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Not carried away by a moonlight shadow: keine Evidenz für Zusammenhänge zwischen Suizidaufkommen und

HINTERGRUND: Der Glaube an Einflüsse der Mondphasen auf abnormales Verhalten (z.B. "Mondsucht") ist alt, weitverbreitet, medienpropagiert, auffallend häufig in den Gesundheitsprofessionen und könnte daher Public-Health-Effekte haben. Diese Studie untersuchte Mondphasen-Effekte auf ein spezifisches Outcome (Suizid), für das die Literaturlage aufgrund einiger neuerer Studien mit positiven Befunden uneindeutig ist. METHODEN: Der Zeitpunkt aller 62.206 in Österreich 1970 bis 2006 offiziell registrierten Suizide (46.451 Männer, 18.755 Frauen) wurde hinsichtlich der Mondphase ausgewertet. Dies ist die erste derartige, auf nationalen Daten basierende, außerhalb der USA durchgeführte Studie. Die Daten repräsentieren die zweitlängste Untersuchungsperiode und zweitgrößte Stichprobe in diesem Forschungsbereich, die bislang untersucht wurde. ERGEBNISSE: Die beobachteten Anteile der Suizidprävalenz von Männern und Frauen wichen nicht von den Erwartungswerten für die 4 Mondphasen (Neumond, zunehmender Mond, Vollmond, abnehmender Mond) und auch nicht von den Erwartungswerten für um Neumond bzw. Vollmond zentrierte 3-Tages-Fenster (relativ zum Zwischenintervall) ab. Zu Demonstrationszwecken zusätzlich durchgeführte Subgruppenanalysen (nach Geschlecht und Jahr) erbrachten Resultate, die in auffälliger Weise jenen aus früheren Studien mit positiven Befunden ähnelten, nämlich sporadisch auftretende signifikante Ergebnisse, die in der Gesamtauswertung nicht zu Tage traten und richtungsbezogen erratisch waren und daher aller Wahrscheinlichkeit nach falsch-positive Befunde darstellten. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Ergebnisse aus dieser großen Stichprobe sprechen stark gegen etwaige Einflüsse der Mondphasen auf die Suizidprävalenz. Die wenigen positiven Literaturbefunde zu dieser Fragestellung waren höchstwahrscheinlich falsch-positive Befunde, d.h., kamen durch statistische Fehler der 1. Art oder durch fälschliche Zuschreibung von (tatsächlich existierenden) Kalendereffekten in der Suizidprävalenz als Mondphaseneffekte zustande.

Martin Voracek, Lisa Mariella Loibl, Nestor D. Kapusta, Thomas Niederkrotenthaler, Kanita Dervic, Gernot Sonneck, Wiener klinische Wochenschrift

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