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© Johannes Wosilat/www.wosilat.de
PD Dr. Dirk Ziebolz, Sylvia Fresmann und Prof. Dr. Johannes Einwag stellen das Konzept der ersten prospektiven Multizenterstudie zur Prophylaxe von periimplantären Erkrankungen in Ludwigsburg vor.
 
Zahnheilkunde 13. September 2012

Der „Tsunami der Zahnmedizin“ muss eingedämmt werden

Eine neue Studie soll die Effizienz der Periimplantitis-Prophylaxe untersuchen.

Die Zahl der an Parodontitis erkrankten Patienten steigt, und auch die Periimplantitis nimmt stetig zu. Der 18. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Dentalhygieniker/-innen (DGDH) e.V. und die 19. Sommer-Akademie des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart (ZFZ) dienten vom 5. bis 7. Juli 2012 gleichzeitig als Auftakt einer weltweit einzigartigen Studie zur Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen, die vom Aktionsbündnis gegen Periimplantitis unterstützt wird

Spätestens mit der Titulierung der Periimplantitis als „Tsunami der Zahnmedizin“ von Prof. Dr. Andrea Mombelli im Jahr 2006 hat sich diese Erkrankung als ernsthafte Herausforderung der Parodontologie und Implantologie entpuppt. Die bisherigen Betreuungskonzepte wiesen eher ernüchternde Erfolgsquoten auf.

Neue Studie konzipiert

Auf dem Jahreskongress der DGDH 2011 wurde die Idee einer klinischen Multizenterstudie zur Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen erstmalig vorgestellt. Nach der Konzeptionierung der Studie durch PD Dr. Dirk Ziebolz, Universität Göttingen, Sylvia Fresmann, DGDH, und Prof. Dr. Johannes Einwag, zahnmedizinisches Fortbildungszentrum Stuttgart., konnte sie nun am 5. Juli im Rahmen des 18. Jahreskongresses der DGDH offiziell gestartet werden.

Regelmäßige professionelle Zahnreinigungen verbunden mit wirksamen häuslichen Prophylaxemaßnahmen gelten gemeinhin als gute Vorbeugung gegen entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Für die Prävention periimplantärer Entzündungen liegen entsprechende Daten bislang nicht vor. Im Rahmen der neuen Multizenterstudie zur Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen soll daher die Wirksamkeit der am natürlichen Zahnhalteapparat nachgewiesenen Prophylaxemaßnahmen für die periimplantären Gewebe überprüft werden. „Es gibt weltweit noch keine prospektive Studie, die belegt, dass Prophylaxe eine Periimplantitis verhindern kann. Wahrscheinlich sind einige Konzepte aus der Parodontologie übertragbar - das ist aber bislang nur eine Hypothese“, erklärt Prof. Dr. Johannes Einwag die Tragweite dieser Studie. PD Dr. Dirk Ziebolz beschreibt das Vorgehen für die Datenerhebung: „Wir werden etwa 200 Probanden in vier Gruppen mit verschiedenen Präventionsmaßnahmen einteilen und wollen herausfinden, ob ein Präventionsansatz dem anderen überlegen ist.“

Mehrere Unternehmen stellen in den kommenden drei Jahren alle benötigten Materialien kostenfrei zur Verfügung - diese Unterstützung hat die Studie erst ermöglicht. Neben der Prophylaxe in der zahnmedizinischen Praxis müssen sich die Probanden auch im Rahmen ihrer häuslichen Mundhygiene an verschiedene Vorgaben halten. Der Gesundheitszustand des periimplantären Gewebes wird in den teilnehmenden Zahnarztpraxen über klinische und mikrobiologische Untersuchungen diagnostiziert. Die Studie ist auf drei Jahre angelegt. Eine Ethikkommission hat bescheinigt, dass das Studiendesign moralisch unproblematisch ist.

„Bei dieser Studie werden alle wissenschaftlichen Standards eingehalten. Zehn Tage nach Freilegung des Implantates wird die erste Prophylaxemaßnahme durchgeführt. Die Auswertung erfolgt zentral und onlinebasiert über eine Internetplattform. Die Datenerhebung startet im Herbst dieses Jahres, zwölf Monate später können wir eine erste Zwischenauswertung vornehmen“, erklärt Ziebolz den Studienablauf.

Dentalhygienikerinnen erheben wissenschaftliche Daten

Erheblichen Anteil an den Studienergebnissen haben 30 Dentalhygienikerinnen, welche die Probanden in den Praxen entsprechend des Studiendesigns betreuen und die Daten erheben. „Die teilnehmenden Dentalhygienikerinnen freuen sich sehr auf diese Herausforderung und sind hochmotiviert. Das Interesse, hier mitwirken zu können, ist riesig. Sie werden damit Bestandteil eines wissenschaftlichen Projekts, bei dem sie ihre Qualifikationen vollumfänglich einbringen können“, so Sylvia Fresmann. Das große Interesse der Dentalhygienikerinnen zeigt die hohe Relevanz derartiger Studienergebnisse für die richtige Betreuung von Implantatpatienten in der Praxis. Sollte sich ein Präventionskonzept den anderen gegenüber als deutlich überlegen erweisen, wäre das ein Meilenstein für die Prävention der Periimplantitis im häuslichen Umfeld und in der zahnmedizinischen Praxis.

Aktionsbündnis gegen Periimplantitis

Seit Herbst 2011 setzt sich das Aktionsbündnis gegen Periimplantitis für die Prävention von entzündlichen Prozessen an dentalen Implantaten ein. Im Rahmen dieses Engagements unterstützt die Arbeitsgruppe gesundes Implantat diese wegweisende Präventionsstudie zur Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen. „Es gibt einen großen Handlungsbedarf, um Methoden zu entwickeln und zu validieren, die periimplantären Erkrankungen vorbeugen. Bislang ist kein Therapiekonzept der Periimplantitis erfolgsversprechend - die Erkrankung darf also gar nicht erst entstehen. Aus diesem Grund freuen wir uns, diese Studie unterstützen zu dürfen und sind selbst sehr gespannt auf die ersten Ergebnisse“, erklärt Jan-Philipp Schmidt, Initiator des Aktionsbündnisses.

Alle Praxen, die an der Studie teilnehmen, werden auf den Webseiten www.gesundes-implantat.de  und www.gegen-periimplantitis.de  gelistet. Die Arbeitsgruppe "gesundes Implantat" wird Zahnmediziner, Prophylaxefachkräfte und auch Patienten regelmäßig über Verlauf und Ergebnisse der Multizenterstudie informieren.

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