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Dr. Anton Hommer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukom Gesellschaft (rechts) untersucht Pof. Bernhard Ludwig, Seminar-Kabarettist mit dem Spectralis OCT auf.

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Dr. Anton Hommer, Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukom Gesellschaft (mit dem Selbst-Tonometer zur Messung des Augendrucks), Prof. Bernhard Ludwig, Seminar-Kabarettist, Betroffener, Dr. Helga Azem, Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Christoph Faschinger, Stellvertretender Klinikvorstand Universitäts-Augenklinik der MedUni Graz (v.l.n.r).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grüner Star & Grauer Star Faschinger, Christoph; Schmut, Otto 128 Seiten, € 14,90 Verlagshaus der Ärzte, 2012 ISBN 9783990520185
 
Augenheilkunde 12. März 2013

Weltglaukomwoche: Anleitung zur richtigen Vorsorge

Rund um den Weltglaukomtag am 12. März 2013 hat sich die Weltglaukomwoche - vom 10. bis 16. März - etabliert.


Regelmäßige Glaukomkontrolle schützt vor „Grünem Star“. Anlässlich des Weltglaukomtags gibt "Seminarkabarettist" und Psychologe Prof. Bernhard Ludwig eine Anleitung zur richtigen Vorsorge.


Das Glaukom, im Volksmund auch „Grüner Star“ genannt, ist eine Erkrankung des Sehnervs. Es ist in der westlichen Welt die häufigste Erblindungsursache. Die Krankheit verläuft schleichend und wird oft erst erkannt, wenn der Sehnerv bereits irreparabel geschädigt ist. Die Betroffenen leiden dann unter Gesichtsfeldausfällen, die bis zur völligen Erblindung reichen können. In Österreich sind über 80.000 Menschen davon betroffen, ein Großteil davon ahnt nichts von der Erkrankung. Nur mit der regelmäßigen Glaukomkontrolle durch den Augenarzt kann der „Grüne Star“ rechtzeitig erkannt werden.

Das Glaukom – trügerische Ruhe


Der grüne Star ist eine heimtückische Erkrankung, die anfangs völlig ohne Symptome verläuft und daher lange Zeit unerkannt bleibt. Anders als der „Graue Star“, der Eintrübung der Augenlinse, bleibt der „Grüne Star“ lange völlig unbemerkt und führt schmerzfrei zur langsamen, völligen und irreversiblen Erblindung. In dieser Hinsicht ähnelt er erhöhtem Blutzucker, erhöhten Blutfetten und erhöhtem Blutdruck, ebenfalls Erkrankungen, die lange Zeit keine Beschwerden verursachen. „Beim klassischen chronischen Glaukom ist die Sehschärfe lange Zeit nicht beeinträchtigt, während jedoch die Nervenfasern der Netzhaut und des Sehnervs zerstört werden. Dies führt zu Gesichtsfeldausfällen, die dem Betroffenen anfangs nicht auffallen, sich aber vergrößern und letztlich das zentrale Gesichtsfeld erreichen. Oft wird die Erkrankung erst in diesem Stadium von den Betroffenen bemerkt, zu einem Zeitpunkt bei dem das Glaukom nicht mehr gestoppt werden kann“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christoph Faschinger, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Stv. Klinikvorstand der Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz.

