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Soll Täuschung zum Wohle des Patienten erlaubt sein?
 
Allgemeinmedizin 13. April 2010

Placebos als Therapie

Nur in Ausnahmefällen sollte es erlaubt sein, Placebos im klinischen Alltag einzusetzen. Der Patient hat ein Recht, offen und ehrlich informiert zu werden. Dies ist das Fazit einer Diskussion in Psychiatrische Praxis.

Nach Ansicht von Dr. Marcus Walburg, Evangelisches Krankenhaus Darmstadt, bewegen sich Ärzte oft in einer therapeutischen Grauzone: Wenn der Patient eine hohe kurative Erwartung habe, der Arzt aber keine entsprechende Therapie anbieten könne, dann würden Ärzte schon mal auf Substanzen zurückgreifen, die keine chemisch relevanten Inhaltsstoffe enthalten. Als Beispiel nennt er die Verschreibung von Antibiotika bei Virusinfektionen. Solche „Pseudoplacebos“ dienen dazu, den Patienten zu beruhigen und ihm das Gefühl zu geben, therapiert zu werden. Aber der Arzt klärt den Patienten nicht darüber auf, dass das verabreichte Mittel eigentlich nutzlos ist, und verstößt damit gegen seine Aufklärungspflicht. Dennoch meint Walburg, dass es in Ausnahmefällen sinnvoll sein kann, Placebos oder Pseudo-Placebos zu verschreiben. Etwa bei Patienten, die sehr auf eine medikamentöse Therapie drängten oder dazu neigten, wahllos eine Vielzahl von Medikamenten zu schlucken. Wichtig sei jedoch, den Patienten später darüber zu informieren, warum Placebos eingesetzt wurden, und weitergehende Therapieangebote zu machen. Dr. Klaus Schonauer aus Konstanz bezieht eine klare Gegenposition: Er sieht ein „Element aktiver Täuschung, wie etwa die des Zauberers, der die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf ein glitzerndes Etwas lenkt, um das Kaninchen verschwinden zu lassen.“

Quelle: Walburg, M.; Schonauer, K.: Psychiatrische Praxis 2009; 36(8): 359–61

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