zur Navigation zum Inhalt
 
Psychologie 18. August 2009

Krise macht psychisch krank

Krise macht krank: Nach einer Untersuchung des Humaninstituts in Klagenfurt vom heurigen August leiden 53 Prozent der insgesamt tausend Befragten an ihren Arbeitsplätzen unter vermehrtem Druck und fühlen sich mental ausgebrannt. Die psychosomatischen Beschwerden seien um etwa 70 Prozent gestiegen, erklärte der Leiter Franz Witzeling im Gespräch mit der APA. Glückspsychologin Heide-Marie Smolka gab Tipps, wie man trotz Krise ein bisschen Glücksgefühl erhaschen kann.

Laut der Umfrage stellten die Teilnehmer bei sich in der jüngsten Zeit vor allem psychosomatische Beschwerden (56 Prozent), Schlafstörungen (42 Prozent) und hohen Blutdruck (38 Prozent) fest - Mehrfachnennungen waren möglich. Über Burnout-Syndrome klagten 35 Prozent und über Konzentrationsstörungen 28 Prozent. Die gesamte Gesellschaft habe sich bereits seit längerem unter Druck befunden, weil z. B. Pensionsvorsorge und Arbeitsplatzunsicherheit Sorgen bereiten: "Das hat einen Verzögerungseffekt: Auf dieses bereits angespannte Klima setzt sich nun die Krise darauf", sagte Witzeling. Die schweren Zeiten bringen Unsicherheit und seien bei manchen Betroffenen das i-Tüpfelchen, das das Fass zum Überlaufen bringt.

Je nach Einstellung seien einige Menschen "resistenter", aber für die meisten "ist es genug", so der Leiter. Bekanntlich sei die österreichische Seele etwas "überempfindlich": "Das 'Raunzerklima' schafft Selbstsuggestion - alles wird noch schlimmer." So herrsche auch starke Depression im Land. Während die jüngere Generation Probleme noch eher mit "Konsum und Trara" zu kompensieren versuchen, beginnt meist ab 30 Jahren das große Nachdenken und somit eine Art "Zukunftskrise". Verlieren Ab-50-Jährige ihren Arbeitsplatz, droht meist generell eine existenzielle Krise.

Glücksgefühle auch in Krise möglich
Glücksgefühle auch in Krisenzeiten sind aber durchaus möglich - wenn man "dem kleinen Glück im Alltag" eine Chance gibt, meinte die Psychologin Heide-Marie Smolka zur APA. Dazu sei ein Paradigmenwechsel notwendig - weg von Karriere, Geld, Statussymbolen - und überdenken, was einen sonst noch erfüllen könnte: "Man sollte sich verabschieden von der Vorstellung des ganz großen Glücks irgendwo - es ist nämlich hier. Alltagsschätze, die gibt es immer - die hat es sogar während der Weltkriege gegeben."

Ein Freudes- oder Dankbarkeitstagebuch könne dabei helfen, den Blick wieder auf Wesentliches, auf Erfreuliches zu richten: Die ersten Sonnenstrahlen des Tages, ein gutes Essen, ein Blumenstrauß - jeden Tag niederschreiben, worüber man sich freut bzw. wofür man dankbar sein kann, riet Smolka. Ein bisschen mehr Demut und Bescheidenheit könne ebenso nützlich sein, um wieder mehr Freude zu empfinden. Auch dem Genuss sollte man wieder mehr Platz einräumen.

Den meisten Menschen ist auch nicht bewusst, wie oft sie wegen Kleinigkeiten jammern: Einen bestimmten räumlichen Bereich zur "Raunzerzone" erklären und zum "Raunzen" bewusst in diesen Teil gehen - wie oft am Tag findet man sich dort schlecht gelaunt wieder? Auch sollte man sich klarwerden, wie man mit sich selbst umgeht: Nett sein zu sich und sich selbst verwöhnen tut der Seele laut der Glückspsychologin besonders in schlechten Zeiten gut. Übrigens auch auf die eigenen "Energietankstellen" achten: Das kann ein Spaziergang sein, ein Gespräch mit einem Freund oder das Hören eines bestimmten Liedes. Erinnerungen an die Kindheit können ebenso fröhlich stimmen: Wann haben Sie das letzte Mal Seifenblasen gemacht oder sind auf einer Schaukel gesessen?

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben