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Onkologie 8. Oktober 2012

Mein Krebs ist nicht dein Krebs

Personalisierte Therapie und individuelle Betreuung bei Brustkrebs.

Mammografiescreening und Tumorboard sind wichtige Schritte am Weg zur optimalen Therapie, Case Manager garantieren als Ansprechpartner mit umfassendem Wissen die bestmögliche persönliche Betreuung.

Nach einer Brustkrebs-Diagnose können durch genetische Untersuchungen derzeit fünf verschiedene Tumorarten unterschieden werden. Sie variieren sowohl hinsichtlich ihrer Prognose als auch in ihrer Therapie. Zudem können heute mittels neuer MRT-Techniken mit bildbasierenden Biomarkern Tumore nach unterschiedlicher Aggressivität identifiziert werden. Weiters gibt es große Unterschiede in den chirurgischen Therapieoptionen dank neuer onkoplastischer Ansätze, bei denen die Tumorentfernung mit einer sofortigen Defektdeckung kombiniert wird. Sie sind stark abhängig von der individuellen Brustform, Morbiditäten wie Rauchen und Gewicht, und von den persönlichen Wünschen der Patientin.

In dieser großen Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten wird die Kommunikation zwischen dem Hauptbehandler (Case Manager), zumeist einem operativ tätigen Mediziner, und der Patientin zunehmend bedeutender. Studien zeigen, dass 50 Prozent der mit einer Behandlung nicht zufriedenen Frauen auf Basis einer Misskommunikation unzufrieden waren und 70 Prozent das Thema Brustkosmetik mehr diskutiert haben wollten.

Neues Screening ab Frühjahr

Im April 2013 startet in Österreich das Mammografiescreening, zu dem Frauen im Alter von 45 bis 70 Jahren per Brief eingeladen werden. Der Programmerfolg wird stark von der gelungenen Kommunikation zwischen Ärzten und Patientin abhängen. Durchgeführt wird die Vorsorgeuntersuchung von speziell ausgebildeten Fachärzten, die großen Wert auf individuelle Betreuung im persönlichen Gespräch legen. Prof. Dr. Thomas Helbich, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Senologie (ÖGS): „Bereits die Befundübermittlung geschieht nicht durch einen formlosen Brief, sondern durch das Gespräch mit dem Radiologen und in weiterer Folge mit dem Vertrauensarzt der Frau. Im Fall einer möglichen Brustkrebserkrankung wird die Patientin in einem Brustgesundheitszentrum individuell beraten, um die für sie optimale personalisierte Therapie zu finden.“

Tumorboard für beste Therapie

Das Tumorboard ist ein Ort der Kommunikation, an dem alle relevanten Informationen über die Patientin zusammenlaufen und von Experten aus Radiologie, Chirurgie und plastischer Chirurgie diskutiert werden. Mit einem gemeinsamen Beschluss wird nach Berücksichtigung aller bekannten Indikatoren die beste Therapie für den persönlichen Krebsbefund der Patientin festgelegt.

Doz. Dr. Rupert Koller, Präsident elect der ÖGS, betont die Bedeutung des Tumorboards auch für die rekonstruktive Chirurgie: „Der plastische Chirurg weiß von Anfang an über den aktuellen Stand der Therapie Bescheid und kann der Patientin optimale Lösungen anbieten,, die sehr verschieden aussehen können.“

Case Manager im Zentrum

Die Vielzahl an beteiligten Fachärzten bedeutet für die Patientin aber nicht, dass die Kommunikation unpersönlich abläuft. Der operativ tätige Arzt übernimmt als Case Manager von Anfang an die persönliche Betreuung. „Von ihm darf sich die Patientin die Beantwortung aller offenen Fragen erwarten“, garantiert Prof. Dr. Florian Fitzal, selbst Chirurg und Case Manager am AKH Wien.

Quelle: „Mein Krebs ist nicht dein Krebs“, Pressekonferenz der ÖSG, 25. September 2012, Wien

ÖSG/Martschin & Partner, Ärzte Woche 41/2012

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