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Diabetologie 25. April 2013

Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh ...

... besonders wichtig bei Diabetespatienten.

Das diabetische Fußsyndrom, an dem rund zehn Prozent der DiabetikerInnen leiden, kann im äußersten Fall eine Amputation des Fußes notwendig machen. DiabetikerInnen, deren Schmerzempfinden durch Nervenschädigungen bereits eingeschränkt ist, müssen deshalb spezielle Pflegemaßnahmen beachten. ÄrztInnen wiederum sind aufgefordert, bei ihren PatientInnen mit Diabetes einen genauen Blick nach unten zu werfen. 2012 hat die Österreichische Diabetes Gesellschaft eine umfangreiche Leitlinie zum Thema "Diabetischer Fuß" erarbeitet (1).

 

Das diabetische Fußsyndrom gehört zu den schwerwiegendsten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Bis zu zehn Prozent der DiabetikerInnen leiden an einem Geschwür (Ulcus) im Fußbereich, die Neuerkrankungsrate beim diabetischen Fußsyndrom liegt entsprechend Zahlen aus Deutschland bei bis zu 5,9 Prozent. "Das diabetische Fußsyndrom stellt die Hauptursache für nichttraumatische Amputationen der unteren Extremitäten dar, 40-60 Prozent aller solcher Amputationen werden bei Diabetikern durchgeführt", weiß Prim. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner vom Landeskrankenhaus Hochzirl und Vorstandsmitglied der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) .

DiabetikerInnen-Füße brauchen mehr Aufmerksamkeit ...

Ursache für die Entstehung des diabetischen Fußsyndroms sind die sogenannte diabetische Neuropathie, die für mehr als 90 Prozent der Fußgeschwüre verantwortlich ist, und die periphere arterielle Verschlusserkrankung (PAVK), auf die sich die Hälfte der Fußulcerationen zurückführen lässt. Durch die Schädigung der peripheren Nerven wird das Temperatur- und Schmerzempfinden gemindert oder sogar ausgeschaltet. Verletzungen an den Beinen, vor allem der Füße, werden dadurch nicht mehr wahrgenommen. Eine sorgsame Hautpflege - auch zur Kontrolle der betroffenen Körperstellen - ist daher besonders wichtig. Die Füße müssen täglich auf Verletzungen und Druckstellen kontrolliert werden. Ebenso täglich ist eine Reinigung mit lauwarmem Wasser wichtig, wie auch die Pflege der Haut mit harnstoffhaltigen Cremes. Dabei muss beachtet werden, dass die Creme vollständig einzieht und keine Cremereste in den Zehenzwischenräumen verbleiben, denn dies könnte zu Pilzerkrankungen führen.

Bei einer Pediküre soll auf scharfe Gegenstände wegen der Verletzungsgefahr verzichtet werden. Deshalb sollen zum Kürzen der Nägel nur Nagelfeilen, nicht aber Nagelzwicker oder Scheren zum Einsatz kommen. Im Idealfall lässt man die Pediküre durch eine speziell für Diabetiker ausgebildete Fußpflegerin durchführen.

 ... und geeignetes Schuhwerk

Aufgrund der Sensibilitätsstörungen an den Füßen ist es wichtig, bequeme, weite und weiche Schuhe zu tragen. Die Schuhe sollten möglichst aus Leder gefertigt sein, Gummi- oder Turnschuhe sind aufgrund der Schweißbildung nicht empfehlenswert. Vor dem Anziehen sollte man die Schuhe mit der Hand auf Unebenheiten oder Steinchen kontrollieren. Nach dem Tragen neuer Schuhe oder nach langen Fußmärschen sind die Füße auf Druckstellen oder Schwellungen zu prüfen, denn Wunden an den Füßen können bereits durch ein Anstoßen der Zehenspitzen im Schuh entstehen.

Der "Blick nach unten" - wichtig für die Früherkennung durch die Ärztin/den Arzt

Um die Entwicklung eines diabetischen Fußsyndroms zu verhindern und damit auch das Amputationsrisiko zu senken, muss die Ärztin/der Arzt bei DiabetikerInnen eine besonders genaue Untersuchung vornehmen. Diese umfasst eine eingehende Begutachtung der Füße in Hinblick auf Hautveränderungen, Mykosen (Pilzerkrankungen), der Nagelstruktur oder orthopädischen Deformationen wie auch der Schuhe. Wichtig ist auch eine umfassende Anamnese, bei der der Arzt das Vorliegen von Schmerzen, Fehlstellungen des Bewegungsapparates, Verletzungen, schlecht heilende Wunden oder Kältegefühl abklärt. Besonderes Augenmerk muss der Arzt auf die oben erwähnten Sensibilitätsstörungen legen, denn diese erhöhen das Risiko von verletzungsbedingten Wunden, die aufgrund häufig auftretender Durchblutungsstörungen schlecht heilen. Diesbezüglich muss die Ärztin/der Arzt auch die Patientin/den Patienten informieren und zur regelmäßigen Selbstkontrolle der Füße und Beine anhalten.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit für eine erfolgreiche Therapie gefordert

Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit von DiabetesspezialistInnen, OrthopädInnen, DermatologInnen, NeurologInnen, AngiologInnen und OrthopädietechnikerInnen ist sowohl für die Prävention des diabetischen Fußgeschwürs wie auch für die Akut- und Nachversorgung von großer Bedeutung. Amputation, Immobilität und damit starke Einschränkung in der Lebensqualität könnten durch eine Optimierung der DiabetikerInnenversorgung und regelmäßige Kontrollen vermieden werden. PatientInnen mit einem Risikofuß oder mit einem aktuellen Fußgeschwür sollten an einem dafür spezialisierten Zentrum behandelt werden. Um Ausgangsdaten für gezielte Screening- und Behandlungsprogramme zu erhalten, wäre eine Erhebung von aktuellen Zahlen zum diabetischen Fußsyndrom in Österreich wünschenswert.

Literatur:

(1) Monika Leichleitner, Heidemarie Abrahamian, Mario Francesconi: Diabetischer Fuß, in: Wiener klinische Wochenschrift, The Middle European Journal of Medicine, 124. Jahrgang, 2012, Supplement 2, Hrsg.: Österreichische Diabetes Gesellschaft, S. 39-41

Service: Download der Diabetes-Leitlinien hier

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-Fachleute. Ihre zentrale Aufgabe ist die Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Austausches aller auf dem Gebiet der Diabetologie tätigen ForscherInnen und ÄrztInnen. Die ÖDG engagiert sich für die Sicherstellung einer Betreuung der Menschen mit Diabetes in Österreich, die den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind ÄrztInnen und wissenschaftlich einschlägig orientierte AkademikerInnen. Assoziierte Mitglieder sind DiabetesberaterInnen und DiaetologInnen.

ÖDG M. Lechleitner, springermedizin.at

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