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Der „Weltluftreiniger“ löst das Problem auf globaler Ebene(Andrea, PNMS Schulschwestern Graz)

Viele Einreichungen wiesen auf die Bedeutung von Pflanzenfür ein gesundes Raumklima hin, hier die „Anti-Schlecht-Luft-Pflanze“ (Anna, KMS Lacknergasse).

© MeineRaumluft.at (4)

Die „Frischluft-Kuckucksuhr“ meldet schlechte Luft mit dem Ruf „Bitte lüften!“ (Anna, NMS Weitenfeld).

Die Jury hatte die Qual der Auswahl aus über 11.000 Einsendungen.

 
Allgemeinmedizin 6. Juni 2013

Frischer Wind im Klassenzimmer

Ideen-Wettbewerb für bessere Raumluft mit großem Echo: Mehr als 11.000 Schüler beteiligten sich am Luftsprung-Award 2013.

Im November des Vorjahres rief die Initiative MeineRaumluft.at Schülerinnen und Schüler dazu auf, ihre Ideen zur Verbesserung der Raumluft in Klassenzimmern einzubringen.

Den Anstoß dazu gaben die alarmierenden Ergebnisse von Messungen der „Raumluftstudie 2012“, die zeigten, dass die Luft in Österreichs Klassenzimmern meist zu trocken und zu warm ist, einen zu geringen Anteil an Luftionen aufweist und die empfohlenen Grenzwerte für CO2 kontinuierlich überschreitet. Die Ärzte Woche berichtete darüber in der Ausgabe 47/2012 im Artikel „Zeit für eine Luftveränderung “.

Spontanes Nasenbluten und erhöhte Infektanfälligkeit

Schlechte Luft im Klassenzimmer reduziert nicht nur das Konzentrationsvermögen und die Aufnahmefähigkeit, sie hat durchaus auch gesundheitliche Konsequenzen. „Hohe CO2-Werte wirken sich sofort negativ auf die Lungenfunktion aus“, erklärte damals Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter, Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien. „Müdigkeit und Kopfschmerzen nehmen zu.“

Dr. Gudrun Weber, Schulärztereferentin der ÖÄK, berichtet von spontanem Nasenbluten und Augenbrennen aufgrund akuter Schleimhautreizungen. Die Lehrer leiden häufig an Stimmproblemen, wenn die Luft in der Klasse schlecht ist. „Langfristig erhöht der stundenlange Aufenthalt in abgestandener Luft die Infektanfälligkeit bei Schülern und Lehrern.“ Mehr Krankenstände und Fehlzeiten sind die Folge.

Ausgezeichnete Ideen

Durch schriftliche oder zeichnerische Darstellung konnten Schüler beim „Luftsprung-Award 2013“ ihre Vorschläge für ein besseres Raumklima einreichen. Die Präsentation der Gewinnerprojekte fand im Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium (GRG) 15 Wien statt, weil diese Schule die meisten Teilnehmer stellte: 11 Klassen des GRG 15 beteiligten sich am Luftsprung-Award. Insgesamt langten mehr als 11.000 Zeichnungen aus ganz Österreich bei der Jury ein.

Vom feinstaubfilternden Roboter bis zum einfachen Aufruf: „Lehrer, gebt (Sauer)stoff!“ reichten die kreativen Ideen österreichischer Schüler zum Thema Luftverbesserung. Einen Lösungsansatz für schlecht gelüftete Wohnzimmer bietet zum Beispiel ein Fernsehgerät, das sich ausschaltet, wenn die Luft schlecht wird. Das würde zumindest so manche Couch-Potatoes dazu bewegen, das Fenster zu öffnen, um das Fernsehprogramm weiter verfolgen zu können. Ebenso genial wie naheliegend ist auch die Idee eines Mädchens, Unterrichtsstunden einfach im Freien abzuhalten.

