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Allgemeinmedizin 12. August 2013

Über 100 in China

Auf der chinesischen Insel Hainan werden die Menschen sehr alt.

Chengmai auf der chinesischen Tropeninsel Hainan besteht aus einigen Dörfern und Orangenplantagen. Viele leben dort in unbeheizten Häusern von wenigen Dollar am Tag, die Alten durchlitten Kriege und Hungersnöte. Dennoch haben sie eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt: Mehr als 200 der 560.000 Einwohner leben schon mehr als hundert Jahre – eine der höchsten Quoten weltweit.

Li Aizhu wurde laut ihrem Ausweis 1900 geboren, elf Jahre vor dem Sturz des letzten chinesischen Kaisers. Regierungsvertreter brachten ihr eine Metallplakette, die sie als „langlebige Berühmtheit“ ausweist.

Auch auf Kuba, den griechischen Inseln, Japan und auf einer Halbinsel in Costa Rica gibt es besonders viele Langlebige. Wissenschaftler fanden Gemeinsamkeiten im Lebensstil: die zentrale Rolle der Familie, körperliche Aktivität und pflanzliche Ernährung. Auch als China dramatische politische Veränderungen erlebte, lief das Leben in Chengmai wie gewohnt weiter: Die meisten bauten Getreide an.

Gesunde Umwelt, soziales Leben

US-Altersforscherin Jennifer Holdaway, Programmdirektorin der China Environment and Health Initiative des Social Science Research Council (SSRC) in Brooklyn, New York, schreibt das hohe Alter vieler Bewohner der landwirtschaftlichen Prägung der Insel zu. „Es gibt nicht viel Industrie, das Klima ist gut, sie haben viel Bewegung und die Ernährung ist gesund, der Boden ist reich am Spurenelement Selen“, sagt sie. Xu Yuhe, laut Ausweis 104 Jahre alt, findet auch ihr tägliches Getreideschnäpschen überlebenswichtig. „Ich trinke jeden Abend Alkohol“, sagt die 80-jährige Sheng She.

Auch ein aktives soziales Leben ist ein Schlüssel zur Langlebigkeit, betonen die Experten. Das Teehaus in Chengmai ist jeden Morgen voll von Alten, die Karten spielen, plaudern und Opernaufnahmen aus scheppernden Lautsprechern lauschen. „Ich komme jeden Morgen hierher, um Sport zu machen, Oper zu hören und Tee zu trinken“, sagt Sheng, bevor sie an einem Gestänge Gymnastik macht. Eine von der Kommunistischen Partei in Chengmai beauftragte Studie nennt Gründe für das Phänomen: „Fleißig, einfach und großherzig sein, eine vegetarische Ernährung, früh schlafen und aufstehen“. Langlebigkeit sei selten in reichen Regionen anzutreffen. „Wenn Sie in so einem Klima leben, brauchen sie nicht viel, um sich wohlzufühlen“, sagt Holdaway. „Eine Behausung, Moskitonetz, Rattan-Stühle und andere Leute, mit denen Sie abhängen können.“

Jennifer Holdaway: Environment and Health Research in China: The State of Field. Cambridge University Press, June 2013

China Environment and Health Initiative: http://www.ssrc.org/programs/china-environment-and-health/

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