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© Volker Witt / fotolia.com
Apotheker leisten durch Beratung eine wichtige Präventionsarbeit.
 
Allgemeinmedizin 8. Oktober 2012

Prävention als Teamleistung

Für Arzt und Apotheker ein weites Feld, das der Patient gerne annimmt.

Von politischer Seite wird Prävention zwar gerne als Schlagwort angeführt und die Notwendigkeit betont, tatsächliche Fördermaßnahmen sind allerdings eher unstrukturiert. In der täglichen Arbeit von Ärzten und Apothekern ist das Thema indes längst angekommen. Zunehmend gibt es gezielte Präventionsangebote - oft auch in Kooperation.

Während also auf politischer Ebene noch debattiert und über Kosten gesprochen wird, ist in Apotheken bereits einiges in Sachen Präventionsarbeit in Gang gekommen. Mögliche Präventionsleistungen in der Apotheke reichen von Schwangerschaftsberatung bis hin zur Beratung Hochbetagter, von Primär- bis Tertiärprävention, darunter viele Aktionen aus dem Apothekensektor.

Dass Apotheken ein idealer Ort für Präventionsangebote sind, ist im Bewusstsein der Bevölkerung und der Apotheken selbst in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. In vielen Beratungsgesprächen schneidet man zwar schon Präventionsthemen an. „Wer sich aber in diesem Bereich gezielt engagieren und eine qualifizierte Leistung anbieten möchte, der sollte sich entsprechend weiterbilden“, rät Cynthia Milz vom Wissenschaftlichen Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) mit Sitz in München.

Programm zur gesundheitsfördernden Bewegung

Wie eine qualifizierte Aktion aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus Erftstadt in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Ziel, sowohl Gesunden als auch Menschen mit leichten Erkrankungen des Herzens, mit Diabetes, Hypertonie und Übergewicht, die Möglichkeit zu einer gesundheitsfördernden Bewegung zu egeben, haben sich vor einigen Jahren eine Apothekerin und ein Internist und Sportmediziner zusammengetan und ein von Krankenkassen zertifiziertes Programm erarbeitet. Mit Erfolg: Alle Kursteilnehmer, auch die, die zu Beginn keine 200 Meter Laufstrecke schafften, konnten am Ende fünf Kilometer durchlaufen. Das Projekt „Fit für fünf km“ erhielt im vergangenen Jahr den ersten Preis in der Sonderkategorie Kooperation Arzt/Apotheker beim WIPIG-Präventionspreis.

Masernschutz

Der mangelhafte Masernschutz in Deutschland aber auch in Österreich könnte durch die gezielte Information der Kunden über die Schutzimpfung verbessert werden. Dies untersuchte eine Studie in Deutschland, in der die beteiligten Apotheker ihre Kunden nicht allein auf Grippeschutz, sondern gezielt auch auf ihren Masernschutz ansprachen. In der Studie wurde untersucht, ob PTA und Apotheker in Zusammenarbeit mit Ärzten helfen können, die Impfbereitschaft zu verbessern und dazu beitragen können, nationale Impfziele zu erreichen, also die Masern bis 2015 in Deutschland zu eliminieren.

Die teilnehmenden Apotheken dokumentierten daher ihre Beratungs- und Aufklärungsgespräche im Zusammenhang mit Impfungen. Dass die Aktivitäten der Apotheken bei der Bevölkerung auf positive Resonanz stoßen, zeigten die ersten Zwischenergebnisse. So befürworteten fast alle Kunden (92,5 %), in ihrer Apotheke über Impfungen informiert zu werden.

Interesse an Gesundheit und Gesunderhaltung

Solche Beispiele zeigen, wie sich einige Apotheken bereits aktiv im Bereich Prävention einbringen. Zunehmend steht in der Offizin nicht mehr nur der kranke Patient im Vordergrund, sondern auch der Kunde, der sich fit und gesund halten möchte. Umfragen zufolge ist ein Drittel der Bevölkerung sehr stark am Thema Gesundheit und Gesunderhaltung interessiert. Diese Kunden sind auch bereit, Zeit und Geld dafür zu investieren - eine Zielgruppe, die bisher allerdings in vielen Apotheken eher vernachlässigt wurde.

