zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 7. Oktober 2016

Belgische Klinik lagert 3.000 Gehirne in Plastikbehälter

Der Anblick ist nichts für zarte Gemüter: In ordentlich gestapelten Plastikbehältern lagern tausende menschliche Gehirne. Die Sammlung im Keller der psychiatrischen Klinik im belgischen Duffel ist die größte ihrer Art. Mit ihrer Hilfe wollen Forscher den Ursachen psychischer Erkrankungen auf die Spur kommen.

„Normalerweise untersuchen wir die Funktion des Gehirns anhand von Blutproben“, sagt Manuel Morrens, der die Forschungsabteilung des Krankenhauses leitet. „Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns das Gehirn direkt anzusehen.“ Der britische Neuropathologe John Corsellis hatte die Sammlung ab 1951 über 40 Jahre hinweg angelegt. Nun war in London kein Platz mehr für die in Formaldehyd oder Paraffin konservierten Gehirne. Deshalb wurden sie kürzlich in den Norden Belgiens gebracht, wo sie von der Klinik und der Universität Antwerpen zu Forschungszwecken genutzt werden.

Die Wissenschafter sind froh über diesen Schatz. „Heutzutage ist es in Belgien nahezu unmöglich, an das Gewebe verstorbener Patienten zu gelangen“, sagt Morrens. Grund dafür seien strenge Ethikregeln.

Die britische Sammlung ist auch deshalb vielversprechend für die Forschung, weil sie größtenteils aus einer Zeit stammt, in der psychisch Kranke nicht mit Psychopharmaka behandelt wurden, die die Strukturen des Gehirns verändern können. „Hier können wir die Krankheit in Reinform erforschen“, sagt Morrens. Zu jedem Organ in der Sammlung gibt es eine Akte, in der der Krankheitsverlauf des Patienten festgehalten ist. Die belgischen Wissenschafter suchten sich für ihre Forschung hauptsächlich Gehirne von Menschen aus, die unter Depression oder Schizophrenie litten.

Sie erhofften sich neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Biologischen Psychiatrie, die mentale Probleme durch die biologische Funktion des Nervensystems zu erklären versuche, sagt eine der Medizinerinnen, Violette Coppens. Sie und ihre Kollegen schneiden dünne Scheiben aus den Gehirnen, färben sie ein und untersuchen diese dann unter dem Mikroskop auf mögliche Entzündungen.

„Kann eine Entzündung im Gehirn psychische Erkrankungen auslösen, verschlechtern oder sonst irgendwie beeinflussen?“, formuliert Coppens die Forschungsfrage. Wenn alle der rund 3.000 Gehirne untersucht sind, will sie die Antwort darauf gefunden haben.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben