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Quelle: Privat

Dr. Michael Elnekheli

 

Pack zwei Badeanzüge ein – oder: gesund durch den Sommer

Gespräch mit Dr. Michael Elnekheli, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Präsident des Berufsverbandes Österreichischer Gynäkologen (BÖG).

Wird das Scheidenmilieu gestört, resultieren oft Krankheitssymptome – es kommt zu Brennen, Schmerzen, Ausfluss. Sind diese Frauenprobleme im Sommer häufiger?

Elnekheli: Die beiden häufigsten Probleme, die uns im Zusammenhang mit Störungen des Scheidenmilieus in der Praxis beschäftigen, die Hefepilzerkrankung und die bakterielle Vaginose, verursacht durch Gardnerella vaginalis, sind keine Infektionen. Es handelt sich in beiden Fällen um eine Besiedelung. Bei der Hefepilzerkrankung und der bakteriellen Vaginose nehmen die Keime aufgrund von Rahmenfaktoren an Zahl zu und machen so Beschwerden. Die bakterielle Vaginose ist nach meiner Erfahrung im Sommer nicht häufiger als in den anderen Jahreszeiten, die Hefepilzerkrankung aber sehr wohl: Das hat damit zu tun, dass der Hefepilz ein feuchtwarmes Milieu braucht, um wachsen zu können.

 

Es ist also das Scheidenmilieu, welches entscheidet, ob Keime wachsen können oder nicht?

Elnekheli: Ein Scheidenmilieu, das nicht von Laktobazillen dominiert wird, macht die Scheide anfälliger für ein stärkeres Wachstum anderer Keime, wie Candida oder Gardnerella vaginalis. Ein saures Scheidenmilieu lässt dieses Wachstum nicht zu.

 

Welche Altersgruppen sind häufiger von Störungen der Vaginalflora betroffen?

Elnekheli: Die bakterielle Vaginose sehen wir häufiger bei jüngeren Frauen – ausgesprochen selten bei älteren Frauen, die Hefepilzerkrankung ist relativ altersunabhängig. Viele Faktoren begünstigen das Wachstum des Hefepilzes: Nicht nur das erwähnte feucht-warme Milieu, sondern vor allem Stress und hormonelle Einflüsse sind hier zu nennen. Unter dem Einfluss der Östrogene lagern die Scheidenepithelzellen vermehrt Glukose ein, und das wiederum begünstigt das Wachstum von Hefepilzen.

 

Sind Pillenanwenderinnen häufiger von einer Candidose betroffen?

Elnekheli: Ja, definitiv. Weil Pillenanwenderinnen auch sexuell aktiver sind, wird man in dieser Population generell häufiger Fluorproblemen begegnen.

 

Wie kann eine Frau Störungen der Scheidenflora vorbeugen?

Elnekheli: Die Prävention von Störungen der Vaginalflora ist wichtig. Bei sexuell übertragbaren, bakteriellen Erkrankungen gehört die Verwendung eines Kondoms unbedingt dazu. Bei Hefepilzerkrankungen und bakterieller Vaginose ist es im Sinne einer Rezidivprophylaxe nötig, herauszufinden, was das gesteigerte Wachstum des Keims triggert. Ist die Erkrankung Stress-getriggert, wird man der Situation meist schwer Herr. Zudem ist es hilfreich, den Patientinnen Verhaltensmaßregeln zu geben: Keine übertriebene Genitalhygiene – das heißt, nur geeignete Präparate zur Reinigung, Vermeidung von synthetischen Fasern bei Slips, Vermeidung zu enger Hosen, Wechsel der Badebekleidung nach dem Schwimmen, um nur einige wirksame Maßnahmen anzuführen. Für eine Prävention der bakteriellen Vaginose ist es wichtig, das saure Scheidenmilieu aufrecht zu erhalten. Was die Hefepilzerkrankung angeht, so müssen wir herausfinden, welcher Faktor die Erkrankung triggert. Ist zum Beispiel Stress ein Trigger, so ist es meist schwierig, diesen Faktor zu eliminieren.

 

Gibt es Präparate, die zur Erhaltung der Scheidenflora einsetzbar sind?

Elnekheli: Es sind dies Milchsäurepräparate; von Schaumpräparationen, die als Waschmittelersatz Verwendung finden, über Vaginalkapseln bis hin zur oralen Applikationsform.

 

Welchen Stellenwert hat die Intimpflege in der Prävention von Störungen der Vaginalflora?

Elnekheli: Intimpflege ist ein wichtiges Thema. Bei den meisten Frauen führt der subjektive Eindruck, sie machen in ihrer Körperhygiene etwas falsch, dazu, dass sie sich noch mehr waschen – das führt im Hinblick auf Störungen der Vaginalflora zu einem Teufelskreis. Hier fehlt es vielerorts an richtiger medizinischer Information und Instruktion. – Die Intimpflege betrifft auch Modeströmungen, wie heute die Intimrasur: Trugen Frauen bis vor kurzem ihr Schamhaar meist etwas faconniert, so sehen wir in der letzten Zeit zunehmend komplette Intimrasuren. Durch das völlige Wegrasieren der Schambehaarung hat das Genitale direkt Kontakt mit dem Gewebe des Slips; so fällt auch der physiologische Fluor im Slip auf, und dies führt zum Tragen von Slipeinlagen – oft mit eingearbeiteter Plastikfolie – und zu verstärkter Intimpflege. Ein Teufelskreis beginnt. Ich rate Frauen, die immer wieder Probleme mit Ausfluss haben, davon ab, in exzessiver Weise Slipeinlagen zu verwenden.

 

Was gilt es in der Schwangerschaft hinsichtlich Intimpflege zu beachten?

Elnekheli: Gerade in der Schwangerschaft ist auf ein gesundes, d.h. saures Scheidenmilieu zu achten. Dies ist durch Studien belegt. Mit übertriebener Körperhygiene hat das aber nichts zu tun.

Wie kommen Ihre Patientinnen gesund durch den Sommer?

Elnekheli: Neben den oben erwähnten Maßnahmen empfehle ich Patientinnen mit chronisch rezidivierenden Beschwerden die regelmäßige Anwendung von Milchsäurepräparaten. Neben den bekannten, gut wirksamen Vaginalkapseln gibt es seit Kurzem auch eine orale Präparation.

Das Gespräch führte R. Höhl.

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