Beratungs- und Serviceangebote in Apotheken

Von Verbraucherseite sind zunehmend Angebote gefragt, die qualifizierten Service und pharmazeutische Kompetenzen vereinen und die die Arzneimittelversorgung sinnvoll ergänzen. In Deutschland wurde dafür vor etwa zwei Jahren der LeiKa - Leistungskatalog der Beratungs- und Serviceangebote eingerichtet. Ziel des LeiKa war, Qualitätsstandards auf der Basis wissenschaftlich anerkannter Leitlinien zu definieren. Er beschreibt detailliert Leistungen, die über den gesetzlichen Versorgungsauftrag der Apotheken hinausgehen und deren Nutzen nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft anerkannt ist, und verknüpft sie mit Qualitätsanforderungen. Darüber hinaus gibt es auch Hilfen zur praktischen Umsetzung.

Die systematische Beschreibung möglicher Präventionsangebote wie Blutzucker- oder Peak-Flow-Messungen, die Anwendung von Inhalationssystemen oder eine Ernährungsberatung ermöglicht zudem eine vernünftige Preiskalkulation. „Wer eine qualifizierte Leistung anbietet, hat auch Anspruch auf eine Honorierung“, so Matthias Arnold aus Halle, der den LeiKa mit entwickelt hat.

Infos über Prävention kommen oft nicht an

Vertragsärzte spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Versicherte auf Präventionsmöglichkeiten und bedarfsgerechte Angebote hinzuweisen. In ärztlichen Beratungsgesprächen bestehen gute Möglichkeiten, Versicherte auf die verhaltenspräventiven Maßnahmen der Krankenkassen sowie andere gesundheitsförderliche Angebote hinzuweisen und zur Teilnahme zu motivieren. Auch in der Apotheke gilt: Nicht auf die Nachfrage warten, sondern selbst aktiv werden. Kunden profitieren besonders von einer gezielten Zusammenarbeit mit Ärzten, wenn beide Berufsgruppen in die gleiche Richtung beraten. Einzelne Kooperationsprojekte, die auch von der Krankenkasse unterstützt werden, zeigen in Österreich bereits, wie es funktionieren kann. Allerdings ist der Ausstieg der Niederösterreichischen Ärztekammer aus dem Projekt Diabetes aktiv wieder ein Schritt rückwärts.

 

Damit Prävention ankommt

 

Diskussionen um die Notwendigkeit einer angemessenen Vergütung für Präventionsleistungen überlagern ein anderes, grundsätzliches Problem: Angebote zur Vorsorge kommen nicht bei allen Patienten gleichermaßen an. Untersuchungen belegen, dass eher gut ausgebildete, finanziell unabhängige Bürger Präventionsleistungen in Anspruch nehmen als Menschen mit niedrigem Bildungsniveau und geringem Einkommen sowie Menschen mit Migrationshintergrund.

Eine Erhebung der Dualen Hochschule in Lörrach zeigte, dass der Hauptgrund für die mangelnde Nutzung von Vorsorgeangeboten das mangelhafte Informationsangebot für Patienten ist.

Auf der anderen Seite nutzen Apotheken bisher kaum die Chance, Patienten und Kunden für verschiedenste Vorsorgeangebote zu sensibilisieren. Verbesserungspotenzial bestehe auch in der Kooperation zwischen den Heilberufen. Nur etwa jede achte befragte Apotheke gab an, mit Ärzten auf dem Gebiet der Prävention zusammenzuarbeiten.

Oft stehen dem allerdings Konkurrenzbefürchtungen im Weg. Dem hält WIPIG-Geschäftsführer Dr. Helmut Schlager entgegen: „In vielen Bereichen wie Ernährung oder Compliance liegt noch so viel im Argen, dass es für Patienten immer nur von Vorteil ist, wenn hier alle Leistungserbringer mitwirken und am gleichen Strang ziehen.“

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