Früherkennung durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Jeder Mensch sollte ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich zur Glaukomkontrolle beim Augenarzt gehen. Dank der technischen und therapeutischen Möglichkeiten ist die Diagnose des Glaukoms heute in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung möglich. „Die allgemeine augenärztliche Untersuchung ist schmerzfrei und inkludiert neben der Messung des Augeninnendrucks die Bestimmung der Sehschärfe, die Begutachtung von Sehnervenkopf und Netzhautnervenfasern sowie bei Bedarf eine Gesichtsfeldbestimmung. Wenn der Verdacht auf Glaukom besteht, muss eine computerunterstützte Gesichtsfelduntersuchung durchgeführt werden“, erläutert Dr. Anton Hommer, Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukom Gesellschaft. Eine zuverlässige Diagnose kann aber oft erst durch eine Beobachtung über einen gewissen Zeitraum gestellt werden. Nur durch regelmäßige Kontrollen kann das Glaukom rechtzeitig entdeckt und mit entsprechender Therapie behandelt werden. Dabei ist die Senkung des Augeninnendrucks ein entscheidender Ansatzpunkt. Diese Drucksenkung wird in den meisten Fällen medikamentös, mit Augentropfen, die man täglich ein- oder mehrmals tropfen muss, zu erreichen sein. Wenn diese Lokaltherapie, die eine Dauertherapie ist, nicht ausreicht, kann eine Lasertherapie oder eine sogenannte filtrierende Operation erforderlich sein. Ziel ist es in jedem Fall, das Zugrundegehen der Nervenfasern zu verlangsamen bzw. zu verhindern. Eine medikamentöse Therapie muss von den Betroffenen ein Leben lang befolgt werden, um wirksam zu sein. „Eine lebenslang notwendige Therapie ist aber in hohem Maße auch vom Verständnis der PatientInnen für das Krankheitsbild abhängig. Erst dann wird sie – zwar nicht immer gern, aber doch – angenommen und durchgeführt. Information ist beim Glaukom das Um und Auf.“, meint Faschinger, der aus dieser Überzeugung heraus auch gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. phil. Otto Schmutt, das Buch "Grüner Star - Grauer Star" geschrieben hat. „Unser Buch ist ein Ratgeber, der versucht, in einfach verständlichen Worten und zahlreichen Abbildungen die beiden Krankheitsbilder, die meist verwechselt und nicht immer richtig eingeschätzt werden, zu beschreiben. Außerdem soll es einen Beitrag zur Aufklärung und Bewusstseinsbildung leisten“, erklärt Faschinger.

Versorgungsqualität sichern


Heutzutage bieten viele Optiker eine Augendruckmessung an. Dies wiegt Kunden allerdings mitunter in falscher Sicherheit, denn ein normaler Augendruck bedeutet noch lange nicht, dass mit dem Auge alles in Ordnung ist. Dr. Helga Azem, Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft betrachtet solche Angebote kritisch: „Leider ist der Augendruck nur ein Indikator beim Glaukom und weder ein normaler, noch ein statistisch gesehen erhöhter Augendruck sind alleine aussagekräftig genug, um eine gesicherte Diagnose zu stellen. Dafür ist jedenfalls eine gründliche Untersuchung durch einen Augenarzt nötig.“ Beim Glaukom bedeutet eine zu späte Entdeckung irreversible Schäden, die wiederum persönliches Leid für die Betroffenen und Folgekosten für die Gesellschaft mit sich bringen.

Azem ortet in diesem Zusammenhang auch eine Gefahr durch die aktuellen Tendenzen in Gesundheits- und Wirtschaftspolitik: „Hier kommt es unter dem Deckmantel von Rationalisierung zu Rationierung und Leistungseinschränkungen. Durch den Versuch, Leistungen zu nichtärztlichen Berufen zu verschieben, in der Hoffnung dadurch Kosten zu sparen, kommt es zu einer Entprofessionalisierung und zu Qualitätsverlust. Der Verlierer ist zuallererst der Patient, dessen Sehkraft zum Spielkapital wird, und danach die Gesellschaft, welche die Folgekosten, die eine starke Sehbehinderung zur Folge hat, tragen muss.“

Die negativen Folgen einer solchen Entwicklung kann man am Beispiel Großbritanniens sehen: Dort ist die Versorgungsdichte mit Augenärzten deutlich schlechter als in Österreich – bei etwa 62 Millionen Menschen gibt es in Summe genauso viele Augenärzte wie in Österreich. Die meisten Patienten werden daher in der Regel von Optometristen begutachtet, die über eine Weiterleitung zum Facharzt entscheiden. Mit einer Fehlerquote von 25 Prozent ist diese Art der Betreuung sehr mangelhaft.

