zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 7. April 2014

Warum tut uns ein Frühlingstag gut?

Mediziner unterschiedlicher Fachdisziplinen erklären die Wirkung von wärmenden Sonnenstrahlen auf unseren Organismus.

Die ersten Frühlingstage tun nach dem Winter so richtig gut – und heben die Stimmung. Doch woher kommt die gute Laune eigentlich? Mediziner geben die Antwort.

Die ersten warmen Tage fühlen sich einfach gut an. Doch die Frühlings-Euphorie ist nicht einfach so da. Sie kann auch wissenschaftlich erklärt werden. Drei Forscher aus verschiedenen Disziplinen beschreiben den Zusammenhang zwischen gutem Wetter und guter Laune:

Der Psychologe: Der Mensch ist darauf programmiert, bei Dunkelheit zu ruhen, bei Licht sei er hingegen auf Aktivität und Hochgefühl gepolt, sagt Peter Walschburger, emeritierter Professor für Biopsychologie an der Freien Universität Berlin. Das bewusste Erleben und das Verhalten der Menschen ändern sich durch einen schönen Frühlingstag radikal. Dabei kommt es zu positiven Rückkopplungseffekten: „Sie sehen plötzlich viele Menschen draußen. Dadurch gehen sie selber leichter raus.“ Außerdem könne man beispielsweise leichter angezogen sein, was wiederum optische Reize für das andere Geschlecht schaffe. „Sie sehen mehr Pärchen entlang der Seen wandeln. So ist das ein allgemeiner Aufschaukelungseffekt.“ Auch Düfte und Vogelgezwitscher haben auf uns Einfluss. „Deswegen ist der Frühling eine unglaubliche Aufbruchzeit“. Im Winter ist die Lebensweise hingegen gedämpft: „Wir schlafen länger und werden etwas dicker.“

Der Endokrinologe: Sonnenstrahlen ändern unseren Hormonhaushalt. Einen besonders starken Einfluss auf unsere Laune haben das Schlafhormon Melatonin und das Glückshormon Serotonin, erklärt Professor Helmut Schatz, Sprecher der deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Wenn es früher hell wird und die Sonne stärker scheint, fällt mehr Licht aufs Auge. Dadurch bekommt die Zirbeldrüse im Gehirn den Befehl: Melatoninproduktion herunterfahren. Gleichzeitig steigt bei Sonnenlicht die Serotoninbildung im Körper. Die Folge: Mit mehr Glückshormonen im Blut haben wir bessere Laune. Auch die Wärme hat einen Einfluss aufs Gemüt. Allerdings führe Kälte nicht automatisch zu schlechterer Laune.

Der Medizinmeteorologe: Der Mensch ist schon immer wetterfühlig. „Das liegt in den Genen, das ist archaisch“, sagt der Medizinmeteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Das Wetter habe Einfluss auf uns, obwohl unser Wohlergehen im Gegensatz zu früher nicht mehr vom Wetter abhängt. „Der Körper weiß nicht wirklich, dass wir inzwischen alle Klimaanlagen und tolle Heizungen haben.“ Neben den akuten Sonnenstrahlen spiele im Frühjahr auch ein jahreszeitlicher Rhythmus eine Rolle. „Viele Leute sind unterwegs. Man bekommt Lust einfach auf Eis oder auf Biergarten.“ Der Körper fahre durch bestimmte Lichtreize wieder hoch und konzentriere sich beispielsweise auf die Nahrungsaufnahme und auf die Sexualität. Prinzipiell sei es ein gutes Zeichen, wenn der Körper auf einen Frühlingstag mit guter Laune reagiere: „Dann funktioniert auch alles soweit ganz gut.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben