zur Navigation zum Inhalt
 

Mitgefühl in kleinen Dosen

Mediziner können lernen, die angeborene Mitleidsreaktion zu unterdrücken. Zu diesem Ergebnis kommt Jean Decety von der Universität Chicago in einer rezenten Publikation. Die Psychologen untersuchten, wie Ärzte auf bei ihren Patienten beobachteten Schmerz reagierten (Curr Biol 2007 Sep 25; Epub ahead of print). Dann
verglichen sie die Reaktion mit jener von Probanden, die keinerlei Erfahrung damit hatten, Menschen kontrolliert Schmerzen zuzufügen. Die Studienteilnehmer sahen Videos mit Menschen, die entweder mit Nadeln in Hände, Füße und Mundregion gestochen oder mit Wattestäbchen berührt wurden. Währenddessen wurden die Gehirne der Teilnehmer mittels funktioneller Kernspintomografie (fMRT) überwacht.
Mit dem fMRT wurden insbesondere jene Hirnregionen unter die Lupe genommen, in denen die Schmerzwahrnehmung stattfindet. Dazu gehören unter anderem das periäquiduktale Grau, die somatosensorische Hirnrinde und die vordere Inselrinde. Diese schmerz­wahrnehmenden neuroanatomischen Strukturen waren bei Ärzten bei der Betrachtung beider Videos ruhig. Stattdessen aktivierte der Anblick der Nadeln Hirnbereiche, die mit der Kontrolle von Emotionen in Verbindung gebracht werden.
Bei unerfahrenen Teilnehmern jedoch waren die schmerzwahrnehmenden Zentren während der Nadelszenen besonders aktiv. Die Berührung mit Wattestäbchen ließ ihre Hirnzentren ebenso ungerührt wie jene der Ärzte.
Die untersuchten Mediziner können ihre Schmerzempathie unterdrücken und so Patienten behandeln, ohne von ihren eigenen Gefühlen überwältigt zu werden, wie Decety vermutet.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben