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Innere Medizin 5. März 2013

Darmpolypen mit Vermächtnis

Jeder zehnte Darmpolyp wird unvollständig abgetragen.

Auch wenn ein Adenom bei der Vorsorgekoloskopie entdeckt wird, ist die Gefahr noch lange nicht gebannt. Bei der Polypektomie bleibt erstaunlich häufig neoplastisches Gewebe stehen. In einer US-Studie war jede zehnte Resektion unvollständig.

Die Qualität einer Polypektomie mittels Endoskopie wurde in zwei US-amerikanischen Kliniken prospektiv untersucht. Bei 269 Patienten wurden insgesamt 418 Darmpolypen mit Schlinge und Elektrokauter entfernt.

346 dieser Polypen waren neoplastisch, davon wurden 286 als tubuläre, tubulovillöse oder villöse Adenome klassifiziert. Elf Polypen waren bereits hochgradig dysplastisch und bei einem Polypen handelte es sich um ein Karzinom. 116 Polypen waren mehr als zehn Millimeter groß, die mittlere Größe lag bei 8,3 Millimeter. Die Hälfte der Polypen war flach, 60 Prozent waren im rechten Kolon lokalisiert. Angestrebt war eine En-bloc-Resektion, was in den meisten Fällen (85 Prozent) auch gelang.

Bei zwei Drittel der Polypen wurde die Abtragung als einfach und nur bei zwölf Prozent als schwierig beurteilt. Bei drei Prozent der Patienten kam es direkt nach dem Eingriff zu einer Blutung, die endoskopisch gestillt werden musste. Schwere Komplikationen traten nicht auf.

Größen- und arztabhängig

Sobald der endoskopierende Arzt nach sorgfältiger makroskopischer Inspektion davon ausging, dass der Polyp komplett entfernt war, wurden von den Resektionsrändern Biopsien entnommen. Dabei stellte sich heraus, dass von 10,1 Prozent der neoplastischen Polypen Gewebe stehen geblieben war.

Das Risiko für eine unvollständige Resektion erhöhte sich mit der Größe der Polypen. Bei Polypen von zehn bis 20 Millimeter Durchmesser war die Gefahr doppelt so groß wie bei Polypen von fünf bis neun Millimetern. Bei sessilen serratierten Adenomen/Polypen (SSA/P) war eine inkomplette Entfernung sogar viermal wahrscheinlicher als bei anderen neoplastischen Polypen. SSA/P mit einer Größe von mindestens zehn Millimetern waren zu fast 50 Prozent davon betroffen. Sowohl die hochgradigen Dysplasien als auch das Karzinom wurden jedoch vollständig abgetragen.

Wie erfolgreich die Polypektomie war, hing auch vom behandelnden Endoskopiker ab. Die individuellen Raten der inkompletten Resektionen variierten von sieben bis 23 Prozent.

Mehr Aufmerksamkeit für die Polypenränder

Die Studienautoren um Dr. Heiko Pohl vom VA Medical Center, White River Junction, Vermont, gehen davon aus, dass die hohe Quote inkompletter Polypektomien eine der Ursachen für die Entstehung von Intervall-Karzinomen ist. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir dringend Anstrengungen unternehmen müssen, um die Resektion neoplastischer Polypen, insbesondere von großen Polypen und SSA/P, zu verbessern“, schreiben Pohl et al.

Insbesondere den Polypenrändern müsste mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden – unter Zuhilfenahme spezieller bildgebender Verfahren wie Narrow-Band-Imaging oder Chromoendoskopie. „Die Durchführung einer qualitativ hochstehenden und wirksamen Endoskopie erfordert nicht nur Expertise beim Aufspüren neoplastischer Polypen, sondern auch bei deren Entfernung“, so die Autoren.

Originalpublikation: Pohl H et al.: Incomplete Polyp Resection During Colonoscopy—Results of the Complete Adenoma Resection (CARE) Study; Gastroenterol 2013;144: 74–80

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