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Neurologie 6. November 2012

Multimodale Schmerztherapie

Neues Angebot für chronische Schmerzpatienten in Kärnten verbessert Lebensqualität.

Ein neues Angebot für Patienten mit chronischen Schmerzen präsentierte im Rahmen der 12. Österreichischen Schmerzwochen Prof. Dr. Rudolf Likar, Leiter des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie und Palliativmedizin (ZISOP), Klinikum Klagenfurt.

Das ZISOP bietet seit Kurzem die sogenannte „Multimodale Schmerztherapie“ an, ein modernes wissenschaftlich untermauertes Konzept, das Schmerzpatienten bessere und schnellere Linderung verschafft. Die ambulante Spezialbetreuung umfasst unter anderem medizinische Trainingstherapie, Koordinationstraining, Ausdauer- und Krafttraining, psychologische Gruppentherapie, Schmerzbewältigungs- und Entspannungstraining und Stressbewältigung“, so Likar: „Es richtet sich vor allem an Patienten im erwerbsfähigen Alter mit chronischen Kopf- und Rückenschmerzen, bei denen bisherige Therapien keine oder zu wenig Wirkung gezeigt haben oder deren Leiden auch durch einen operativen Eingriff nicht gelindert werden konnten.“ Patienten mit Rückenschmerz müssen das Problem seit mindestens sechs Monaten haben, Kopfschmerzpatienten sollten unter anderem mindestens an acht Tagen im Monat an Kopfschmerzen leiden. Überwiesen werden sie von niedergelassenen Haus- oder Fachärzten.

Nachhaltiger Therapieerfolg

Die Therapie wird bei chronischen Rückenschmerzen vier Wochen lang, bei chronischen Kopfschmerzen zwei Wochen lang, jeweils von Montag bis Freitag von 8 bis 15 Uhr durchgeführt. Dabei wird für jeden Patienten ein individueller Therapieplan erstellt. „Dieses umfangreiche Programm ist notwendig, um einen nachhaltigen Therapieerfolg zu erzielen. So ist aus Studien bekannt, dass multimodale Therapiekonzepte erfolgreicher sind als herkömmliche Therapiemethoden.

In einer großen Vergleichsstudie, in der bei Rückenschmerz-Patienten die multimodale Schmerztherapie mit einer konventionellen biomedizinischen Therapie, die auch ein psychotherapeutisches Modul beinhaltete, verglichen wurde, zeigte sich, dass sich bei beiden Therapieformen die Schmerzintensität oder die depressive Verstimmung nach einer dreiwöchigen Therapie deutlich verbesserte. Nach sechs Monaten wies die Gruppe, die die multimodale Therapie erhalten hatte, nach wie vor in fast allen Punkten deutlich bessere Ergebnisse auf, während die Vergleichsgruppe nahezu wieder bei ihren Ausgangswerten angelangt war. Während der zweijährigen Nachbeobachtungsphase mussten nur zehn Prozent der Patienten, die eine multimodale Schmerztherapie erhalten hatten, einen Krankenstand in Anspruch, in der anderen Gruppe waren es 59 Prozent.

„Bei der multimodalen Schmerztherapie handelt es sich um die modernste, wissenschaftlich fundierte Therapieform von chronischen Schmerzzuständen“, fasste Likar zusammen. „Die Grundlage der Therapie ist das Verständnis von chronischem Schmerz als eigenständige Krankheit und bio-psycho-soziales Problem. Ziel des fachübergreifenden Gesamtkonzepts ist es, alle körperlichen, psychischen und psychosozialen Ursachen der Schmerzerkrankung zu identifizieren und zu beseitigen. Damit verbessert sich die Lebensqualität Betroffener, sie können mit ihren Schmerzen besser umgehen, brauchen weniger Krankenstände und können bei Bedarf wieder in das Berufsleben einsteigen.“

Die Expertise kommt aus den Bereichen Anästhesie, Neurologie, Physikalische Medizin, Physiotherapie, Psychologie und Psychotherapie und von Vertretern aller beteiligten Fächer. Die Patienten werden begutachtet und betreut, interdisziplinäre Besprechungen und ein gemeinsamer Therapieplan charakterisieren die Zusammenarbeit.

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