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Praxis 1. Juni 2016

Eine Gesellschaft im Bore-out

Die Kommunikations- und Marketing-Experten Martin-Niels Däfler und Ralph Dannhäuser untersuchen die Hintergründe des Arbeitsleids.

Was braucht ein Mitarbeiter, um im Beruf glücklich zu sein? Unterforderung und unangenehme Vorgesetzte gehören nicht dazu.

Zum Thema Zufriedenheit im Beruf. Hat Ihre Online-Befragung Überraschendes hervorgebracht?

Martin-Niels Däfler: Unsere Befragung hat einige Annahmen bestätigt, aber auch ein paar Resultate geliefert, mit denen wir so nicht gerechnet hatten. In unserer Online-Befragung haben uns 1.519 Teilnehmer aus ganz Deutschland Auskunft darüber gegeben, wie zufrieden sie in materieller und immaterieller Hinsicht sind. Über ein Drittel ist finanziell und zugleich ideell zufrieden. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass knapp zwei Drittel nicht glücklich in ihrem Job sind. Knapp ein Viertel der Befragten ist weder materiell noch immateriell zufrieden. Diese Verteilung korrespondiert im weitesten Sinn mit ähnlichen Untersuchungen. Überraschend war, dass die 26- bis 35-Jährigen am unzufriedensten sind. Ganz anders die über 55-Jährigen; sie schneiden in beiden Kategorien am besten ab. Weiterhin erstaunt hat uns, dass sich 31 Prozent der Befragten unterfordert fühlen, aber nur acht Prozent überfordert. Offensichtlich haben wir in unserer Gesellschaft nicht nur ein Burnout-, sondern auch ein Boreout-Problem.

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Zufriedenheit?

Ralph Dannhäuser: Frauen sind unzufriedener als Männer, und zwar sowohl in materieller als auch in immaterieller Hinsicht. Die rein quantitative Auswertung liefert keine Hinweise darauf, warum das so ist. Es ergeben sich aber Einsichten, wenn man die Freitextantworten sowie die Frage nach der Über-/Unterforderung betrachtet. Hier zeigt sich, dass Frauen sich mit gut elf Prozent häufiger überfordert fühlen als ihre männlichen Kollegen, bei denen es nicht ganz sieben Prozent sind. Das mag mit der nach wie vor vorhandenen Doppelbelastung zu tun haben, kann aber auch daran liegen, dass Frauen höhere Ansprüche haben und öfter enttäuscht sind.

Was braucht denn ein Berufstätiger, um sich mit seiner Arbeit glücklich fühlen zu können?

Martin-Niels Däfler:Letztlich wünschen sich Berufstätige nicht allzu viel. Sie wollen – plakativ gesagt – einfach nur in Ruhe ihre Arbeit machen können und hin und wieder ein wenig ehrliche Wertschätzung erfahren. Das klingt banal, aber genau das ist es, was so häufig beklagt wird. Arbeitnehmer kritisieren insbesondere die Verhaltensweise des direkten Vorgesetzten: Planlose, cholerische und arrogante Chefs sind weit verbreitet. Um die Frage zu beantworten: Berufstätige brauchen Aufgaben, die sie optimal fordern und eine vernünftige Arbeitsatmosphäre, aufrichtige Vorgesetzte eingeschlossen.

Was können unglückliche Mitarbeiter tun, um mehr Zufriedenheit zu erreichen?

Ralph Dannhäuser:Wer total frustriert ist, wird unserer Erfahrung nach am alten Arbeitsplatz nichts bewegen können. Hier gilt es, das Spielfeld zu wechseln, also sich einen neuen Job zu suchen. Anders bei den materiell Unzufriedenen. Die sollten zunächst das offene Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen und nach einer Gehaltssteigerung fragen.

springerprofessional.de, Ärzte Woche 22/2016

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