zur Navigation zum Inhalt
 

Weltdrogentag 26. Juni: Jeder Zehnte hat Suchtproblem

Gesellschaftlich akzeptierte Drogen wie Alkohol und Nikotin werden hinsichtlich Suchtpotenzial und möglichen Schädigungen unterschätzt.

Während Suchtprävention bei illegalen Drogen funktioniert, braucht es bei legalen Drogen und Verhaltenssüchten mehr und vor allem höherqualifizierte professionelle HelferInnen.



Zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung sind von legalen oder illegalen Drogen abhängig oder leiden an Verhaltenssüchten  Nikotinabhängigkeit, die häufig als eine zusätzliche Sucht auftritt, nicht eingerechnet.

Vor allem Alkohol hat hierzulande Suchtpotenzial: Rund 700.000 Menschen haben einen problematischen Umgang mit dem Genussmittel, 340.000 sind chronisch alkoholkrank. Der Weltdrogentag macht darauf aufmerksam, dass neben den illegalen Substanzen, als Genussmittel unterschätzte legale Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Verhaltenssüchte etwa Essstörungen, Spiel- oder Kaufsucht auf dem Vormarsch sind. "Bei psychotropen Substanzen blieb die Zahl der Abhängigen in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den Vorjahren relativ konstant. Das zeigt, dass die Präventionsarbeit greift. Bei den gesellschaftlich akzeptierten Drogen und den Verhaltenssüchten steckt die Suchtprävention allerdings noch in den Kinderschuhen", sagt FH-Prof. Kurt Fellöcker, Leiter des Lehrgangs Suchtberatung und Prävention der FH St. Pölten.

Verhaltenssüchte nehmen zu

Anders als bei illegalen Drogen, funktioniert die Suchtprävention im Bereich legaler Drogen und der Verhaltenssüchte nicht über Verbote und Warnungen. "Vielmehr geht es um einen reflektierten Umgang. Die psychischen, körperlichen und sozialen Schädigungen, die sich beispielsweise bei regel- und übermäßigem Alkoholkonsum entwickeln, sind vielen wenig bis gar nicht bewusst. Umso wichtiger ist professionelle Aufklärungsarbeit", so Fellöcker.

Der Bedarf an spezialisierten SuchtberaterInnen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich nimmt insbesondere bei den Verhaltenssüchten zu. "Eines der immer größer werdenden Suchtprobleme sind Esssüchte. Man nimmt an, dass in Österreich 200.000 Menschen an Essstörungen erkrankt sind und damit weitaus mehr als an illegalen Drogenkonsum. Diese Zahlen und auch die seit Jahren zunehmende Zahl von Todesfällen sind erschreckend", sagt Fellöcker. Eine weitere, in der öffentlichen Wahrnehmung stark unterschätzte Sucht ist Spielsucht. Laut Studien gibt es in Österreich rund 60.000 pathologische SpielerInnen, die unkontrolliert Glücksspiel oder Wetten betreiben. Vor allem durch das Internet hat Spielsucht breitere Bevölkerungskreise erreicht.

Weiterbildungslehrgang "Suchtberatung und Prävention"


Der Bedarf an SuchtberaterInnen, die beispielsweise alltagsbezogen bei der Alkoholerziehung unterstützen, über die Auswirkungen von Süchten aufklären und zum Erlernen eines reflektierten Umgangs mit legalen Drogen beitragen, nimmt zu. Fellöcker: "Aus Präventionssicht gibt es viel zu tun. Dazu braucht es eine Höherqualifizierung und Spezialisierungen von professionellen HelferInnen, die in diesem Bereich tätig sind. Man kann die erfolgreichen Präventionsprojekte für illegalen Drogenkonsum nicht einfach übernehmen, sondern es braucht eigene, komplexere Strategien."

Als Weiterbildungsmöglichkeit für Berufstätige aus den Bereichen Sozialarbeit, Medizin, Bildung, Psychologie, Krankenpflege, Jugendbetreuung oder Familienhilfe bietet die FH St. Pölten den Lehrgang "Suchtberatung und Prävention" an. Die Fortbildung kann als Zertifikats- (2 Semester), Hochschul- (4 Semester) oder Masterlehrgang (4 Semester) besucht werden und wird in Kooperation mit dem ÖAGG (Österreichischer Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik) sowie dem Anton Proksch Institut angeboten.

www.fhstp.ac.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben