zur Navigation zum Inhalt
 
Impfen 28. November 2014

Mutter impfen schützt Baby

Eine Impfung in der Schwangerschaft kann Keuchhusten bei Neugeborenen zuverlässig verhindern.

Nach der Einführung der Pertussis-Immunisierung bei Schwangeren in Großbritannien ging die Zahl der betroffenen Säuglinge deutlich zurück.

Gegen Pertussis werden Säuglinge in den meisten Ländern ab dem dritten Monat geimpft, mitunter kommt die Impfung dann aber bereits zu spät. Dies zeigte sich im Jahr 2012, als der Keuchhusten in Großbritannien zunächst unter Erwachsenen grassierte, dann aber auch zunehmend die noch ungeimpften Neugeborenen befiel. In kurzer Zeit vervielfachte sich die Zahl der erkrankten und in Kliniken behandelten Neugeborenen, sodass die britischen Behörden im Oktober 2012 ein Notimpfprogramm ins Leben riefen: Nun sollten sich möglichst auch alle Frauen in der 28. bis 38. Schwangerschaftswoche der Immunisierung unterziehen, in der Hoffnung, dass ihre Kinder kurz nach der Geburt gegen den Erreger geschützt sind. Diese Hoffnung hat sich offenbar erfüllt, berichtet ein Team der britischen Gesundheitsbehörden in London ( Amirthalingam G et al.: The Lancet 2014 ; 384).

Für die Notimpfung stand den Behörden die Kombivakzine Repevax (Pertussis, Tetanus, Diphtherie, Polio) in größeren Mengen zur Verfügung. Anhand von Gesundheits- und Meldedaten sowie Laborbefunden wurde nun ausgewertet, welche Auswirkungen die Impfung der werdenden Mütter auf die Erkrankungsraten und die Schutzwirkung der Vakzine hatten.

Analysiert wurden die Angaben zu knapp 26.700 Müttern, die zwischen Oktober 2012 und September 2013 lebende Kinder geboren hatten. Von diesen hatten sich im Schnitt 64 Prozent impfen lassen, am höchsten war die Bereitschaft unmittelbar zu Beginn des Programms (78 %), danach flaute sie sukzessive ab.

In einem ähnlichen Maße, wie die Durchimpfung der Schwangeren voranschritt, nahm die Zahl der landesweit erfassten und im Labor bestätigten Pertussis-Erkrankungen bei Kindern unter drei Monaten ab. Deren Zahl lag vor Beginn der Epidemie noch bei 118,, stieg dann im Epidemiejahr auf 328 und fiel im Folgejahr auf 72 zurück – eine Reduktion um 78 Prozent. Ähnlich stark ging im selben Zeitraum die Zahl der Klinikeinweisungen in dieser Altersgruppe zurück (von 440 auf 140). Starben 2012 noch zehn Neugeborene an Pertussis, so waren es 2013 nur noch zwei.

Ein ähnlich dramatischer Effekt war bei älteren Kindern und Erwachsenen nicht zu beobachten, bei ihnen ging die Zahl der im Labor bestätigten Infektionen im Jahr 2013 lediglich um etwa ein Drittel zurück.

Als nächstes wurde der Impfstatus der Mütter von 88 Kindern mit bestätigter Keuchhusteninfektion bis zum dritten Monat betrachtet. Von diesen waren 76 nicht geimpft worden. Daraus berechnete das Team um Amirthalingam eine Schutzwirkung von 90 Prozent.

Was lässt sich nun aus diesen Daten schließen? Die Pertussis-Impfung von Schwangeren wird zwar bereits in einigen Ländern wie den USA, Neuseeland und Belgien empfohlen, bisher gab es aber kaum zuverlässige Daten zur Schutzwirkung der Vakzine nach der Geburt der Kinder. Diese Lücken konnten die Forscher um Amirthalingam nun schließen. In vielen Ländern dürfte jedoch weiter diskutiert werden, ob sich die Immunisierung Schwangerer auch dann lohnt, wenn gerade keine besondere Pertussis-Aktivität vorliegt. Die Impfraten unter den Schwangeren in den wenigen Ländern mit einer Empfehlung für die pränatale Pertussis-Impfung sind zudem recht dürftig, heißt es in einem Kommentar zur Studie. Offenbar fällt es ohne konkrete Gefahr schwer, werdende Mütter von der Impfung zu überzeugen.

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 49/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben