zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 4. Juni 2013

Diabetes und koronare Herzkrankheit

Optimales Risikofaktor-Management ist das A und O für Patienten, die neben ihrer koronaren Herzkrankheit auch an einem Diabetes leiden.

 Bei diesem Patientenkollektiv sollten in der Sekundärprävention möglichst alle Register gezogen werden. Doch selbst in klinischen Studien ist man von einer optimalen Kontrolle aller zu verändernden Risikofaktoren weit entfernt. Experten suchen nach neuen Wegen in der Prävention.

Therapeutische Ansatzpunkte, um kardiovaskulären Ereignissen vorzubeugen, gibt es viele. Stellt sich die Frage: Wie konsequent werden die dazu in den Leitlinien gegebenen Empfehlungen in der Praxis umgesetzt? Zur Klärung dieser Frage hat eine Forschergruppe Daten aus drei großen Studien gepoolt, an denen entweder ausschließlich oder als Teilpopulation Patienten mit Typ-2-Diabetes und KHK beteiligt waren.

In der berühmten COURAGE-Studie, in der bekanntlich eine optimale medikamentöse Therapie (OMT) mit einer OMT plus perkutaner Koronarintervention verglichen wurde, stellten Diabetiker rund ein Drittel der Studienpopulation. Die beiden anderen Studien (BARI-2, FREEDOM) waren ausschließlich Diabetikern vorbehalten, wobei es jeweils um die Frage nach der besten Methode der Revaskularisation (Koronarintervention versus Bypass-Op) ging. Daten von mehr als 5 000 Diabetikern mit KHK kamen auf diese Weise zusammen. Die Forscher analysierten dann die jeweiligen Anteile der Patienten, die in puncto Blutdruck, LDL-Cholesterin, HbA1c und Nikotinabstinenz leitliniengerecht eingestellt waren. Dabei machten sie einerseits erfreuliche Beobachtungen. So erhöhte sich in der COURAGE-Studie der Anteil der Patienten, die mit ihrem LDL-C im Zielbereich (unter 100 mg/dl) lagen, innerhalb eines Jahres von 55 auf 77 Prozent. In BARI-2 kletterte diese Quote von initial 59 auf 75 Prozent. In der FREEDOM-Studie (LDL-Ziel unter 70 mg/dl) gab es einen Anstieg von 34 auf 42 Prozent. Ähnlich positive Trends stellten die Untersucher bei der Blutdruck- und HbA1c-Einstellung sowie beim Rauchverzicht fest. Getrübt wurde ihre Freude andererseits aber durch die sehr bescheidene Quote jener Patienten, deren Behandlung die Ansprüche komplett erfüllte: Nur bei 18 Prozent der Diabetiker war es gelungen, gleichzeitig alle vier Risikofaktoren den Leitlinien entsprechend zu verändern - und das unter den günstigen Bedingungen von randomisierten klinischen Studien.

Die Studienautoren wollen es nicht bei einer Zustandsbeschreibung belassen. Der begrenzte Erfolg sollte nach ihrer Ansicht „neue Paradigmen“ zur Folge haben. Sie denken dabei unter anderem an das derzeit in Studien geprüfte Konzept der „Polypille“. Dabei wird das Ziel verfolgt, durch Kombination verschiedener Wirkstoffe in einer Tablette die kardiovaskuläre Prävention zu verbessern.

Quelle:

Michael E. Farkouh, Valentin Fuster et al. J Am Coll Cardiol 2013; 61(15): 1607-1615

 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben