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Dermatologie 28. Februar 2014

Spuren auf der Seele

Nahezu jeder zehnte Psoriasis-Patient nimmt Antidepressiva.

Bei Psoriasis-Patienten mit ausgeprägten Hautläsionen sollte mithilfe geeigneter Tools gezielt nach Symptomen einer Depression gefahndet werden.

Viele Patienten mit Psoriasis fühlen sich in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Bei wie vielen sich das tatsächlich bis zur Depression auswächst, dazu gibt es keine einheitlichen Zahlen. Je nach Design, Population, Patientenzahl und Outcome-Kriterien der Studien wird die Prävalenz mit sechs bis 65 Prozent beziffert.

Niederländische Dermatologen wollten Klarheit schaffen und versuchten anhand einer Metaanalyse, die Prävalenz depressiver Symptome und klinischer Depressionen bei Psoriasis-Patienten einzuordnen und das Risiko für Betroffene einzuschätzen, aufgrund ihrer chronischen Erkrankung depressiv zu werden.

In die Auswertung flossen insgesamt 98 Studien ein, wovon der Großteil an tertiären Versorgungszentren durchgeführt worden war. 26 Studien verfügten über eine Kontrollgruppe. Die Prävalenz für Symptome einer Depression – ermittelt anhand von Fragebögen – belief sich auf 28 Prozent, die Prävalenz klinisch manifester Depressionen – bestimmt anhand des International Classification of Diseases Codes – lag bei zwölf bzw. 19 Prozent, wenn die Diagnose anhand des DSM-IV-Klassifikationssystems gestellt wurde.

Erhöhter Antidepressivaverbrauch bei Psoriasis

Etwa neun Prozent der Psoriasis-Patienten nahmen Antidepressiva ein. Insgesamt hatten Psoriasis-Patienten deutlich häufiger Symptome einer Depression als Menschen ohne Schuppenflechte (standardisierte durchschnittliche Differenz 1,16; 95%-KI 0,67–1,66).

Betrachtet man allein die populationsbezogenen Untersuchungen, leiden Psoriasis-Patienten 1,5mal so oft an Depressionen wie Gesunde (OR 1,57; 95%-KI 1,40–1,76) und nehmen auch deutlich mehr Antidepressiva ein (OR 4,24; 95%-KI 1,53–11,76).

Die Depressionsprävalenz war bei Patienten tertiärer Versorgungszentren am höchsten, betonen die Studienautoren, was die insgesamt hohe Prävalenz erkläre. Betrachtet man allein Patienten aus der Allgemeinbevölkerung, lag der Anteil bei etwa zehn Prozent. Warum in tertiären Versorgungszentren der Anteil so hoch liegt, erklären sich Emmilia Dowlatshahi von der Erasmus-Klinik in Rotterdam und ihre Kollegen mit einer möglichen Fehlinterpretation der anhand der Fragebögen erhobenen Symptome.

Gezielt nach Symptomen einer Depression fragen

Die Studienautoren empfehlen, gerade von Patienten mit ausgeprägten Hautläsionen die Lebensqualitätmithilfe eines geeigneten Tools beurteilen zu lassen. Bestehe der Verdacht auf eine Depression, so die niederländischen Dermatologen weiter, solle der behandelnde Arzt gezielt nach entsprechenden Symptomen fragen, und – wenn nötig – den Patienten an einen Psychiater überweisen.

Originalpublikation: Dowlatshahi EA et al.: The Prevalence and Odds of Depressive Symptoms and Clinical Depression in Psoriasis Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis; J Invest Dermatol 2013; online 27. November

springermedizin.de, Ärzte Woche 10/2014

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