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© Stephanie Eckgold / fotolia
 
Neurologie 11. März 2013

Antihypertensive Therapie beugt Morbus Alzheimer vor

Unter den Blutdrucksenkern scheinen Sartane besonders gut vor Demenz zu schützen.

Patienten mit einer Sartantherapie zeigen nach dem Tod seltener eine Alzheimerpathologie als Hypertoniker, die andere Blutdrucksenker einnahmen. Auch ist die kognitive Leistung vor dem Tod besser.

Bei Patienten mit Bluthochdruck ist eine antihypertensive Therapie der beste Schutz vor einer Demenz: Eine gute Einstellung des Blutdrucks kann nach Studiendaten jede zweite Erkrankung verhindern. Einer der Gründe ist das reduzierte Schlaganfallrisiko unter Antihypertensiva – ein Schlaganfall erhöht das Demenzrisiko deutlich.

Doch es gibt darüber hinaus noch weitere günstige Effekte der Blutdrucksenkung, die allerdings nicht bei allen Antihypertensiva in gleichem Maß nachweisbar sind. Nach retrospektiven Analysen deutet vieles auf einen Vorteil von Sartanen bei der Demenzprävention.

Knapp 900 Gehirne analysiert

Geriater um Dr. Ihab Hajjar von der Universität in Los Angeles haben Ergebnisse von Gehirnautopsien von 890 Hypertonikern aus einer nationalen Datenbank genauer betrachtet. Für alle Hypertoniker lagen auch Daten zu neuropsychologischen Tests und geriatrischen Diagnosen vor, die nicht allzu lange vor deren Tod erstellt wurden. So hatten Ärzte bei 41 Prozent von 133 Verstorbenen mit Sartantherapie vor dem Tod eine Alzheimerdemenz festgestellt. Von den 577 Hypertonikern mit anderen Antihypertensiva waren 53 Prozent betroffen und von 180 unbehandelten Patienten mit Bluthochdruck gar 62 Prozent.

Auch war der Anteil ohne kognitive Defizite vor dem Tod in der Gruppe mit Sartanen am höchsten und betrug 14 Prozent. Dagegen war dieser Anteil mit anderen Blutdrucksenkern etwas niedriger (10%) und ohne Therapie am geringsten (6%). Auch beim letzten Mini-Mental-Test schnitten die Sartan-behandelten Patienten am besten ab: Ihr Wert lag mit 20 Punkten im Schnitt signifikant über dem Wert der Personen mit anderen Antihypertensiva (16,6 Punkte) und ohne Blutdrucksenkung (15,7 Punkte).

Alzheimerrate um ein Drittel geringer

Die neuropathologischen Befunde bestätigten nun weitgehend die Unterschiede bei den klinischen Einschätzungen und Diagnosen vor dem Tod. Für die Post-mortem-Analyse war etwa die Dichte der Alzheimerplaques in bestimmten Hirnregionen ermittelt worden oder aber die Dichte der Neurofibrillen, wie sie zur Bestimmung der Braak-Stadien nötig wird. Je nach verwendeten Kriterien und Berücksichtigung von Alter und anderen Risikofaktoren war eine definitive Alzheimerdiagnose bei den Hypertonikern mit Sartanen um 32 bis 35 Prozent seltener als bei Hochdruckpatienten mit anderen Therapeutika und um 40 bis 45 Prozent seltener als bei Hypertonikern ohne Therapie - die Unterschiede waren also noch größer als bei den klinischen Diagnosen.

In Alzheimer-Tiermodellen, so berichten die Studienautoren, ließ sich mit Sartanen die Amyloidablagerung um den Faktor 4 reduzieren. Ein ähnlicher Effekt wurde mit anderen Klassen von Blutdrucksenkern nicht beobachtet. Die Geriater um Hajjar sehen darin eine mögliche Erklärung für die geringere Alzheimerinzidenz unter Sartanen.

Quelle: Hajjar I et al.: Arch Neurol 2012; 69 (12): 1632–38

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 11/2013

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