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© Martin Burger
Prof. Dr. Thomas Wenzel FA für Psychiatrie
© Michael Bunel/NurPhoto/picture alliance

Mit im Gepäck: Bilder von Folter, Verfolgung und Tod.

 

Der Fluch der Flucht

Traumata behindern die Integration von Zuwanderern.

Nach der Ersten Hilfe für Flüchtlinge, ist die Zweite Hilfe dran: Psychiater warnen vor negativen Folgen unbehandelter Kriegs-Erlebnisse bei Asylwerbern.

Zitat aus einer Aussendung des FPÖ-Politikers Norbert Hofer. Es geht um Sprachdefizite bei Pflegekräften mit Migrationshintergrund: Wenn Menschen, die seit dreißig oder vierzig Jahren in Österreich leben, die Landessprache noch nicht beherrschen, haben alle Integrationsbemühungen völlig versagt. Hofer fordert vom Innenministerium eine aufklärende Studie.

Sollte so eine Untersuchung zustande kommen, wäre die Erfahrung von Menschen wie Dr. Carryn Danzinger vom psychosozialen Zentrum ESRA von unschätzbarem Wert. Die immer wiederkehrenden Bilder von Gewalt, Folter und sexuellen Übergriffen wirken sich negativ auf die Integrationschancen vieler Flüchtlingen aus: „Sie können sich im Deutschkurs nicht konzentrieren, halten Amts-Termine nicht ein, ziehen sich zurück.“

Viele Migranten werden zudem falsch behandelt. „In nicht-westlichen Kulturen äußern sich psychische Probleme oft über den Körper“, sagt Prof. Dr. Thomas Wenzel. Für Alleinreisende belastend, besonders für Männer, ist das Gefühl, die Familie daheim im Stich gelassen zu haben. Die Flüchtlinge sind wegen unspezifischer Schmerzen in Behandlung, sie klagen über Brennen im Magen oder Migräne, die durch die ständige Anspannung entstanden ist.“

Ein Drittel der Traumatisierten entwickeln eine Störung, sagt Prof. Dr. Thomas Stompe. Akut werde das Problem, wenn klar sei, wie viele Flüchtlinge tatsächlich in Österreich bleiben wollen. Schon jetzt seien die psychiatrischen Anlaufstellen überlastet.

Freilich: Solange ein Asylverfahren läuft, und die Ungewissheit kann Jahre andauern, sei Heilung „zu 100 Prozent ausgeschlossen“, so Danzinger.

Podiumsdiskussion „Flucht, Migration & Asyl. Herausforderungen für Europa.“ Datum: 30. Oktober. Ort: Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ignaz-Seipel-Platz 2, Wien 1. Beginn: 18 Uhr.

Martin Burger, Ärzte Woche 44/2015

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