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Allgemeinmedizin 12. August 2013

Phytopharmaka

Möglichkeiten der Prophylaxe für Herz-Kreislauferkrankungen.

Pflanzlichen Arzneimitteln werden zahlreiche, heilende Wirkungen zugeschrieben. Man denke nur an den Knoblauch, der alten Mythen zufolge sogar Vampire und böse Geister vertreiben soll!

„Tatsächlich gibt es aber über die Wirkung von Knoblauch, vor allem bei der Prophylaxe von Arteriosklerose und Herzinsuffizienz zahlreiches Erkenntnismaterial. Die weiße Knolle wurde in Deutschland sogar zum Arzneimittel des Jahres 1989 gewählt“, berichtete Univ. Prof. Dr. Rudolf Bauer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz, im Rahmen der 46. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden im vergangenen Frühjahr. „Als Vorbeugung von altersbedingten Gefäßveränderungen sind vor allem die Wirkstoffe Alliin und Allicin als Blutdruck- und Lipid-senkend dokumentiert. Allerdings sind die Wirkstoffe recht instabil, sie enthalten Schwefelverbindungen und führen überdies bei ihrem Abbau durch Enzyme zu dem unangenehmen Geruch.“

Wie viel Knoblauch in welcher Zubereitung?

Bei der Knoblauch-Aufbereitung gibt es große Unterschiede. Besonders schonend ist die Zubereitung von Trockenpulver, überdies stehen Trockenextrakte, Ölmazerate und Destillate in standardisierter Zubereitung mit 1,0 bis 1,4 % Alliin und Allicin zur Verfügung. Auf die Frage, wie viel frischen Knoblauch man essen müsste, um eine vorbeugende Wirkung zu erzielen, waren die Empfehlungen sehr unterschiedlich. 2,4 bis 2,7 Gramm wurden vorgeschlagen - und bezweifelt. Wie viele Knoblauchzehen sind das und wie viel Alliin und Allicin sind dann wirklich enthalten? Aber auch das von vielen geschätzte Würz- und Heilmittel kann, im Übermaß genossen, zu Wechselwirkungen führen, etwa mit Blutverdünnungsmitteln, mit Ginkgo oder mit gegen HIV eingesetzten Präparaten.

Arzt und Apotheker fragen

Nicht selten wird der Apotheker vom Patienten gefragt, ob er nicht statt der synthetisch hergestellten Medikamente pflanzliche Arzneimittel einnehmen könnte. „Der Anwendung sind Grenzen gesetzt. Das Indikationsgebiet erstreckt sich nur auf leichte bis mittlere Formen der Herzinsuffizienz. Vor einer eventuellen Umstellung muss jedenfalls der behandelnde Arzt befragt werden. Große Bedeutung haben Phytopharmaka hingegen für die Prophylaxe und Therapie der Arteriosklerose und deren Folgekrankheiten“, führte Bauer aus.

Herzwirksame Digitaloid-Drogen

Zur Anwendung empfohlen werden die sogenannten Digitaloid-Drogen, wie Adoniskraut, Maiglöckchenkraut, Meerzwiebel und Oleanderblätter, von denen Extrakte verwendet werden, die herzwirksame Glykoside mit digoxinähnlicher Wirkung enthalten und die Herzmuskelkraft stärken. Doch entsprechend vorsichtig müssen sie angewendet werden, da bei Interaktionen bzw. bei einer Überdosierung wegen der geringen therapeutischen Breite die Gefahr von ventrikulären Extrasystolen und Kammerflimmern besteht. Die akzeptierten Anwendungsgebiete sind leichte Formen der Herzinsuffizienz, Altersherz und chronisches Cor pulmonale.

Zubereitungen aus Weißdornblättern, Blüten und Früchten sind wesentlich unproblematischer. Sie besitzen zwar auch eine positiv inotrope Wirkung, haben aber sonst ein völlig anderes pharmakodynamisches Wirkprofil als Digitalisglykoside. Anerkannte Indikationen für Weißdorn-Arzneimittel sind eine nachlassende Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend Stadium I bis II nach NYHA, ein Druck- und Beklemmungsgefühl in der Herzgegend, das noch nicht digitalisbedürftige Altersherz und leichte Formen von bradykarden Herzrhytmusstörungen. „Dabei kommt es auf die richtige, mit Arzt und Apotheker abgesprochene Dosis an. Viele Experten empfehlen Weißdorn in Kombination mit Magnesium und Vitamin E. Das pflanzliche Arzneimittel Protecor enthät diese Kombination. „Darüber hinaus muss der Patient auch aufmerksam gemacht werden, dass sich der Erfolg erst nach mindestens sechs Wochen spürbar einstellt“, empfiehlt Bauer. Die leichte Steigerung der Herztätigkeit, eine bessere Durchblutung des Herzmuskels und der Herzmuskelgefäße gehen unter anderem von den darin enthaltenen sogenannten Flavonoiden und Procyanidinen aus.

Wie der Name schon andeutet, wirkt das Herzspannkraut in Form von Tee, Tropfen oder Tabletten gegen Herzklopfen, die auf psychische Belastungen zurückzuführen sind. Auch ein nervöses Herz kann so beruhigt werden, allerdings tritt auch hier der Erfolg erst nach einiger Zeit ein.

Eine Erweiterung des Indikationsgebietes erwartet sich Bauer von neuen Phytopharmaka vor allem aus China, wie etwa Salvia miltiorrhiza. In jedem Fall ist bei der Selbstmedikation mit Phytopharmaka die Beratungstätigkeit des Apothekers gefragt, die verschiedenartigen Aspekte der Phytopharmaka und ihren richtigen Einsatz zu kennen, erfordern jedenfalls viel Wissen und Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Patienten.

Quelle: Apothekertagung Saalfelden, März 2013

G. Niebauer, Apotheker Plus 6/2013

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