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Allgemeinmedizin 7. Jänner 2013

Essstörungen durch "manipulierte Wahrnehmung des Normalen"

Psychologin: Essen wird bei Betroffenen "angst- und schambesetzt"


Eine Model-Branche, die Magersucht zum Schönheitsideal erkoren hat. Ein vermeintlich perfektes Aussehen, das mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen medial vermittelt wird. Von einer "manipulierten Wahrnehmung des Normalen" sprach die Psychologin Michaela Langer gegenüber der APA, die dazu führt, dass überwiegend junge Frauen Essstörungen wie Magersucht (Anorexie) oder Ess-Brechsucht (Bulimie) entwickeln.

 

Grundsätzlich steigt die Gefahr mit der Pubertät, wo "irrationale Vorbilder" es erschweren würden, das geänderte Körperbild zu integrieren, so die Expertin vom Wiener Programm für Frauengesundheit.

Der Grad der Irrationalität von Traummaßen a la "90-60-90" wurde laut Langer etwa bei einer Studie an 10.000 Frauen in Deutschland ermittelt - sechs Frauen erreichten dabei diese Proportionen. Erreichen will man sie trotzdem, die perfekte Figur - mit der Folge, dass das Essen für die Betroffenen zu einem "angst- und schambesetzten" Vorgang wird.

Indirekte BMI-Förderer Diät


"Die Diät ist dabei eine Art Einstiegsdroge zu einem gestörten Essverhalten", so Langer, wobei neue Studien zeigen würden, dass Diäten indirekt auch zu BMI-Förderern werden können. Würde man zu den drei genannten Störungen noch die große Gruppe der "nicht näher spezifizierten Essstörungen" und das oder das weniger bekannte Binge-Eating-Syndrom dazu nehmen, käme man auch bei vorsichtiger Schätzung auf rund 15 Prozent von Betroffenen in der Gesamtbevölkerung. Konkrete Zahlen gibt es aber nicht, da diese je nach Studie schwanken, was die Problematik aber nicht schmälert.

Neben gesetzlichen Verboten, wie einem Bildbearbeitungsgesetz oder ein BMI-Minimum für Models, ist vor allem die Bewusstseinsbildung der gefährdeten Personen vonnöten. "Es gilt den Jugendlichen bewusst zu machen, dass man mehr als ein Körper ist", forderte Langer eine Abkehr von der Schönheit als einziges Kriterium der Attraktivität.

Es fehle in unserer Gesellschaft ein Bekenntnis zu einer Körpervielfalt, denn immerhin, der Body-Mass-Index (BMI) definiert seinen gesunden Bereich bei den Werten 19 bis 25, was bei einer Größe von 1,70 Meter ein Gewicht zwischen 54 bis 72 Kilogramm als Bandbreite des "Normalen" ermöglichen würde.

Kostenlose Essstörungs-Hotline 0800/201120, http://www.essstoerungshotline.at  

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