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© C.Müller/DZNE
Dendrit einer lebenden Nervenzelle
 
Neurologie 23. September 2012

Intrinsische Plastizität

In bestimmten Dendriten werden eingehende Signale besonders gut verstärkt. Diese „starken“ Dendriten leiten vor allem synchrone erregende Signale präzise und verlässlich weiter. Dabei können sie sich jeglicher Hemmung entziehen. Sie stellen so sicher, dass bestimmte, möglicherweise für Lernen und Gedächtnis besonders relevante Signale, zuverlässig weitergeleitet werden. Es ergeben sich definierte Aktivitätsmuster, die regelmäßig wiederholt werden, was zu gleichzeitiger Erregung und damit zur Verknüpfung von Zellgruppen führen kann.

Man nimmt an, dass diese gemeinsame neuronale Aktivität ein zelluläres Korrelat für Lernvorgänge ist. Denn zur Speicherung von Inhalten ins Langzeitgedächtnis müssen bestimmte Zellgruppen sehr präzise und wiederholt in der gleichen Abfolge aktiviert werden. Dies kann erklären, warum bei Morbus Alzheimer die Überführung von Inhalten in das Langzeitgedächtnis gestört ist.

Signale, die die Nervenzelle über „schwache“ Dendriten empfängt, können nur in Phasen schwacher Hemmung weitergegeben werden. Dabei können sie sich verändern und zu „starken“ Dendriten werden, sodass sie dann ebenfalls zur präzisen Signalübertragung beitragen. „Intrinsische Plastizität“ wird dieser Vorgang genannt. So können Zellgruppen gekoppelt und diese Kopplung permanent gemacht werden.

Dies ist ein ganz neuer Lernmechanismus. Die Veränderung findet aber nicht wie bisher bekannt an der Synapse, sondern im Dendriten statt. Dieser Mechanismus könnte vor allem in besonderen Aktivitätsphasen stattfinden, z. B. wenn wir etwas Neues erleben.

Müller C et al.: Neuron 2012; 75 (5), 851-64

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