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Praxis 24. Mai 2016

Mitbestimmung ist ein Muss

Umfrage lässt vermuten, dass der Begriff „Betriebsrat“ sehr hohe Zustimmung findet, auch bei Unternehmern.

Zuviel Demokratie schadet nie – so sehen die meisten Mitarbeiter die betriebliche Mitbestimmung. Doch Arbeitgeber spielen nur solange mit, bis ihre Verfügungsrechte nicht bedroht sind. Das bietet Konfliktpotenzial. Denn Mitbestimmung im Unternehmen findet nicht im rechtsfreien Raum statt.

Das Wort Mitbestimmung hat bei Mitarbeitern einen sehr guten Klang. Das hat die arbeitgebernahe Hans-Böckler-Stiftung in einer telefonischen Befragung von 1.904 Erwerbstätigen herausgefunden. Die große Mehrheit (65 Prozent) der Befragten findet, dass Arbeitnehmer ebenso viel Einfluss haben sollten wie Arbeitgeber.

In der Studie unter Federführung von Werner Nienhüser von der Universität Duisburg-Essen wurden auch die Assoziationen zu bestimmten Schlüsselbegriffen abgefragt. Beim Stichwort „Mitbestimmung“ lag der Anteil positiver Verknüpfungen bei rund 67 Prozent. Beim Begriff „Betriebsrat“ gab es sogar knapp 69 Prozent positive Nennungen.

Auch auf Arbeitgeberseite sind Äußerungen zur Mitbestimmung und zum Betriebsrat vorwiegend positiv. Doch diese grundsätzlich aufgeschlossene Haltung hat ihre Grenzen, urteilen die Wissenschaftler. Denn Unternehmen arrangieren sich mit der Mitbestimmung zwar durchaus – sofern ihre Handlungsspielräume nicht zu sehr eingeschränkt werden.

Die Mitbestimmung in Unternehmen und Betrieb ist allerdings kein rechtsfreier Raum. So richtet sich die Intensität der Partizipation in Deutschland nach der Organisationsform. Am intensivsten ist die Arbeitgeberbeteiligung in Montanunternehmen (Bergbau), am schwächsten in kleineren Kapitalgesellschaften. Diese Unterschiede sind historisch gewachsen.

Doch von einem Standortnachteil durch die Mitbestimmung, kann nicht die Rede sein, schreibt Ulrich Goldschmidt im Buchkapitel „Mitbestimmung als Teil der Unternehmenskultur und des unternehmerischen Erfolgs“.

Im Gegenteil: „Bei einem partnerschaftlichen Umgang miteinander und einer Mitbestimmung als selbstverständlicher Teil der Unternehmenskultur wird diese Arbeit zu einem Standortvorteil“, betont der Springer-Autor. Diese Vorteile sind wie folgt:

• Betriebsrat und Sprecherausschuss fungieren als Co-Management des Arbeitgebers

• Verbesserung von Entscheidungsprozessen

• Verbesserte Kommunikation, mehr Akzeptanz bei Veränderungsprozessen

• Arbeitserleichterung

• Vermittlung in Konfliktfällen

• Harmonisierung von Abstimmungsprozessen bei Mandatsbesetzungen im Aufsichtsrat

Durch Verantwortung und Zusammenarbeit der Gremien entstehen Arbeitsbeziehungen, die auf Fairness und Vertrauen basieren und sich für die gesamte Unternehmenskultur auszahlen.

Win-win-Situation für alle

Goldschmidts Fazit: Eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmensleitung und den Arbeitnehmervertretungen unterstützt das strategische wie operative Management des Unternehmens, stärkt die Mitwirkung der Arbeitnehmer und ihrer Vertretungen in Veränderungsprozessen und im betrieblichen Tagesgeschäft, erhöht die Verantwortung und Bedeutung von Betriebsrat und Sprecherausschuss und schafft damit Vorteile für alle Beteiligten.

Auch die Wissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen ziehen in der Zusammenfassung ihrer Studie eine positive Bilanz. Dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer Partizipation als gut bewerten, „bietet Chancen für eine Stabilisierung und für ein stärkeres Engagement für Initiativen einer Ausweitung der Mitbestimmung.“

• W. Widuckel, K. De Molina, M. J. Ringlstetter, D. Frey, Arbeitskultur 2020 – Herausforderungen und Best Practices der Arbeitswelt der Zukunft, Springer Fachmedien 2015, 583 S., Hardcover 51,39 Euro, ISBN 978-3-658-06091-6

springerprofessional.de, Ärzte Woche 21/2016

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