„Die große Resonanz, aber auch der unglaubliche Einfallsreichtum haben uns begeistert und beeindruckt“, sagt Mag. Thomas Schlatte, Plattformsprecher von MeineRaumluft.at. Schließlich wurden zehn Werke ausgewählt, die nun Teil einer Wanderausstellung werden. Diese wird durch beteiligte Schulen in Österreich, aber auch durch Unternehmen reisen, um „den Ideen der Kinder Nachdruck zu verleihen“, so Schlatte. Die Sieger erhielten Luftpolster-Möbel für das Klassenzimmer und Raumluft-Messgeräte.

Besser denken mit Frischluft

Obwohl die phantasievollen Ideen der Kinder für bessere Luft im Klassenzimmer nicht alle verwirklichbar sind, so hat die Aktion immerhin bewirkt, dass das Bewusstsein dafür bei Schülern und Lehrern geschärft wurde. „In den Pausen dürfen die Fenster der Klassenzimmer ja nicht geöffnet werden, wenn die Schüler ohne Aufsicht sind. Also haben wir die Stoßlüftung zu Beginn jeder Unterrichtsstunde eingeführt“, berichtet Mag. Erika Thurnher, Direktorin des GRG 15.

Eine kurze Stoßlüftung, eventuell kombiniert mit einem Bewegungsprogramm, ist kein Zeitverlust, denn sie macht die Kinder fit und aufmerksam für die folgende Unterrichtseinheit.

Ein geringer CO2-Gehalt in der Raumluft erhöht die Aufmerksamkeit, Aufgaben werden schneller gelöst und es werden weniger Fehler gemacht. Ein angenehmer Nebeneffekt für die Lehrer: Störende Schüleraktivitäten und Lärmpegel sinken, wenn die Luft frisch ist.

Neue Raumluft-Richtlinie für das kommende Schuljahr

Selbstverständlich wurde die Lösung des Problems nicht ausschließlich den Schülern überlassen: In Zusammenarbeit mit dem Unterrichtsministerium wurden diesbezüglich praktikable Empfehlungen für Schulen und Ausbildungsstätten erarbeitet. Im kommenden Schuljahr werden die neuen Empfehlungen für Innenraumluft vom Unterrichtsministerium eingeführt.

Pressepräsentation des Schulawards „Gesunde Raumluft im Klassenzimmer“, Wien, 23. Mai 2013

Gewinner des Luftsprung-Awards 2013

 

Anna, 14 Jahre, KMS Lacknergasse, Wien
Matthias, 15 Jahre, Fachschule Hahngasse, Wien
Makka, 11 Jahre, BRG 16 Wien
Laura, HS Stift Zwettl
Bianca, HS Stift Zwettl
Anna, 13 Jahre, HS Kitzbühel
Michael, 12 Jahre, Sportmittelschule Gols, Burgenland
Fayza, 10 Jahre, NMS Neusiedel a. See
Andrea, 12 Jahre, PNMS Schulschwestern Graz
Anna, 10 Jahre, NMS Weitenfeld, Kärnten

  

Ideale Raumluft

Die Temperatur in einem Klassenraum sollte zwischen 20 und 22 Grad liegen, die Luftfeuchtigkeit zwischen 40% und 60%. Die Luft sollte einmal pro Stunde komplett ausgetauscht werden. Dies kann über Stoß- bzw. Querlüftung oder Lüftungsanlagen erreicht werden. Dabei sollte die Frischluftrate in Unterrichtsräumen zwischen 15 und 20m3 pro Person und Stunde liegen. Bei einer Anzahl von 20 Schülern sollten also pro Stunde 300 bis 400m3 Frischluft zugeführt werden. Der CO2-Gehalt sollte in Innenräumen 1.000 ppm nicht überschreiten. Lüften in den Pausen reicht meist nicht aus, um den CO2-Wert wirksam abzusenken, bei voller Klassenbesetzung steigt er rasch wieder an. Isolierte Verglasung und Wärmedämmung sind zwar energiesparend, hemmen aber den natürlichen Luftaustausch und erhöhen somit die CO2- Werte. Ein relativ neuer Qualitätsparameter, für den es noch keine Richtwerte gibt, ist der Gehalt an Luftionen. Grundsätzlich gilt hier: Je mehr, desto besser.

C. Lindengrün, Ärzte Woche 23/2013

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