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Regelmäßiges Ausdauertraining reduziert das biologische Alter.
 
Sportmedizin 30. September 2016

Muskeln halten gesund

Sportliches Training und Ernährung wirken nicht nur lebensverlängernd, sondern beeinflussen auch das Immunsystem. Aktuelles zum Zusammenspiel der Drei erläuterten Experten auf der 3. Fachtagung Sporternährung.

Aus sportmedizinischer Sicht erhöhen körperliche Aktivitäten die Fitness und fördern die Gesundheit deutlich. Die Ernährung trägt maßgeblich dazu bei, diese Effekte bestmöglich zu nutzen und beeinflusst das Immunsystem.

Aus physiologischer Sicht gesehen ist die Abnahme der Ausdauer- und Kraftleistungsfähigkeit ein Hauptmerkmal des Alterungsprozesses. „In einer bevölkerungsbezogenen Analyse im Rahmen der KORA-Age Studie konnten wir bei 1.000 älteren Personen zeigen, dass eine schlechte muskuläre Fitness die Wahrscheinlichkeit für einen früheren Tod erhöht“, sagte DDr. Barbara Prüller-Strasser vom Biozentrum der MedUni Innsbruck und wissenschaftliche Leiterin des Fachtages.

Körperliche Aktivität hat nicht nur präventive Wirkungen, sondern wird auch bei bekannten Diagnosen als ein Medikament eingesetzt. Sportliches Training wirkt einer Insulinresistenz entgegen und schützt so nicht nur davor, an Diabetes mellitus Typ-2 zu erkranken, sondern verringert auch das Risiko für Kolon-, Brust- und Endometriumkarzinome. Beispielsweise konnte gezeigt werden, dass ein intensives, konsequentes Langzeittraining über viele Jahre das Brust- und Darmkrebsrisiko um bis zu 30 Prozent senkt.

Körperliche Aktivität senkt nicht nur das Krebsrisiko, sondern verringert auch bei bestehenden Karzinomen die Rezidivrate und die Sterblichkeit (z. B. bei Brustkrebs um 40 %). „All das verlangsamt den natürlichen Alterungsprozess des Organismus“, sagte Prüller-Strasser. Selbst bei rheumatischen Erkrankungen sollten sich die Patienten, trotz Schmerzen, bewegen.

Muskeltraining wird auch gezielt für chronisch entzündliche Erkrankungen empfohlen. Die Skelettmuskulatur sendet bei Aktivierung eine Vielzahl von Botenstoffen aus, sogenannte Myokine, die nicht nur den Fettstoffwechsel günstig beeinflussen, sondern auch entzündungshemmend und immunstimulierend wirken. Damit kann die Muskulatur als ein endokrines Organ verstanden werden. Um Effekt zu sehen ist jedoch ein langfristiges Training notwendig.

Fest steht, dass sportliche Aktivität die Lebenserwartung steigert und das biologische Altern reduziert. Durch regelmäßiges Ausdauertraining kann das biologische Altern um 20 bis 30 Jahre jünger gehalten werden. Ein 70-Jähriger kann somit noch die Körperfunktion eines 50-Jährigen haben. Doch wie viel Sport ist nötig? Prüller-Strasser meint, dass über die nötige Dosis und die Art des Trainings noch Unklarheit besteht. Die allgemeinen Empfehlungen lauten: 150 bis 300 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Woche.

Auswirkungen unserer Ernährung

Auch die Ernährung beeinflusst das Immunsystem. Man weiß heute, dass eine intakte Mikrobiota essenziell für die Immunabwehr ist und dass einzelne Nährstoffe immunmodulierend einwirken, indem sie das Immunsystem direkt oder indirekt stärken. 70 Prozent der Immunzellen befinden sich in der Schleimhaut des Darms und dieser verändert sich ebenfalls im Alter. „Dabei sind lediglich 30 Prozent genetisch bedingt, den Rest hat man selbst in der Hand“, sagte Prüller-Strasser. Das spielt auch wieder bei der Lebenserwartung eine Rolle.

So gibt es im Leistungssport erfolgversprechende Hinweise für eine Wirksamkeit von Prä- und Probiotika, insbesondere auf die Infekt-Prophylaxe. „Ein Mangel an Energie und Nahrungsprotein ist speziell im Alter mit einer Verschlechterung der Immunfunktion und einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber infektiösen Erkrankungen verbunden“ erläuterte Prüller-Strasser.

Vitamine müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, da sie der Organismus nicht bedarfsdeckend synthetisieren kann. Wenn die Ernährung aber aus ausreichend Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, wenig Fleisch und Milchprodukte besteht, ist man in unseren Breiten mit allen wichtigen Vitaminen versorgt, versichert der Biochemiker Prof. Mag. Dr. Dietmar Fuchs vom Biozentrum der MedUni Innsbruck. Mangelzustände können im Alter auftreten und gehen mit einer Verschlechterung der Immunfunktion und einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber infektiösen Erkrankungen einher. Gefährdet sind auch Raucher und strenge Vegetarier, sodass das Einnehmen von Vitaminsupplementen notwendig werden kann.

Eine Vitaminsupplementierung ist aber auch immer mit Risiken verbunden. Vitamine können nämlich, laut Fuchs, selektiv Stoffwechselachsen verstärken oder unterdrücken und somit regulierend wirken; sie können beispielsweise für Allergien verantwortlich sein. Auch werden Vitamine (Antioxidanzien) häufig als Konservierungsmittel verwendet, was bedacht werden sollte, wenn Mengen berechnet werden.

Vitamin D nehmen, nicht messen

Zu Vitamin D sagte Fuchs, dass die Marketingstrategen auf die Blutmessung setzen – eine Messung kostet rund 30 Euro. Österreichweit kommt da eine Menge Geld zusammen. Seiner Meinung nach ist das unnötig, da beispielsweise eine Menge von 1.000 U für einen Menschen unbedenklich ist. Würden die Menschen damit versorgt werden, dann wäre allen gutgetan und die Aktion wäre weit billiger – im Vergleich zu den Messungen, wie es derzeit praktiziert wird.

Der mögliche Nutzen oder sogar Schaden der Supplementierung mit Vitaminen und Antioxidanzien bei trainierenden Sportlern wird heiß debattiert. „Neuere epidemiologische Studien ergaben, dass sich aus der Supplementierung mit anti-oxidativen Vitaminen kein günstiger Effekt auf Mortalität oder Tumordiagnosen ableiten lässt“, erläutert Fuchs.

Kongress

BE Perfect Eagle GmbH/ PK, Ärzte Woche 40/2016

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