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© Gernot Krautberger / fotolia.com
Angst vor alltäglichen sozialen Situationen ist charakteristisch für Sozialphobie.
 

Gehirn gewöhnt sich an Angst

Sozialphobie-Patienten ängstigen sich vor ganz normalen, sozialen Situationen im Alltag, weil sie fürchten, sich unpassend zu verhalten oder für dumm gehalten zu werden. Wie nun an der MedUni Wien festgestellt wurde, kann dieses Angstnetzwerk zumindest teilweise deaktiviert werden: Die dauerhafte Konfrontation wirkt angstmindernd.

Mithilfe funktioneller MRT wurden die Änderungen der Gehirnaktivität von Sozialphobie-Patienten und gesunden Probanden gemessen, während sie Gesichter betrachteten. Dieses Experiment simuliert die soziale Konfrontation mit anderen Menschen, ohne die Person tatsächlich in eine für sie unerträgliche Angstsituation zu bringen.     

Dabei zeigte sich, dass Menschen mit Sozialphobie zwar anfangs eine stärkere Aktivierung im Mandelkern und im medialen, präfrontalen Kortex des Gehirns aufweisen, nach einigen Durchgängen geht diese Aktivität allerdings zurück. Das widerspricht der bisherigen Annahme, dass sich das emotionale Netzwerk von Sozialphobikern nicht genügend an die Stress auslösende Situation anpassen kann.

Die dauerhafte Konfrontation mit der Testaufgabe führte bei den Angstpatienten nicht nur dazu, schneller eine Lösung für das „Problem“ zu finden, sondern auch dazu, dass manche Gehirnregionen umgangen wurden, die sonst krankheitstypisch überaktiviert waren. Dies spricht dafür, dass es auch im Emotionsnetzwerk von Sozialphobikern funktionierende Regulationsstrategien gibt, wenngleich es bei diesen Menschen etwas länger dauert, bis diese Mechanismen greifen. Diese Erkenntnisse könnten, so die Autoren, der Anstoß zur Entwicklung von personalisierten Trainingsprogrammen sein, die den Betroffenen im Alltag helfen, die ihnen unangenehmen Situationen besser zu meistern.

Sladky R et al.: PLos ONE 2012; 7 (11); e50050. doi:10.1371/journal.pone.0050050

MedUni Wien, Ärzte Woche 6/2013

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