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Diabetologie 26. Oktober 2015

Eine systemische Erkrankung

Diabetes oder psychiatrische Erkrankungen sind bei COPD-Patienten keine Seltenheit.

Mit großem Abstand überwiegen aber begleitende kardiovaskuläre Erkrankungen. Experten raten dringend, bei COPD nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz im Auge zu behalten.

Aus dem DACCORD-Register mit über 12.000 Patienten geht hervor, dass bei mehr als der Hälfte der ambulanten COPD-Patienten in Deutschland auch eine koronare Herzkrankheit, eine Herzinsuffizienz oder arterielle Hypertonie vorliegt. Von den schwer kranken COPD-Patienten in der TORCH-Studie verstarb jeder vierte an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Patienten mit Herzinsuffizienz oder ischämischer Herzerkrankung haben eine deutlich schlechtere Prognose, wenn noch eine COPD hinzukommt. Häufig besteht in Verbindung mit einer COPD auch eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion, die sich ungünstig auf das Überleben auswirkt, aber vielfach unentdeckt bleibt.

Die COPD wird als inflammatorische Krankheit angesehen. Diese Entzündung macht nicht in der Lunge halt, sondern erreicht über das Endothel auch andere Organe wie die Herzkranzgefäße. Prof. Dr. Heinrich Worth:. „Wir haben bei der COPD eine Erkrankung mit systemischen Auswirkungen auf Herz, Gefäße und vermehrt Krankheiten wie Diabetes, metabolisches Syndrom.“

Außerdem beeinträchtigen die Veränderungen in der Lunge die Funktion des Herzens mechanisch. Ein Teil der Patienten leidet auch unter einer pulmonalen Hypertonie, die das rechte Herz belastet und zum Cor pulmonale beiträgt.

Mit dem Schweregrad der COPD steigt die Ruhe-Herzfrequenz an und dies verkürzt die Lebenserwartung verkürzt. In der Kardiologie werden Frequenzen um die 60 Schläge/Minuten angestrebt. Von diesem Zielwert sind Patienten mit schwerer COPD weit entfernt. Zu hohe Werte sollte man beim Patienten mit einer chronisch obstruktiven Bronchitis senken, etwa mit einem kardioselektiven Betablocker oder mit dem If-Kanalblocker Ivabradin. Betablocker sind in der Therapie der obstruktiven Atemwegserkrankung umstritten, weil sie eine Obstruktion auslösen oder verstärken können. Für Asthmatiker werden sie nicht empfohlen. Das gilt nicht für die COPD. Nach einem Herzinfarkt oder bei Herzinsuffizienz können sich Betablocker als hilfreich erweisen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 44/2015

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