zur Navigation zum Inhalt
© Philipp Szyza / HOCH ZWEI / picture alliance
 
Sportmedizin 31. März 2017

Es lebe der Sport?

Expertenbericht. Die Effekte der Mitgliedschaft bei einem Sportverein auf die Gesundheit sind nicht eindeutig. Während eine Literaturstudie der heimischen Ärzte für eine gesunde Umwelt das soziale Wohlbefinden herausstreichen, sind Schweizer Forscher überzeugt, dass sportliche Jugendliche vermehrt zu Alkohol und Schnupftabak greifen.

Gesundheit umfasse körperliches und seelisches sowie soziales Wohlbefinden. Während die positiven Wirkungen des Vereinssports auf die Gesundheit aus physiologischer Sicht vielfach präsentiert wurden, seien psychosoziale Aspekte bisher nur wenig von der Öffentlichkeit thematisiert. So argumentiert das Autorenkollektiv, das sich aus den Umweltmedizinern Prof. PD Dr. Hans-Peter Hutter, Dr. Peter Wallner und Mag. Anna Wanka sowie aus Vertretern der Bundes-Sportorganisation und der Sportunion zusammensetzt.

Ausgehend von der Gesundheitsdefinition der WHO von 1946, in welcher Gesundheit als „Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens“ beschrieben wird, haben die Autoren einen Literaturreview durchgeführt. Dabei wurden bereits vorhandene Forschungsergebnisse aus den Bereichen Public Health und Sportwissenschaft zu den Effekten der aktiven Mitgliedschaft in einem Sportverein auf die Gesundheit der Mitglieder analysiert, zu Kernaussagen zusammengefasst und anschließend medizinisch bewertet. Als innovativer Ansatz habe man das Augenmerk auf das psychosoziale Wohlbefinden gelenkt.

Zur Identifikation von Forschungsergebnissen wurde eine systematische Literaturrecherche in der Meta-Datenbank Pubmed im Juli 2016 durchgeführt – Suchbegriffe waren „sports club“ und „health“. Die Suche ergab 1.685 Treffer. Studien, die ausschließlich die Auswirkungen auf die physische Gesundheit, andere Formen von organisierten Sport (z. B. Kurse), die Auswirkungen auf spezielle Zielgruppen (z. B. Krebskranke, indigene Völker) untersuchten oder in denen die Effekte der Mitgliedschaft im Sportverein nicht isoliert untersucht werden konnte, haben die Autoren ausgeschlossen. Am Ende wurden 27 Originalstudien und drei Übersichtsarbeiten im Volltext analysiert. Die Studien beinhalten Daten aus acht unterschiedlichen Ländern: Australien, Deutschland, Island, Japan, Korea, Norwegen, USA, Vereinigtes Königreich sowie eine sechs Länder übergreifende Untersuchung (Belgien, Kanada, England, Italien, Polen, Rumänien).

Die gesundheitlich relevanten Effekte aus den analysierten Studien zusammengefasst dargestellt. Hervorzuheben sei, schreiben die Autoren, dass sich die Effekte sich in allen Altersklassen und bei beiden Geschlechtern nachweisen lassen:

- Die aktive Mitgliedschaft im Sportverein in der Jugend trägt zur Eingliederung in die Gesellschaft bei und schützt Jugendliche davor auf die schiefe Bahn zu geraten (siehe dazu aber Artikel auf S. 7).

- Die aktive Mitgliedschaft im Sportverein stärkt das Selbstvertrauen von Jugendlichen, insbesondere von Mädchen.

- Die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein hat positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit, z. B. die Vitalität. Diese sind stärker als beim selbstorganisierten Sporttreiben.

- Sportvereinsmitglieder sind mit ihrem Leben zufriedener.

- Die Mitgliedschaft in einem Sportverein macht Spaß und bringt soziale Unterstützung mit sich. Dies führt auch zu einer regelmäßigen sportlichen Betätigung.

Die Ergebnisse seien als wissenschaftlich belastbare Gesundheitsargumente im Sinne des gemeinnützigen Sports zu verstehen, so die Autoren. Angemerkt wird, dass der Nutzen, den diese Effekte für die Gesellschaft haben, z. B. über Einsparungen im Gesundheitswesen, nicht berücksichtigt werden konnte. Eingeräumt wird, dass bei der Frage nach den Wirkungen des Sportvereins neben den Effekten auf den Einzelnen auch die Wirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes von Interesse sei und die Verschränkung der Ergebnisse erstrebenswert.

Bei der Beurteilung der Datenlage habe man auch Studien berücksichtigt, die keine oder nur geringe positive Effekte auf die Gesundheit nachweisen konnten. In der überwiegenden Zahl der vorliegenden Studien konnten jedoch deutliche Effekte nachgewiesen werden.

Wirkung oder Ursache?

Aufgrund der in den Studien nicht zufällig getroffenen Zuordnung zu den jeweiligen Untersuchungsgruppen (Sportvereinsmitglieder vs. Nichtsportsvereinsmitglieder) könne nicht ganz ausgeschlossen werden, dass die gefundenen Positiva nicht Wirkung, sondern Ursache der Sportvereins-Mitgliedschaft seien, heißt es weiter. Allerdings hätten einige Untersuchungen gezeigt, dass es mit der Ausübung der Sportvereins-Mitgliedschaft zu Veränderungen in gesundheitlich relevanten Parametern kommt.

Auch deuten Studien, die den biologischen Mechanismus der Wirkung sozialer Beziehungen auf die Gesundheit untersuchten, darauf hin, dass die gefundenen Positiva der Sportvereins-Mitgliedschaft kausale Effekte sind.

Quelle:„medi.um. Zeitschrift für Umwelthygiene und Umweltmedizin“ , 01/2017, herausgegeben von Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt AEGU (www.aegu.net). AEGU ist die österreichische Sektion der ISDE, der International Society of Doctors for the Environment.

Diese Studie der Aspetar Klinik in Doha schreckte 2015 auf: Weltweit sind hochgerechnet 76.000 Handballer vom plötzlichen Herztod bedroht. Vorsorge kann das Risiko extrem senken ( http://bit.ly/2nCYEyh ).

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 14/2017

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben