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Kardiologie 4. Juni 2013

Herzschwäche und Diabetes gehen Hand in Hand

Höheres „Andropause“-Risiko bei Männern.

Herzmuskelschwäche und Diabetes gehen häufig Hand in Hand. „Nur einer von sechs Patienten mit Herzmuskelschwäche weist einen normalen HbA1c-Wert auf, hat also keine Störung des Zuckerstoffwechsels“, so Prof. Dr. Gerald Maurer (Leiter der Abteilung für Kardiologie, AKH Wien/MedUni Wien). 45,7 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten aus 47 Ländern, so zeigt eine neue Studie, litten unter einem manifesten Typ-2-Diabetes, bei rund einem Viertel davon noch undiagnostiziert, und 38,1 Prozent an dessen Vorstufe, einer gestörte Glukosetoleranz. (PARADIGM-HF)

 

„Die Beziehung dürfte wechselseitig sein. So haben Herzinsuffizienz und Typ-2 Diabetes beispielsweise eine Reihe gemeinsamer Risikofaktoren wie Bewegungsmangel“, erklärt Maurer. „Andererseits kann man auch davon ausgehen, dass für die Herzinsuffizienz typische Vorgänge wie erhöhter Sympathikotonus, Verlust an Muskelmasse oder Aktvierung des Renin-Angiotensin-Systems auch die Insulinresistenz und damit die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes fördern.“

Viele Diabetes-Medikamente können Herzinsuffizienz verschlechtern – neues Produkt schadet Herzen nicht


Ein schwerwiegendes Problem liegt darin, dass viele der gängigen Therapien des Typ-2-Diabetes die Herzinsuffizienz verschlechtern können. Umso interessanter ist eine vor wenigen Tagen auf dem Herzinsuffizienz-Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) in Lissabon präsentierten Arbeit, die zeigt, dass das neue Diabetes-Medikament Vildagliptin dem Herzen zumindest nicht schadet, oder sogar einen gewissen protektiven Effekt haben könnte. Tatsächlich kam es in der VIVVID Studie unter Vildagliptin zu einem größeren Anstieg der linksventrikulären Auswurffraktion (Anm.: Anteil des von der linken Herzkammer bei einer Kontraktion ausgeworfenen Blutes im Verhältnis zum Gesamtblutvolumen der Herzkammer. Maß für die Herzfunktion) als unter Placebo. Maurer: „Wenn sich dieser Befund in der Praxis bestätigt, hätte das entscheidende Auswirkungen auf unseren Umgang mit komorbidem Diabetes bei Herzinsuffizienz.“

Altersunabhängige Andropause: Zusammenhänge zwischen HI und Sexualhormonen

Ebenfalls nachgewiesen wurden zumindest bei Männern auch Zusammenhänge zwischen Herzinsuffizienz und den Sexualhormonen. So erhöht eine Herzinsuffizienz das Risiko, einen altersabhängigen Testosteronmangel („Andropause“), zu entwickeln. Dieser äußert sich in sexuellen Problemen wie Libidomangel und Impotenz, psychologischen Beeinträchtigungen wie Ängstlichkeit und depressiver Stimmung sowie somato-vegetativen Symptomen wie Gelenks- und Muskelschmerzen, Erschöpfung oder Schwitzen. Eine ebenfalls in Lissabon vorgestellte Studie zeigt nun, dass dieses Syndrom bei Patienten mit Herzinsuffizienz unabhängig vom Alter häufiger und schwerer auftritt. Prof. Maurer: „Die Autoren schließen aus ihren Daten, dass Herzinsuffizienz den Alterungsprozess beschleunigt.“


Individuelle und gesellschaftliche Folgen der Krankheitslast durch Herzinsuffizienz


Angesichts der bereits heute enormen und dabei ständig wachsenden Zahl der HI-Patienten stehen sowohl die Kardiologie als auch unsere Gesundheitssysteme vor einem gravierenden Problem, so Prof. Maurer. Die ESC geht von 28 Millionen Betroffenen in Europa und bis zu 300.000 Patienten in Österreich aus. „Das müsste nicht sein. Denn wir haben heute eine Reihe ausgezeichneter Therapiemöglichkeiten, die die Krankheit zwar nicht heilen, bei der überwiegenden Mehrzahl der Betroffenen den Verlauf jedoch deutlich verlangsamen kann“, sagt Prof. Maurer. „Gelingt die Diagnose früh und wird die Therapie konsequent durchgeführt, kann sich die Herzfunktion sogar wieder bessern und in manchen Fällen sogar normalisieren. Gelingt das, erspart es nicht nur den Betroffenen Leid und einen früheren Tod, sondern dem Gesundheitssystem auch eine drohende finanzielle Katastrophe.“ Berechnungen aus den USA gehen davon aus, dass dort im Jahr 2030 durch die HI direkte Kosten von fast 80 Milliarden Dollar entstehen werden. Prof. Maurer: „Prävention und Behandlung der HI müssen von den Gesundheitssystemen als Priorität anerkannt werden.“


Quelle: PK der ÖKG: Highlights der modernen Herz-Medizin

B&K/ÖKG/IS, springermedizin.at

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