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Pulmologie 15. Februar 2016

Mit Wintersport das Asthma besser in den Griff kriegen

Nachgefragt: Laut dem deutschen Asthma-Experte Gerd Schauerte spricht nichts gegen ein Pistenabenteuer.

Trotz kalter, trockener Luft auf die Piste? Für Asthmatiker ist Wintersport kein Problem, sofern sie gut eingestellt sind und einige Regeln beachten. Nach Dr. Gerd Schauerte vom Institut für Asthmaverhaltenstherapie in Berchtesgaden (Bayern) können die Patienten von der körperlichen Aktivität in der kalten Jahreszeit nur profitieren.

Grundsätzlich seien bei Asthmapatienten alle Sportarten, auch der Wintersport, geeignet, sagt Schauerte. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, nämlich Fälle, in denen eine Unterbrechung schwer möglich ist. Für den Wintersport gilt das zumindest im Freizeitbereich nirgends, weder für den Langlauf noch für den Abfahrtslauf oder den Eisschnelllauf. Etwas anderes ist das bei Leistungssportlern, die pro Tag fünf, sechs Stunden bei minus 20 °C und sehr trockener Luft auf der Langlaufpiste trainieren. Hier hat man Bedingungen, die geeignet sind, alles an Asthmasymptomen herauszulocken, was man sich so denken kann. Ansonsten ist Wintersport aber auch bei Asthmatikern sehr zu empfehlen.

Tipps für Patienten beim Skifahren? Schauerte: Grundsätzlich sollte man „auf ein gut eingestelltes Asthma bronchiale achten, damit der Patient nicht immer wieder Luftnot hat. Die Einstellung sollte also optimiert werden, bevor man anfängt, Sport zu machen. Wenn man dann noch eine intervallartige Aufwärmphase mitmacht, das heißt, etwa zehn Minuten lang intensive und etwas weniger intensive Belastung im Wechsel, ist man vor Atemnot gut geschützt. Zur Vorbeugung ist eine Prämedikation mit einem Bedarfsmedikament hilfreich, in der Regel ein kurz wirksames Beta-2-Mimetikum. Davon nimmt man zwei Hübe inhalativ, etwa zehn Minuten vor dem Sport.“

Die Notwendigkeit einer Prämedikation hänge vom Einzelfall ab. Nicht jeder Asthmatiker braucht eine Prämedikation, aber es gibt Patienten, die sie vor jeder körperlichen Belastung benötigen. Das ist Erfahrungssache. Es kommt auch auf die Sportart an. Skilanglauf ist anstrengender, hier würde ich eher zur Prämedikation raten als z. B. bei forciertem Spazierengehen. Im Zweifelsfall bin ich eher großzügig.

Das Medikament hat in so geringer Dosierung praktisch keine Nebenwirkungen. Einen leichten Anstieg der Herzfrequenz erlebt der Patient bei der Aktivität ohnehin, sodass er letztlich nur Nutzen davon hat. Gerade wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, kann es ja sehr unangenehm sein, wenn man wegen Atemnot pausieren muss, vor allem für Kinder.

In höchsten Höhen

Auf Gletschern sei zwar der Sauerstoffpartialdruck etwas niedriger, meint der Experte. Damit werde weniger Sauerstoff im Blut transportiert. Das macht beim Asthmatiker in der Regel aber genauso viel oder wenig aus wie bei einem gesunden Menschen. Wenn der Patient in Europa bleibt, gibt es keine Probleme; bis zu 3.000 Meter Höhe kann er jederzeit verkraften.

springermedizin.de, Ärzte Woche 7/2016

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