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Psychologie 9. Mai 2007

Mittler zwischen Mensch und Maschine

Hinter dem Titel verbirgt sich die interdisziplinäre Zusammenführung von Psychologie und Informatik: „Human-Computer Interaction for Medicine“.

Immer mehr Informationen in immer kürzeren Zeiträumen: der Fortschritt der medizinischen Informatik ist enorm. Auf Seite des menschlichen Benutzers jedoch verändert sich die Fähigkeit zur Informationsverarbeitung kaum. Die zur Entscheidungsfindung vorhandene Zeitspanne nimmt nicht zu, sondern ab. Diese beiden Faktoren – zunehmendes Informationsangebot bei beschränktem Zeitangebot, die Information zu bearbeiten und zu bewerten, führt zu kognitiver Überlastung und dem technischen Gerät gegenüber zu Frustration und Ablehnung bei Benutzern.

Informationsflut überfordert

„Es geht nicht darum, dass wir einfach immer mehr Informationen zur Verfügung stellen. Entscheidend ist die Frage, wie wir diese Informationen darstellen und präsentieren, wie wir Arbeitsabläufe im komplexen Umfeld des Gesundheitswesens so optimieren, dass die Endbenutzerinnen und Endbenutzer rasch ein anstehendes Problem lösen oder eine Entscheidung treffen können. Dazu müssen Erkenntnisse aus der Psychologie in der Informatik auf systemischer Ebene umgesetzt werden,“ umreißt der Leiter der Forschungseinheit Doz. Ing. MMag. Dr. Andreas Holzinger die Aufgabe seiner neuen Forschungseinheit. Emergency Monitoring and Prevention (EMERGE) heißt ein länderübergreifendes EU-Projekt, das älteren Menschen durch technische Hilfestellungen eine höhere Lebensqualität verschaffen soll.

Einfach bedienbare Systeme für Alte und Behinderte

HCI4MED ist innerhalb von EMERGE verantwortlich für die Themen Mensch-Maschine-Kommunikation, Usability Engineering und lebensbegleitendes Lernen. Vorarbeiten waren ein interaktives Patienten-Kommunikationssystem für die onkologische Abteilung des Universitätsklinikums Graz und ein mobiles Patienten-Informationssystem für die dermatologische Abteilung eben dieser Klinik. Diese Systeme wurden für ältere und fallweise behinderte Patienten entwickelt. „Für den alten Menschen sind Touchscreens – berührungsempfindliche Bildschirme – aufgrund der direkten Hand-Auge-Koordination einfacher zu bedienen,“ sagt Holzinger. „Genau darauf gehen wir in unserer Arbeit ein: wie können wir Informationssysteme benutzerfreundlich machen?“ Der Nachrichtentechniker, Psychologe und Medienpädagoge weiter: „Wichtig ist, dass Senioren so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben können. Dabei suchen wir nach Lösungen, wie wir Menschen mit modernster Technologie unterstützen, präventiv Notsituationen vermeiden oder im Notfall schnelle Hilfestellung geben können.“ Für den alten Menschen ist der Umgang mit Informationstechnologie meist ungewohnt. Mancher fühlt sich von einer technologischen Hilfe überfordert, Misstrauen und Ablehnung gegenüber dem modernen Hilfsmittel sind oft die Folge. Auf dieser Ebene soll HCI4MED durch benutzerfreundliche Konzepte Abhilfe schaffen. Können Menschen dann durch technische Hilfsmittel länger zu Hause wohnen bleiben, so spart das viel Geld. Die demographische Entwicklung wird ja eine enorme Zunahme der älteren Bevölkerung bringen.

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