zur Navigation zum Inhalt
© akg-images / picture alliance
Die Hexe lockt Hänsel und Gretel in das Pfefferkuchenhaus. Fotopostkarte, koloriert, Leipzig, um 1910.
 

Der Hänsel und die Gretel

Alle lügen. Aber die Flunkerei der darbenden Kinder wird anders bewertet als jene der Eltern.

Die Wurzeln des Märchens werden in Hessen und Schwaben während des Dreißigjährigen Krieges vermutet. „Wir wollen in den Wald gehen und Holz holen“, so begründet die Mutter den Ausflug in den Wald. Dies ist eine eiskalte Lüge, um die Kinder im Wald auszusetzen. Untersuche man das Märchen gezielt auf Lügen, stelle man fest, dass sich diese wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen, sagt Frey. „Dass die Kinder die Hexe belügen, um sich aus ihrer Gefangenschaft zu befreien, finden die meisten moralisch vertretbar.“ Wir lügen, um die Harmonie einer Gruppe aufrechtzuerhalten, und genau dieses Verhalten brachte den Menschen früher einen evolutionären Vorteil. Mit Sicherheit soll die Botschaft nicht sein, dass Lügen per se schlecht ist. Vielmehr kann uns die Geschichte dazu anregen, uns Gedanken zum Lügen zu machen, und zwischen Flunkern und chronischem Lügen zu unterscheiden: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er die Wahrheit spricht.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben