zur Navigation zum Inhalt
© Stallergenes
 
Immunologie 4. November 2013

Polsterschlacht

Aktuelle Informationen über die Hausstaubmilbe und Vermeidungsstrategien.

Betten, Polstermöbel, Teppiche, Kuscheltiere, Staub – das ist das Zuhause der Hausstaubmilbe. In einer einzigen Matratze können bis zu zwei Millionen dieser Spinnentiere wohnen. Ihr Kot und die Bestandteile ihres Panzers zählen neben den Pollen zu den häufigsten Allergieauslösern.

Besonders im Herbst, mit Beginn der Heizperiode, werden Allergiker von unangenehmen Beschwerden gequält. „Eine Milbenallergie ist sehr belastend. Häufige Begleiterscheinungen sind Schlafstörungen und Dauermüdigkeit“, erklärt Dr. Daniel Blagojevic, Leiter des Allergieambulatoriums Rennweg, Wien. Eine internationale Umfrage an 4.000 Erwachsenen zeigt: 62 Prozent der Betroffenen fühlen sich in ihren täglichen Aktivitäten beeinträchtigt, 67 Prozent berichten von Kopfschmerzen und 71 Prozent von Energiemangel.

Verwechslungsgefahr Erkältung

Typische Beschwerden sind morgendliche Niesanfälle, Schnupfen, der 10 bis 15 Minuten nach dem Aufstehen auftritt und nach mehrmaligen Naseputzen wieder abflaut, sowie Husten. Auffallend ist: Bei etwa der Hälfte der Erkrankten ist die Hausstaubmilben-Allergie noch gar nicht diagnostiziert. „Die Symptome der Allergie werden oft mit den Anzeichen einer für die Jahreszeit typischen Erkältung verwechselt“, so Blagojevic.

Durchschnittlich dauert es sieben Jahre bis eine Hausstaubmilben-Allergie behandelt wird. „Wird eine Allergie festgestellt, sollte sie auf jeden Fall so rasch wie möglich behandelt werden. Sonst kann sich die Erkrankung ausbreiten, von Auge und Nase in Richtung Lunge wandern und Asthma bronchiale auslösen“, warnt Blagojevic. Als weltweit häufigste Ursache für asthmatische Erkrankungen darf eine Hausstaubmilben-Allergie keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Zahlen zeigen: Etwa jeder vierte Hausstaubmilbenallergiker ist auch asthmakrank. Gerade Kinder haben durch das frühe Auftreten der Erkrankung ein fünffach erhöhtes Asthma-Risiko.

Milbenreduktion – aber wie?

Die Kombination verschiedener Methoden zeigt den größten Erfolg. „Durch einen umfassenden und konsequenten Maßnahmenmix zur Allergenvermeidung kann die Belastung spürbar eingedämmt werden“, so Prof. Martin D. Chapman, einer der Mitentdecker des Hausstaubmilben-Allergens. Er empfiehlt: „Schaffen Sie ein ungemütliches Klima für die Milben (kühl und vor allem trocken), lüften Sie drei- bis viermal am Tag 5 bis 10 Minuten raumdiagonal. Die Luftfeuchtigkeit sollte nicht über 50 Prozent betragen. Verwenden Sie spezielle milbendichte, feuchtigkeitsdurchlässige Überzüge (Encasings) für Matratzen, Decke und Polster. Achten Sie beim Kauf auf klinisch geprüfte Produkte – ein Qualitätssiegel alleine ist kein Kriterium für ein gutes Material!“ Bettbezüge, Kissen und Decken sollten wöchentlich gewaschen werden. Milben ertragen 100°C bis zu einer Dauer von 60 Minuten. Deshalb: Bei mindestens 60°C waschen und ein Milbeninsektizid als Waschzusatz verwenden. Diese basieren auf pflanzlicher Basis und sind für Menschen unbedenklich. Tägliches Lüften des Bettzeugs und der Verzicht auf Staubfänger und Pflanzen tragen zur Allergenvermeidung bei. Die Kleidung sollte außerhalb des Schlaf- und Wohnzimmers gewechselt werden. Heizkörper sollten sorgfältig von Staub befreit sein. „Benutzen Sie Staubsauger mit Allergenfilter“, so Chapman. Noch besser ist feuchtes Aufwischen. Der meiste Kontakt mit Hausstaubmilben findet wahrscheinlich nicht, wie bisher angenommen, nur im Bett statt. Deshalb sollten auch Wohnräume saniert werden.

„Zur Linderung der Beschwerden und zur Entzündungsbehandlung bieten antiallergische Augentropfen und Nasensprays Abhilfe“, sagt Blagojevic. Neu: Ein Nasenspray, das erstmals Kortison und Antihistaminikum kombiniert, unterstützt eine rasche und wirksame Symptomlinderung.

Sensibilisierung mit Humor

Die Patientenorganisation IGAV bietet Betroffenen Tipps und Informationen, mit Plakaten fürs Wartezimmer und neuen, unkonventionellen Webvideos: Die zwei Kurzfilme „Hausstaubmilben-Allergie – es geht auch anders“ auf dem You-Tube-Channel der IGAV sprechen Allergiker auf humorvolle Weise an und sollen motivieren, Hilfe beim Arzt zu suchen (www.youtube.com/allergenvermeidung).

Links: www.allergenvermeidung.org
www.milben-schutz.at
www.allergie-frei-leben.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben