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Psychiatrie und Psychotherapie 16. September 2013

Verwandte Seelen

Bipolare Störung und Schizophrenie zeigen genetische Gemeinsamkeiten.

Eine internationale Studie erforschte das Ausmaß genetischer Gemeinsamkeiten zwischen fünf besonders häufigen psychiatrischen Erkrankungen: Schizophrenie, Bipolare Störung, Major Depression, Autismus und ADHS.

Die Ergebnisse zeigen eine starke genetische Korrelation zwischen Schizophrenie und Bipolarer Störung. Deutlich, wenn auch weniger stark, ist die Überlappung zwischen der Major Depression mit Bipolarer Störung und Schizophrenie sowie zwischen Bipolarer Störung und ADHS.

Familienstudien gaben Hinweise

An der Entstehung psychiatrischer Störungen sind, neben Umweltfaktoren, besonders erbliche Faktoren beteiligt. Familienstudien wiesen bereits in der Vergangenheit darauf hin, dass bei einzelnen, diagnostisch abgegrenzten klinischen Störungen eine Überlappung der beteiligten genetischen Faktoren besteht. Erst jetzt war es jedoch durch neue genomweite Untersuchungsmethoden möglich, diese Überlappung systematisch auf der molekularen Ebene zu untersuchen.

An der Studie beteiligten sich mehr als 300 Forscher weltweit. Im Rahmen der Studie wurden etwa eine Million variable Stellen im Genom, sogenannte „Single Nucleotide Polymorphisms“ (SNPs), bei mehr als 75.000 Personen miteinander verglichen. Untersucht wurden Patienten mit Schizophrenie, Bipolarer Störung, Majorer Depression, Autismus und ADHS sowie gesunde Kontrollpersonen.

„Diese Studie zeigt einmal mehr, dass unser Ansatz, das Genom systematisch nach den Ursachen psychischer Störungen zu untersuchen, erfolgreich ist“, betont der Koordinator des Forschungsnetzes Prof. Dr. Markus Nöthen vom Institut für Humangenetik der Universität Bonn. „Das Nadelöhr ist allerdings, dass der Erfolg solcher Untersuchungen von der Teilnehmerzahl der Patienten abhängt, insbesondere deshalb, da die Krankheitsverläufe so individuell sind“, gibt Prof. Dr. Marcella Rietschel, Wissenschaftliche Direktorin der Abteilung für Genetische Epidemiologie in der Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim, zu bedenken. Erst der Zusammenschluss einer großen Zahl an Forschern weltweit und die molekulargenetischen Daten von Zehntausenden von Individuen haben diesen Erfolg letztlich möglich gemacht.

Signifikante Überlappungen

Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass es zwischen Schizophrenie und Bipolarer Störung eine besonders starke Ähnlichkeit im Muster der SNPs gibt. Dies weist darauf hin, dass es einen hohen Anteil von gemeinsamen genetischen Faktoren für diese beiden psychiatrischen Störungen gibt. Hinweise auf eine signifikante Überlappung der beteiligten genetischen Faktoren gab es auch zwischen Bipolarer Störung und Major Depression, sowie auch zwischen Schizophrenie und Major Depression. „Insbesondere für die Schizophrenie und Major Depression zeigt die Studie, dass die Krankheitsursachen dieser beiden psychiatrischen Störungen ähnlicher sind als bisher gedacht“, so Prof. Dr. Sven Cichon, Medizinischer Genetiker an der Universität Basel.

Die Ergebnisse liefern einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis dieser in der Bevölkerung häufigen neuropsychiatrischen Krankheiten. Sie belegen biologische Gemeinsamkeiten bislang diagnostisch abgegrenzter Störungen und geben Impulse bei der Suche kausaler Krankheitsklassifikation.

Originalpublikation: Genetic relationship between five psychiatric disorders estimated from genome-wide SNPs; Nature Genetics 2013; 45: 984–994

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