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Diabetologie 10. Oktober 2013

Diabetes ist eine Familienangelegenheit

Die chronische Erkrankung bedeutet eine hohe Stressbelastung für Angehörige der Patienten.

Die Befragungssteudie DAWN2TM  zeigt die hohe psychosoziale Belastung der betroffenen Menschen auf. Die von Novo Nordisk untertützte weltweit zwischen März und September 2012 durchgeführte Befragung von 15.000 Menschen in siebzehn Ländern gibt Hinweise, in welcher Weise Patienten und ihren Angehörigen verbesserte Unterstützung gegeben werden sollte.

Diabetesprävention und Aufklärung ist das Motto des diesjährigen Weltdiabetestages am 14. November. Weltweit leiden bereits 371 Millionen Menschen an Diabetes, in Europa sind es 55 Millionen Betroffene, in Österreich etwa 550.000 Patienten. Sie und ihre engsten Angehörigen haben mit erheblichen Einschränkungen in ihrer Lebensqualität zu kämpfen und leiden oft unter Stress. Das ergab eine internationale Umfrage mit rund 15.000 Probanden.

"Man könnte auch sagen: 'Diabetes ist eine Familienangelegenheit'. Es gibt psychosoziale Barrieren für das Selbstmanagement. Die Angehörigen sind überfordert. Die Betroffenen haben ein erhebliches Risiko für Depressionen. Für die Angehörigen bedeutet der Diabetes eine hohe Stressbelastung", sagte der Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, der Vorarlberger Internist Heinz Drexel mit Hinblick auf die Daten der sogenannten "DAWN2"-Umfrage, die bei Patienten und deren Angehörigen in 17 Staaten durchgeführt wurde. Unterstützt wurde diese Aktivität durch den dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk.

Einige Fakten aus der Befragung, Österreich nahm nicht teil:

  • 40 Prozent der Familienmitglieder von Diabetikern fühlen sich durch die Sorge um ihre Angehörigen stark gestresst.
  • 35 Prozent der Familienmitglieder sprechen von einer mittleren bis hohen Belastung durch Pflegeaufgaben, 37 Prozent sind frustriert.
  • 46 Prozent der Diabetiker berichten von einem negativen Einfluss der Erkrankung auf ihr emotionales Wohlbefinden.
  • 14 Prozent der Zuckerkranken leiden an einer krankheitsbedingten Depression.
  • 39 Prozent der Diabetiker fühlen sich durch die Therapie in einem normalen Leben beeinträchtigt.
  • 81 Prozent der Patienten und 72 Prozent der Familienmitglieder finden Diabetes-Schulungen für sinnvoll.
  • Allerdings: Nur knapp weniger als 50 Prozent der Zuckerkranken und nur etwas mehr als 20 Prozent der Angehörigen nehmen an Diabetes-Schulungen teil.

Reinhold Glehr, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM), betonte, dass sich die Allgemeinpraxen zunehmend zu Teams entwickelten, welche sich besonders um Personen mit chronischen Erkrankungen bemühen. Man benötige aber dafür auch die Ressourcen. Man orientiere sich dabei beispielsweise an einem Modell aus Baden-Württemberg, wo die Krankenkassen im Rahmen des dortigen Hausarztmodells auch speziell ausgebildete Arzt-Assistenten entsprechend honoriere.

Die Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA), so deren Direktor Thomas Neumann, setzt auf ihr Präventionsprogramm mit finanziellen Anreizen bei Erreichen von zwischen Arzt und Patient vereinbarten Gesundheitszielen und auf das Diabetes-Management-Programm "Therapie aktiv", das ebenfalls bei den niedergelassenen Ärzten angeboten wird.

Elsa Perneczky, stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Diabetiker Vereinigung, kritisierte die Situation in der Bundeshauptstadt: "Wien ist anders. In Wien sitzen die Diabetiker viel zu lange in überfüllten (Spitals-)Ambulanzen. Es gib viel zu wenige spezialisierte Schwerpunktpraxen."

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