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© James Pauls/iStockphoto
Frauen sind im Allgemeinen gesundheitsbewusster als Männer. An die Herz-Vorsorge denken jedoch auch hier nicht viele.
 
Kardiologie 27. April 2015

Was Frauenherzen schwach werden lässt

Das Neueste zum großen Unterschied zwischen Frauen und Männern vom 17. Kardiologie-Kongress Innsbruck.

Genderspezifische Unterschiede spielen in der Kardiologie eine immer wichtigere Rolle, bei der Prävention genauso wie in der Therapie. Der 17. Kardiologie-Kongress Innsbruck widmete diesem Thema einen Schwerpunkt.

Frauenherzen schlagen anders. Das bedeutet auch, dass Frauen im Vergleich zur gängigen Volksmeinung im Vergleich zu Männern deutlich häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen leiden. So bestätigte die Statistik Austria, dass im Jahr 2013 mit einem Anteil von 47,7 Prozent Frauen sogar deutlich mehr an einer Herz-Kreislauferkrankung, sprich Herzversagen, verstarben als Männer. Insgesamt gingen 2013 in Österreich 34.101 Todesfälle auf das Konto von Herzerkrankungen, das sind 42,9 Prozent aller Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen. Der Eindruck, Frauen sterben häufiger an Tumoren, entspricht also nicht der Wirklichkeit. Frauen sterben vorwiegend an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auch Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Institut für Geschlechterforschung in der Medizin (GIM), Charité Berlin, bestätigt mit ihrer neuesten Forschung diese Erkenntnisse. Der Herzinfarkt ist keineswegs eine reine Männerkrankheit. Frauen erliegen derzeit etwa gleich oft einem Herzinfarkt wie Männer. Häufig bleiben Herzinfarkte bei Frauen vorerst unentdeckt, weil weder Frauen noch die behandelnden Ärzte nach der Symptombeschreibung mit einem Infarkt rechnen. Das ist auch der Grund, warum Frauen oft die adäquate Behandlung in einer Notfallsituation nicht schnell genug erhalten. Sie kommen oft später ins Krankenhaus als Männer oder im schlimmsten Fall gar nicht.

Frauen kommen oft gar nicht auf die Idee, dass ihnen ein Infarkt drohen könnte. Das Risiko wird meistens unterschätzt.

Frauen erleiden einen Infarkt meist erst nach der Menopause, zuvor sind sie durch die weiblichen Sexualhormone geschützt. Diesen natürlichen Schutzmechanismus aus der Genderforschung macht man sich jetzt erstmals zunutze, um neue Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen zu entwickeln. Unter dem Einfluss von Östrogen entwickeln beispielsweise weibliche Mäuse normalerweise einen Schutzfaktor, der die Weibchen vor Arhythmien schützt. Verabreicht man die isolierte Substanz auch Männchen, sind auch diese im Tierversuch geschützt. Regitz-Zagrosek erwartet, dass es in rund fünf Jahren bereits die ersten Medikamente im Einsatz gegen Herzrhythmusstörungen gibt.

Unterschiede in der Medikamenteneinnahme

Einen weiteren Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt es in der Verwendung von Arzneimitteln. Neueste Forschungsergebnisse bestätigen, dass nicht nur biologische Faktoren einen Einfluss auf die Gesundheit haben. Darüber hinaus spielt Gender als soziokulturelle Dimension von Geschlechterunterschieden in der Arzneimittelwirkung eine Rolle. Frauen und Männer nehmen Arzneimittel anders ein. Ihre Compliance ist unterschiedlich, denn sie nehmen unterschiedlich viele, möglicherweise interagierende, freiverkäufliche Medikamente zu den verschriebenen Arzneimitteln ein.

Vorhofflimmern häufig untertherapiert

Doz. Dr. Podczeck-Schweighofer vom Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien, ortet gewisse Geschlechterunterschiede in der Therapie von Herz-Rhythmusstörungen und dem Hauptproblem der Rhythmusstörungen, dem Vorhofflimmern. „Mir erscheint wichtig, dass Frauen, besonders ältere Frauen, bei Vorhofflimmern oft untertherapiert und zu wenig den Guidelines entsprechend behandelt werden. Dahinter steht vermutlich die Angst vor möglichen Komplikationen.

Richtig wäre, hier mehr blutverdünnende Medikamente einzusetzen, da gerade bei älteren Frauen mit Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko besonders hoch ist.

Herzklappen-OPs vorteilhaft

Prof. Dr. Guy Friedrich, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Innsbruck, berichtete über die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der minimalinvasiven Herzklappen-Operation. Erstmals in der Geschichte der Kardiologie ist eine neue Operationsmethode gleichermaßen gut an Frauen und Männern untersucht. Vor wenigen Jahren gelang der Durchbruch bei minimalinvasiven Herzklappenoperationen mit kleineren Klappen, die auch durch die deutlich kleineren Gefäße von Frauen durch die Leiste eingeführt werden können. Erste Langzeitergebnisse zeigen jetzt, dass Frauen von dieser neuen Operationsmethode sogar mehr profitieren als Männer.

Aufruf zur Herz-Vorsorge

Resümierend stellt die Vorreiterin der Gendermedizin in Österreich, Prof. Dr. Margarethe Hochleitner, Innsbruck, fest: „Man kann sagen, die Geschlechtsunterschiede in der Kardiologie waren die Grundlagen für die Gendermedizin. Inzwischen gibt es wesentlich mehr evidenzbasierte Untersuchungen zugunsten der Frauen. Allerdings versterben noch immer mehr Frauen an Herzinfarkt. Frauen fürchten, an Krebs zu sterben und vergessen auf die Herz-Vorsorge. Stattdessen sterben sie an Herzversagen – dieses Risikos sollten sie sich bewusst sein und vor allem in der Vorsorge berücksichtigen.“ Ein einfaches CT zeigt, ob Herzkranzgefäße verkalkt sind. Unbedingt Herz-Vorsorge betreiben soll, wer folgende Risikofaktoren hat: erbliche Belastung, hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen und hohes Cholesterin.

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