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Rainer Schmid bei der Auswertung der Drogen-Analyse im „Analyse-Bus“ der mobilen Beratungsstelle

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Michael Dressel (Drogenkoordinator und Geschäftsführer der Sucht- und Drogenkoordination Wien gGmbH), Sonja Grabenhofer (Lebens- und Sozialberaterin, Bereichsleiterin Suchtprävention der Suchthilfe Wien gGmbH, Leiterin von „checkit!“) und Rainer Schmid (Toxikologe und Experte für Medikamenten-Analytik der MedUni Wien) - v.l.n.r.
 
Allgemeinmedizin 25. Juni 2013

Warnung vor neuen, synthetischen Drogen

Welttag gegen Drogenmissbrauch am 26. Juni 2013.

 
Allein im Jahr 2012 sind in Europa 73 neue, synthetische psychoaktive Drogen aufgetaucht, die meist sehr einfach über das Internet bestellt werden können – und die im World Wide Web als „Badesalz“ oder „Pflanzendünger“ getarnt werden. Die MedUni Wien-DrogenexpertInnen von der klinischen Abteilung für Medizinisch-Chemische Labordiagnostik und die Sucht- und Drogenkoordination Wien (SDW) informieren anlässlich des Welttags gegen Drogenmissbrauch am (morgigen) 26. Juni über die potenziellen Gefahren dieser neuen, psychoaktiven Drogen, auch „Freizeitdrogen“ genannt.


Praktisch jede Woche kommt eine neue derartige Droge irgendwo in Europa auf den Markt, deren Zusammensetzung häufig nicht genau bekannt ist. „Daher wissen wir nicht, wohin die Reise beim Konsum dieser Drogen geht, weder hinsichtlich Langzeitfolgen, noch hinsichtlich einer akuten Toxizität. Die Risiken dieser neuen Substanzen sind nicht abschätzbar und können um ein Vielfaches höher sein als bei bereits bekannten, illegalen Drogen“, sagte Rainer Schmid, Toxikologe und Experte in Medikamenten-Analytik an der MedUni Wien und wissenschaftlicher Leiter des Präventionsprojekts ,checkit!‘ bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel an der MedUni Wien. Das Projekt ,checkit!‘ wird gemeinsamen von der Suchthilfe Wien (einer Tochtergesellschaft der SDW) und der MedUni Wien durchgeführt.

,checkit!‘: Erfolgreiche Risikominimierung


Genau das ist es, was das Projekt ,checkit!‘ will: Das Risiko bei einer Einnahme von so genannten Freizeitdrogen verringern. „Seit eineinhalb Jahrzehnten trägt checkit! durch seine Maßnahmen maßgeblich und erfolgreich zur Risikominimierung bei und wirkt der Entwicklung von problematischem Konsum und Abhängigkeit entgegen. Konkret etwa durch Event-Betreuungen, bei denen Informations- und Beratungsgespräche geführt werden, aber auch Substanzproben auf ihre Inhaltsstoffe untersucht werden können. Besonders in diesem Rahmen sind junge Menschen für die Informationen über die Gefahrenpotenziale der einzelnen Substanzen aufnahmebereit und setzen sich mit ihrem Risikoverhalten auseinander. Ziel ist es, die persönliche Risikokompetenz der Betroffenen zu stärken. checkit! ist somit ein wichtiger Bestandteil der Wiener Suchtprävention“, betont der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel.

„Es geht dabei nicht vorrangig darum, diese DrogenkonsumentInnen unter allen Umständen zum Aufhören zu überreden, sondern, ohne dass sie sich immer wieder gefährden, sie sicher durch eine besondere Phase in ihrem Leben zu begleiten. Denn wenn einmal erwachsen, nimmt diese Gruppe langfristig kaum mehr Drogen“, erklärt Schmid. Eines sei aber klar: „Egal, ob wir beraten oder nicht, diese Drogen werden von jungen Erwachsenen immer wieder ausprobiert und genommen, jedoch – ohne weitere Information – bei weitem riskanter.“

„Ziel ist es, problematische Konsummuster und Abhängigkeiten vor allem bei jungen Menschen zu vermeiden. Dies gelingt am besten wenn man – wie checkit! – möglichst nah an der Risikosituation dran ist und auf Augenhöhe kommuniziert“, unterstreicht Dressel.

Anonyme Tests bei Musikevents

checkit! ist vor allem bei Musikevents (Techno) vertreten. Schmid und sein ChemikerInnen-Team sind gemeinsam mit SozialarbeiterInnen der Suchthilfe Wien bei vielen dieser Events mit einem „Analyse-Bus“ und einer mobilen Beratungsstelle vor Ort. Unter dem Motto „Check your drugs – Check your Life“ können Drogen von den WissenschafterInnen auf ihre Zusammensetzung getestet werden – Ergebnisse gibt es innerhalb von weniger als einer halben Stunde. Die Tests sind anonym und auch die Ergebnisse werden vor Ort anonym veröffentlicht. Sie stellen die Grundlage für die Informations- und Beratungsgespräche mit den SozialarbeiterInnen dar.

