zur Navigation zum Inhalt
Darf\\\'s ein wenig mehr sein?
 
Diabetologie 25. Dezember 2012

U-Kurve der Mortalität

Gewicht bei Diabetes: Dürfen es ein paar Kilo mehr sein?

Übergewicht ist ein Risikofaktor dafür, Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln. Wird die Diagnose aber gestellt, ist eine schlanke Linie nicht unbedingt von Vorteil. Das hat eine Studie gezeigt – und es ist nicht die erste.

Britische Forscher hatten sich die Krankenakten von mehr als 100.000 Schotten mit Typ-2-Diabetes angesehen, bei denen um den Zeitpunkt der Diabetesdiagnose herum auch der Body-Mass-Index bestimmt worden war. Untersucht wurde die Sterblichkeitsziffer der Patienten in Abhängigkeit von BMI-Werten zwischen 20 und 50 kg/m2. Todesfälle in den ersten beiden Jahren gingen nicht in die Berechnung ein, weil hier vorbestehende tödliche Erkrankungen den BMI beeinflusst haben könnten.

Geringstes Sterberisiko bei BMI zwischen
25 und 30

Der mittlere Follow-up betrug 4,6 Jahre bei einer Standardabweichung von 3,3 Jahren. Im Ergebnis zeigte sich ein u-förmiger Verlauf der Mortalitätskurve, die zudem nach rechts verschoben war. Das niedrigste Sterberisiko hatten Diabetiker mit einem BMI zwischen 25 und 30. Demgegenüber war die Sterblichkeit bei diabeteskranken Männern mit einem normalen BMI zwischen 20 und 25 um 22 Prozent, bei Frauen um 32 Prozent erhöht. Statistisch bedeutsame Anstiege der Mortalität waren erst wieder ab BMI-Werten über 35 zu verzeichnen. Bei einem BMI zwischen 45 und 50 lag die Sterblichkeit unter Männern um 70% und bei den Frauen um 80% höher als bei jenen, die zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose laut BMI leichtes bis mäßiges Übergewicht gehabt hatten.

Aggressivere Pathophysiologie?

Die zunehmende Mortalität mit steigendem BMI ist weniger rätselhaft als die ebenfalls erhöhte Sterblichkeit schlanker Menschen, bei denen ein Typ-2-Diabetes festgestellt wird. „Personen, die zum Zeitpunkt der Diagnose eine geringe Körpermasse haben, weisen womöglich eine abweichende, potenziell aggressivere Pathophysiologie auf“, mutmaßen die britischen Wissenschaftler. Sie könnten empfindlicher auf gespeichertes viszerales Fett reagieren oder eine stärkere genetische Neigung zur Insulinresistenz besitzen. Auch könnte es sein, dass ihre Inselzellen früher versagen.

Dass sich das von Herzinsuffizienz und Bluthochdruck her bekannte „Adipositas-Paradox“ auch auf den Diabetes erstreckt, haben auch andere Forschergruppen schon berichtet. So hatten auch Carnethon et al. festgestellt, dass frisch mit einer Diabetesdiagnose versehene Normalgewichtige über einen Zeitraum von 15 Jahren betrachtet eine höhere Mortalität aufweisen als Übergewichtige oder Adipöse.

 

Literatur:

Logue J et al. The Association Between BMI Measured Within a Year After Diagnosis of Type 2 Diabetes and Mortality. Diabetes Care 2012; online 8. November; doi: 10.2337/dc12-0944

springermedizin.de/rb/IS, Ärzte Woche 50/52/2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben