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Foto:  EyeWire / Foto: Buenos Dias/photos.com (Monatge)
Da hatte Wilhelm Busch wohl Unrecht: Bescheidenheit scheint doch eine Zier zu sein, mit der man weiter kommt als ohne.
 
Psychologie 26. Mai 2009

Bescheidenheit hilft bei der Karriere

Wer aktiv das Wohlwollen höherer Führungskräfte sucht, kommt im Berufsleben schneller voran.

Ist Bescheidenheit eine Zier, ohne die – Wilhelm Busch zum Trotz – zumindest Berufsanfänger schlecht auskommen? Eine Studie von Forschern der Universität Bonn deutet zumindest darauf hin. Berufseinsteiger, die bescheiden auftreten, finden demnach leichter einen Mentor, der sie unterstützt. Diese Unterstützung führt zu einem höheren Einkommen und einem schnelleren Aufstieg innerhalb des Unternehmens. In die Studie gingen Daten von 340 Fachhochschul- und Universitätsabsolventen ein.

 

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Bonner Mentoring-Studie hat junge Nachwuchskräfte in ihren ersten fünf Berufsjahren begleitet. „Wir haben uns dafür interessiert, wie weit Nachwuchskräfte kommen, wenn sie selber ihre Mentoren suchen“, erläutert Prof. Dr. Gerhard Blickle, Leiter der Abteilung für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie am Institut für Psychologie der Universität Bonn. „Außerdem wollten wir herausfinden, wie Berufsanfänger auftreten sollten, um das Wohlwollen höherer Führungskräfte zu finden.“ Zusätzlich sollte die Studie die Frage beantworten, wie sich die Unterstützung durch Mentoren auf den beruflichen Erfolg auswirkt. Als Erfolgskriterien dienten das Einkommen und die nach fünf Jahren erreichte hierarchische Position.

Blickle und sein Team kamen zu folgenden Ergebnissen: Wer aktiv nach Mentoren sucht, die ihn unterstützen, kommt im Berufsleben schneller voran. Das gilt auch für Arbeitnehmer mit nur durchschnittlicher Intelligenz und sozialer Herkunft aus der Mittelschicht.

Networker im Vorteil

Gute „Networker“ sind bei der Mentorensuche im Vorteil: Wer schnell Kontakte knüpft und diese auch pflegt und nutzt, findet schneller jemanden, der ihn unterstützt. „Das Maß der Unterstützung hängt dann sehr stark vom Auftreten des Berufseinsteigers ab“, sagt Blickle. Normalerweise soll man Gutes tun und dann darüber reden – für die Protegé-Mentor-Beziehung ist das aber anders: Je bescheidener der Neuling auftrat – bei allerdings für alle erkennbar guten Leistungen –, desto stärker fiel die Unterstützung durch den Höherrangigen aus. Da hatte Wilhelm Busch also Unrecht: Bescheidenheit scheint doch eine Zier zu sein, mit der man weiter kommt als ohne.

Wichtig für eine gute Beziehung zu Mentoren ist auch die Bereitschaft, über eigene Fehler und Ängste zu reden. „Diese Offenheit des Berufseinsteigers gegenüber einem potenziellen Mentor muss allerdings situationsgerecht sein. Ohne soziale Kompetenz der Nachwuchskraft kann dies leicht aus dem Ruder laufen“, erläutert Blickle weiter. Durch diese Offenheit wachsen dann die wechselseitige Sympathie und das Vertrauen zwischen Mentor und Nachwuchskraft.

Subjektive Zufriedenheit

Den Wissenschaftlern ging es aber nicht nur um den objektiven Karriereerfolg, also ein hohes Einkommen und eine einflussreiche Position. Sie fragten auch nach dem „subjektiven“ Erfolg, das heißt danach, wie zufrieden die Berufseinsteiger mit ihrem Beruf und der erreichten Stufe auf der Karriereleiter waren. Dabei zeigte sich: „Berufseinsteiger, die durch einen Men-tor unterstützt wurden, waren deutlich zufriedener mit dem Erreichten. Mentoring führt also nicht nur zu objektiver, sondern auch zu deutlich mehr subjektiver Karrierezufriedenheit“, so Blickle. Denn die Beziehung zu einem Mentor hilft Nachwuchskräften dabei, sich darüber klar zu werden, wohin sie beruflich wirklich wollen, und warum dies für sie persönlich wichtig ist.

 

Quelle: Universität Bonn

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