Meist handelt es sich bei den Substanzen um synthetische, amphetaminartige Drogen. Heroin spielt in dieser Szene kaum eine Rolle. Wenn bei einem Event gefährliche Drogen entdeckt werden, kann checkit! noch während des Events eine dringende öffentliche Warnung über die Discjockeys verbreiten.

Pro Event-Nacht oft bis zu 100 untersuchte Proben

Oft werden pro Event-Nacht bis zu 100 Proben untersucht. Das jeweilige Ergebnis der Analyse gibt den Betroffenen die Möglichkeit, an die ForscherInnen und SozialarbeiterInnen Fragen zu stellen, mit ihnen zu diskutieren und sich beraten zu lassen. Schmid: „Da wir dadurch mit an Drogen Interessierten in Kontakt kommen, haben wir auch die Gelegenheit, Alternativen aufzuzeigen und einen Keim von Misstrauen und Vorsicht im Kopf von jungen, meist nicht hochriskanten Drogenkonsumenten zu platzieren.“

„Die Botschaft ist: Es gibt keinen Konsum ohne Risiko. Der Konsument oder die Konsumentin kann das Risiko jedoch – unter anderem mit Drug Checking – beeinflussen. Alles, was wir tun, zielt darauf ab, den möglichen Schaden für alle – für die KonsumentInnen genauso wie für die Gesellschaft – zu minimieren.“ ergänzt Sonja Grabenhofer, Leiterin von checkit!

Eine Studie in Berlin, die ein ähnliches Projekt untersucht hat, zeigt, dass genau diese On-Site Tests Wirkungen zeigen: Es wird vorsichtiger und weniger riskant konsumiert. Junge Menschen, die einem Drogenkonsum von vornherein kritischer gegenüberstehen, werden durch dieses Präventionsangebot in ihrer Haltung bestärkt. Der Vorbehalt, dass Jugendliche und junge Erwachsene durch das Angebot des Drug-Checking eventuell zu einem Drogenkonsum animiert werden könnten, hat sich als unbegründet erwiesen.

Ergebnisse fließen in den österreichischen Drogenbericht ein

Die anonym durchgeführten Auswertungen von checkit! fließen auch in den österreichischen Drogenbericht ein und werden auch regelmäßig an die Europäische Drogenbeobachtungsstelle in Lissabon weitergeleitet. So kann dargestellt werden, welche Substanzen aktuell in Österreich und in Europa im Umlauf sind und wodurch die KonsumentInnen dieser Substanzen charakterisiert sind. Neben der Beratung vor Ort gibt es bei checkit! auch die Möglichkeit einer Beratung in der Anlaufstelle in der Gumpendorferstraße 8, sowie einer Online-Beratung und Telefon-Beratung.

Die Website www.CheckYourDrugs.at  bietet umfassende Informationen über (neue) synthetische Drogen, deren Wirkungen, Risiken und Gefahren sowie die Resultate des Drug-Checkings. Ein wichtiger Grundsatz bei der Arbeit mit KonsumentInnen stellt die akzeptierende Haltung dar. Grabenhofer: „checkit! stellt jungen Menschen sachliche Informationen zur Verfügung und bewertet ihr Verhalten nicht moralisch. Dadurch wird die Reflexion problematischer Situationen möglich gemacht und der Entstehung von einer Abhängigkeit kann entgegengewirkt werden.“

checkit!


checkit! ist eine Einrichtung der Suchthilfe Wien gGmbH, einer Tochtergesellschaft der Sucht- und Drogenkoordination Wien (SDW), und deckt ein spezielles Feld der Suchtprävention ab. checkit! betreibt in Kooperation mit dem Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik des AKH Wien ein wissenschaftliches Projekt zur Erforschung aktueller Konsumtrends mit besonderem Fokus auf sogenannte Freizeitdrogen und neue synthetische Substanzen. Seit 1997 bietet checkit! Information und Beratung zu Wirkungen und Gefahren psychoaktiver Substanzen, sowie – vor Ort auf Partys, Clubs und in Diskotheken – eine qualitativ hochwertige, anonyme und kostenlose chemische Analyse psychoaktiver Substanzen an. Dadurch wird ein wichtiger Beitrag zur Beobachtung des „Drogenmarkts“ sowie der Suchtprävention geleistet.

checkit! vermittelt bildungs- und szenespezifisches Wissen über Gefahren, Inhalte und Wirkungen psychoaktiver Substanzen, die Entstehung von Suchtverhalten und alternative Strategien der Problembewältigung.

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