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Warum gestillte Kinder ein verringertes Asthmarisiko haben, ist noch unklar.
 
Neonatologie 30. Juni 2014

Stillen schützt vor Asthma

Dafür spricht jetzt auch die bisher umfangreichste Metaanalyse zu diesem Thema.

Der Schutz durch Stillen ist offenbar bei Kleinkindern bis zwei Jahre am stärksten ausgeprägt. Aber auch im Schulalter gibt es noch einen protektiven Effekt.

Stillen schützt auch vor Asthma – sagen die einen. Das geben die bisherigen Studiendaten bei Asthma nicht her – sagen die anderen. Britische Wissenschaftler aus Ipswich haben jetzt den Zusammenhang zwischen Stillen und Asthmaprävention mit einer Metaanalyse auf den neuesten Stand gebracht.

Dafür wurden 117 Beobachtungsstudien aus einer Liste von fast 1.500 Publikationen aus der Zeit von 1983 bis 2012 ausgewertet. Bei 75 Studien mit dem Schwerpunkt „Asthma allgemein“ berechneten die Forscher eine Odds Ratio (OR) von 0,78. Die Wahrscheinlichkeit, an Asthma zu erkranken, wurde demnach bei gestillten Kindern um 22 Prozent vermindert.

Bei der gepoolten Analyse jener 46 Studien, in denen es um Asthma innerhalb der letzten zwölf Monate ging, errechneten die Wissenschaftler eine OR von 0,76 und bei der Auswertung der 94 Studien, in denen das Giemen innerhalb der vergangenen zwölf Monate im Fokus stand, wurde eine OR von 0,81 ermittelt.

Einen starken protektiven Effekt des Stillens errechneten die Forscher für Neugeborene und Kinder bis zu zwei Jahren, der allerdings danach kontinuierlich schwächer wurde, aber im Schulalter noch nachweisbar war.

Mögliche Störfaktoren

In Anbetracht der derzeitigen Lage mit sehr heterogenen Studien fordern die Wissenschaftler um Dr. Cristian M. Dogaru neue Untersuchungen mit besseren diagnostischen Kriterien, konsequenter Berücksichtigung von Störfaktoren und nicht zuletzt besseren Studiendesigns als bisher.

Bei möglichen Störfaktoren denken die Ärzte unter anderem etwa an das Rauchen, perinatale Faktoren wie Geburtsgewicht und Gestationsalter sowie Asthma und Atopie in der Familienanamnese. Sie plädieren für Längsschnittstudien, in die Frauen bereits in der Schwangerschaft aufgenommen und in denen die Stilldauer und die Inzidenz der Asthmasymptome prospektiv erfasst werden.

Wünschenswert sei schließlich auch die Berücksichtigung von Geschwistern, um unter anderem den genetischen Einfluss erhellen zu können. Schließlich solle die Stilldauer exakt erfasst werden und eine objektive Beurteilung von Asthma mit Unterscheidung zwischen atopischer und nichtatopischer Genese erfolgen.

Sollte es tatsächlich so sein, dass Stillen mit einer Minderung des Asthmarisikos assoziiert ist, empfehlen Dogaru und seine Kollegen, in künftigen Studien auch die Schutzmechanismen in den Fokus zu nehmen. Dazu könnten schützende Effekte durch Komponenten der Milch gehören oder auch die Tatsache, dass gestillte Kinder potenziellen Allergenen nicht ausgesetzt sind.

Außerdem könne man prüfen, ob die Neugeborenen beim Stillen automatisch ihr Lungenvolumen vergrößern. Nicht zuletzt wird diskutiert, dass der Großteil des Schutzeffektes beim Stillen darauf zurückzuführen ist, dass das Risiko etwa einer RSV-Infektion, vor allem der unteren Atemwege, verringert wird.

Originalpublikation: Dogaru CM et al.: Am J Epidemiol 2014; online 11. April

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