Endothel. Zudem maßen sie die Pulstransitzeit und die Adrenalinkonzentration im Blut.

Wie sich zeigte, nahm die Brachialisdilatation abhängig vom Lärmpegel ab. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Probanden, die zuerst 30-mal und in der folgenden Versuchsnacht 60-mal „überflogen“ worden waren. Ein Gewöhnungseffekt trat also nicht ein, im Gegenteil: Die vorausgehende geringere Lärmbelastung machte umso empfindlicher für den nachfolgenden größeren Krach. Weitere signifikante Wirkungen des Fluglärms waren abnehmende Schlafqualität, eine verkürzte Pulstransitzeit und eine Erhöhung des morgendlichen Adrenalinspiegels. Der systolische Blutdruck stieg tendenziell, obzwar nicht signifikant.

Oxidativer Stress

Fünf Probanden schluckten am Morgen nach der Belastung mit 60 Nachtflügen 2 g Vitamin C. Zwei Stunden danach zeigten sich die Dilatationswerte der Brachialis signifikant verbessert. Das weist darauf hin, dass die lärminduzierte endotheliale Dysfunktion auf oxidativen Stress in den Gefäßen zurückzuführen sein könnte.

„Wie haben in einer Gruppe junger und gesunder Freiwilliger nachweisen können, dass bereits nach einer einzigen Nacht mit 60 Fluglärmexpositionen die Endothelfunktion beeinträchtigt ist“, schreiben die Autoren. Parallel dazu habe sich der Adrenalinspiegel erhöht, die Schlafqualität habe abgenommen und der Blutdruck sei gestiegen. „Diese Befunde deuten an“, so die Mainzer Wissenschaftler weiter, „dass Hypertonie als Reaktion auf Nachtlärm womöglich nicht nur mit einer Sympathikusaktivierung, sondern auch mit dem Auftreten vaskulärer Dysfunktion erklärt werden muss.“

 

springermedizin.de/rb, Ärzte Woche 28/33/2013

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