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Allgemeinmedizin 22. Mai 2007

Gesunder Fisch – kranke Umwelt

Ein bis zweimal wöchentlich sollte laut den Empfehlungen von Ernährungswissenschaftern fettreicher Kaltwasserfisch zum Schutz der Blutgefäße auf den Teller. Wenn tatsächlich alle Konsumenten danach handelten, wären die Fischbestände allerdings sehr rasch leergefischt.

Der Fischkonsum steigt. Laut einer Umfrage der Karmasin-Marktforschung essen 78 Prozent der Österreicher gelegentlich Fisch. Am liebsten werden Scholle, Forelle und Lachs verzehrt. Im Durchschnitt isst jeder 7,7 Kilogramm Fisch pro Jahr.
Die Botschaft von Ärzten und Ernährungsfachleuten ist offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen: Fisch ist gesund, und ein- bis zweimal pro Woche sollte je eine Portion von 150 Gramm verzehrt werden. Immerhin 87 Prozent der Befragten gaben an, dass frischer Fisch zur gesunden Ernährung dazu gehört.
Allen voran sorgt der hohe Gehalt an langkettigen Omega-3-Fettsäuren für den zunehmend guten Ruf vor allem fetter Fische. Denn die führen neben einer Senkung des LDL-Cholesterinspiegels und einer Hemmung der Thrombozytenaggregation auch zur Verringerung erhöhter Blutdruckwerte. Der regelmäßige Genuss von Fisch ist demnach hervorragend dazu geeignet, die Blutgefäße zu schützen und Herz- und Schlaganfall vorzubeugen.
Die höchsten Mengen enthält Atlantiklachs – 1,8 Gramm Omega-3-Fettsäuren sind in 100 Gramm Fischfleisch enthalten, auch Hering und Makrele gehören mit einem Gehalt von etwa einem Gramm zu den an Omega-3-Fettsäure reichsten Fischen.

Leergefischte Ozeane

Der gut gemeinte Rat, häufiger Fisch zu essen, steht jedoch dem globalen Problem der Überfischung der Meere entgegen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt, dass immer mehr Fischbestände kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Dipl.-Biol. Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace Österreich: „Die Gefahr besteht. Würden alle Konsumenten den Ernährungsempfehlungen folgen, wären die Fischbestände sehr rasch ganz zerstört.“
Drei von vier kommerziell genutzten Fischarten sind bereits in ihrem Bestand bedroht. Als besonders gefährdet gelten beliebte Speisefische wie Rotbarsch, Heilbutt, Seehecht, Scholle, Seezunge, atlantischer und pazifischer Lachs, Thunfisch, Kabeljau, Dorsch und Victoriabarsch. „Wir müssen Maßnahmen ergreifen, damit wir die Bestände auch noch für die kommenden Generationen erhalten“, betont Helms die Dringlichkeit ihres Anliegens, „beispielsweise durch nachhaltigen Fischfang und das Ausrufen von Meeresschutzgebieten, in denen die Bestände sich wieder erholen können.“
Oft wird die Zucht von Speisefischen in so genannten Aquafarmen als mögliche Lösung des Problems der Übernutzung der Fischbestände angepriesen. Aber die Meeres-Massentierzucht ist alles andere als der Umwelt und der Gesundheit zuträglich. Neben den durch die Aquakultur entstehenden Abwässern und der Abholzung von Mangrovenwäldern ist dabei auch der Einsatz von Antibiotika sehr problematisch.
Die für den Gefäßschutz wichtige Omega-3-Fettsäure lässt sich auch durch Einnahme von Fischöl-Kapseln decken. „Supplementierung ist für mich nicht die Lösung“, meint dazu jedoch die Wiener Ernährungspsychologin Mag. Hanni Rützler. „Fisch hat mehr zu bieten als nur einen Inhaltsstoff.“ Fisch enthält vielmehr besonders hochwertiges Eiweiß, ist leicht verdaulich und verträglich und hat eine vorteilhafte Vitamin- und Mineralstoffzusammensetzung.“

Gutes Gewissen beim Fischkonsum

Wie können sich Konsumenten also umweltgerecht fischreich ernähren? Bewusste und kritische Auswahl im Geschäft ist der erste Schritt dazu. Rützler: „Fragen Sie beim Kauf nach, ob der Fisch aus nachhaltiger Produktion stammt und achten Sie auf gute Qualität.“ Meeresbewohner aus so genannter nachhaltiger Fischerei sollten erste Wahl sein, sie unterliegen nicht einer Überfischung und schonen somit die Meeresumwelt und Bestände. Ein Gütesiegel hilft bei der Orientierung. Das Marine Stewardship Council Label zertifiziert Fischsorten, die nicht von einer Überfischung bedroht sind und vergibt das MSC Umweltsiegel. Greenpeace-Expertin Helms ergänzt: „Bevorzugen Sie Makrele, Sardine, Hering und Anchovis, die stammen alle aus gesunden Beständen.“

Inge Smolek, Ärzte Woche

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