80.000 Glaukomfälle – Tendenz steigend

In der EU sind derzeit etwa 9,25 Millionen am „Grünen Star“ erkrankt, Schätzungen zufolge wird diese Zahl aufgrund der alternden Bevölkerung in der EU bis 2020 auf 12,4 Millionen ansteigen, denn der „Grüne Star“ ist vorwiegend eine Erkrankung des Alters. Ab dem fünfzigsten Lebensjahr verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit an einem Glaukom zu erkranken mit jedem Lebensjahrzehnt. In Österreich gibt es 80.000 Betroffene, davon sind 35.000 bereits sehbehindert. Durch die steigende Lebenserwartung ist in den kommenden Jahren mit bis zu 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu rechnen, eine Entwicklung, die auch zu höheren Kosten im Gesundheitssystem und der Volkswirtschaft führt. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist es wichtig, die Erkrankung beziehungsweise das Erkrankungsrisiko frühzeitig zu erkennen und einen möglichst patientenfreundlichen Zugang zu Diagnose und Therapie zu gewährleisten.

„Anleitung zur richtigen Vorsorge“


Seminar-Kabarettist Prof. Bernhard Ludwig leidet seit einigen Jahren am „Grünen Star“. Die Erkrankung hätte frühzeitig entdeckt werden können, wäre Ludwig rechtzeitig zur Vorsorgeuntersuchung gegangen. „Vor einigen Jahren hatte ich einen Schlaganfall, in dessen Gefolge eine Blutung in einem Auge festgestellt wurde. Ich wurde operiert und als die Operationen und die „Reha“ nach dem Schlaganfall endlich vorbei waren, war ich froh endlich meine Ruhe zu haben. Ich bin also nicht, wie von meinen Ärzten dringend empfohlen, zur Kontrolluntersuchung beim Augenarzt gegangen. Ich habe das Risiko schlicht ignoriert. Erst nach Jahren bin ich wieder zu einer Augenuntersuchung gegangen und bekam prompt die Diagnose „Glaukom“. So wie mir geht es tausenden Menschen in diesem Land und das kann man nur durch mehr Aufklärung zum Besseren ändern“, betont Ludwig, den die Sehbehinderung als Bühnenmensch besonders hart trifft. Dr. Hommer ergänzt: „Es ist von größter Wichtigkeit, dass man ab dem 40. Lebensjahr einmal pro Jahr zur Glaukom-Kontrolle geht. Hier muss unbedingt mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Einer unserer Beiträge als Augenärzte ist der Weltglaukomtag, der das Problembewusstsein der Bevölkerung steigern soll.“

Weltglaukomtag


Der Weltglaukomtag, der traditionell jedes Jahr am 12. März begangen wird, hat sich. mittlerweile zu einer Weltglaukomwoche rund um dieses Datum entwickelt. Es handelt sich dabei um eine globale Initiative der World Glaucoma Association (WGA) und der World Glaucoma Patient Association (WGPA). Ziel ist es, an diesem Tag in Kooperation mit AugenfachärztInnen aus aller Welt das Bewusstsein für den „Grünen Star“ in der Bevölkerung zu heben und die Menschen zu sensibilisieren, damit irreparable Schäden am Auge bis hin zur Erblindung verringert werden können. Bernhard Ludwig fasst abschließend zusammen: „Meine „Anleitung zur richtigen Glaukom-Vorsorge“ ist, wie alle meine Anleitungen simpel: Gehen Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zum Augenarzt. Das Glaukom kann jeden von uns treffen. Nur durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kann man es zeitgerecht entdecken und behandeln und Menschen vor dem Erblinden bewahren.“

 

Lesen Sie auch: Von grünen und anderen Staren (Buchtipp)

 

Linktipp: http://www.wgweek.net/

public health PR, springermedizin.at

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