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Psychologie 9. Jänner 2009

Glück ist ansteckend

Die Framingham-Heart-Studie hat aufgedeckt, dass sich Glück wie in einer Kettenreaktion durch soziale Netzwerke verbreitet.

Das Glücksprinzip interessiert Wissenschaftler schon lange: Wie wirken sich Lottogewinne, Krankheiten oder das Jahreseinkommen aus? Aber eines wurde bisher außen vor gelassen: der Einfluss anderer Menschen. Gerade der Frohsinn im Leben der Nächsten erweist sich laut einer neuen Studie als Schlüsselfaktor für das eigene Glück.

 

Das Glück verbreitet sich wie in einer Kettenreaktion durch soziale Netzwerke, Frust verhält sich jedoch deutlich statischer. Prof. Dr. Nicholas Christakis von der Harvard Univer-sity in Cambridge und Prof. Dr. James Fowler von der University of California in San Diego entnehmen diese Erkenntnis Daten der großen epidemiologischen Untersuchung zu kardiovaskulären Risikofaktoren – der Framingham-Heart-Studie. Sie beinhaltet ein soziales Netzwerk von 4.739 Menschen. Die Studienteilnehmer sowie deren Umfeld wurden dabei über 20 Jahre auf ihr Gefühlsleben hin befragt.

Glück liebt anscheinend Gesellschaft

Jeder frohgemute Freund steigert die Chance auf Glück um 25 Prozent, ein glücklicher Freund von diesem wirkt sich immerhin mit zehn Prozent auf einen Menschen aus, und sogar ein Freund dieses Freundes hat erstaunlicherweise mit sechs Prozent immer noch Einfluss auf das Gemüt. „Jemand, den Sie nicht kennen und noch nie getroffen haben – der Freund eines Freunds eines Freunds – kann einen größeren Einfluss auf Sie haben als Hunderte von Geldscheinen in Ihrer Tasche“, erklärt Fowler.

Lokal begrenztes Glück

Fowler ist davon überzeugt, dass Menschen sich innerhalb eines Netzwerkes mit ihren Emotionen regelrecht anstecken. Mit geografischer Entfernung nimmt der Effekt allerdings ab: Der Nachbar von nebenan hat mehr Einfluss auf das eigene Gefühlsleben – er steigert die Chance auf Glück um unglaubliche 34 Prozent – als der vertraute Freund, der jedoch kilometerweit entfernt wohnt. Physische Nähe sei nötig, da der Ausbreitung von Glück ein fundamentaler psychobiologischer Aspekt zugrunde liege, spekuliert Fowler. Emotionen erfüllen demnach bestimmte soziale Rollen: Wie menschliches Lachen habe auch das Gefühl, glücklich zu sein, evolutionäre Gründe – etwa die Verstärkung sozialer Bindungen innerhalb einer Gruppe. Es handle sich um ein kollektives und kein individuelles Phänomen. Sollte es einem also nicht gut gehen, sollte man vielleicht über einen Umzug nachdenken.

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