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Wenn Mütter unter Depressionen leiden, haben ihre an Diabetes erkrankten Kinder eher diabetische Komplikationen.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 30. September 2013

Nachwuchs mit Diabetes

Studie: Depression der Mutter erhöht Komplikationsrate beim Kind.

Wie beeinflussen depressive Symptome der Mutter das Risiko des Kindes, wegen schwerer Hypoglykämien oder einer diabetischen Ketoazidose (DKA) stationär aufgenommen zu werden?

Die anspruchsvolle Betreuung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes verlangt von den betreuenden Eltern, und dies sind insbesondere die Mütter, ein hohes Engagement. Dabei ist der Erfolg stark von diesem Engagement, vor allem dem der Mütter oder Stiefmütter, abhängig.

Eine solche Verantwortung, aber auch die fehlende Unterstützung, endet oft in einer psychischen Belastung, die emotionale Probleme hervorrufen kann. 15 bis 20 Prozent alle Mütter leiden an mittelschweren bis schweren depressiven Symptomen, nachdem die Diagnose beim Kind gestellt wurde. Diese Depression hält bei vielen Müttern über Jahre an. Stoffwechselgüte und die Lebensqualität von Kindern mit Diabetes sind mit dem Auftreten von mütterlichen Depressionen assoziiert. Ob solche mütterlichen depressiven Symptomen akute Stoffwechselentgleisungen (DKA) oder schwere Hypoglykämien beim Kind auslösen können, die zu Krankenhauseinweisungen führen, ist hingegen nicht untersucht.

Patienten und Methodik

166 Familien von 211 betreuten Familien von Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 18 Jahren und einer Diabetesdauer von mindestens einem Jahr nahmen an der Studie teil.

Die mütterliche Depressionsstärke wurde mit der Hamilton depression rating scale (HDRS) ermittelt. Dieser Fragebogen beinhaltet depressive Symptome im Bereich Stimmung, Arbeit und Aktivität, Schlaf, suizidalen Gedanken, psychomotorischer Agitation oder Retardierung, Appetit, sexuellem Interesse, Ängsten sowie somatischer und kognitiver Symptome. Es ist ein Gesamtscore von 0 bis 52 zu erreichen. Eine milde bis moderate Depression wird mit einem Score von 14 bis 17 erwartet, eine moderate bis schwere Depression mit mehr als 17 Punkten. Um das Risiko einer stationären Aufnahme vorhersagen zu können, untersuchten die Autoren die HDRS-Scores mittels einer ROC-Analyse. Auch die Zeit bis zur Aufnahme ab Symptombeginn analysierten sie. Eine multivariate Analyse adjustierte die Covariablen Geschlecht, Alter, den HbA1c, das Insulintherapieregime und die Diabetesdauer.

Ergebnisse

Es wurden 166 Mütter (mittleres Alter: 39,6 Jahre) einbezogen, die durchschnittlich etwa so viel verdienten , wie der Durchschnittsbürger in Polen. Ihre Kinder waren im Mittel 13,4 Jahre alt. Die meisten (57%) erhielten eine Insulinpumpentherapie. Durchschnittlich wiesen die Mütter einen HDRS von fünf auf. An einer milden Depression (HDRS 10–13) litten 18 Mütter; moderate (14–17) oder schwere depressive Scores (› 17) zeigten sich bei 13 bzw. sieben Müttern. Dabei ergab sich eine moderate positive Korrelation mit dem HbA1c vor Studienbeginn, aber auch über den Beobachtungszeitraum (3 Jahre). Im Studienzeitraum wurden 77 stationäre Aufnahmen verzeichnet, 53 (69%) wegen hohen Blutzuckern oder DKA und 21 wegen schwerer Hypoglykämien. 13 Kinder oder Jugendliche wurden mehrfach aufgenommen. Depressive Symptome der Mütter waren signifikant mit dem Risiko zur stationären Aufnahme assoziiert. Es ergab sich ein relatives Risiko von 1,08 pro Punkt HDRS-Symptomscore. Die ROC-Analyse ergab, dass ein Schwellenwert von zwölf Punkten im HDRS als cut-off für ein erhöhtes Risiko angesehen werden kann.

Schlussfolgerung

Kinder und Jugendliche mit einer Typ-1-Diabetes-Erkrankung, deren Mütter stärkere depressive Symptome zeigen, haben ein höheres Risiko, wegen akuter diabetischer Komplikationen stationär aufgenommen zu werden.

 

Quelle: Info Diabetologie 2013; 7 (2): 14-15 basierend auf: Butwicka A, Zalepa A, Fendler W et al. Maternal depressive symptoms predict acute hospitalization among children with type 1 diabetes. Pediatr Diabetes 2013. doi: 10.1111/pedi.12010. [Epub ahead of print]

springermedizin.de/IS, Ärzte Woche 40/2013

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